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Europa

Flamenco und Feria in Malaga

Jedes Jahr zieht die spanische Stadt Malaga sechs Millionen Menschen an, die alle nur eines wollen: feiern auf der "Feria de Malaga" - ein neuntägiges rauschendes Fest mit gigantischem Feuerwerk.

Erleuchtetes Haus auf der Feria de Malaga (Foto: Fernando Rosado)

Während der Feria ist Malaga nachts hell erleuchtet

Die Feria beginnt offiziell erst, wenn der Nachthimmel zum ersten Mal von einem Meer aus bunten Lichter erhellt wird. Dazu gehören ein Glas Rotwein oder erfrischend kalter Fino, der tradionelle trockene Sherry aus der Region, und jede Menge Freunde. Nur so kann man das Feuerwerk angemessen - auf die spanische Art - genießen.

Menschen schauen einer Flamenco-Tänzerin auf einer straße in Malaga zu (Foto: frankenschulz)

Traditionell und Flamenco durch und durch

Ein guter Start, aber eben doch nur der Beginn des jährlichen Großereignisses "Feria de Malaga", dessen Ursprung bis ins Jahr 1487 zurückgeht, als die katholischen Monarchen Spaniens, Ferdinand und Isabella, Malaga von den Mauren zurückeroberten.

Straßenfest und Nachtparty

Nach dem großen Auftakt am Abend ist die Atmosphäre am nächsten Morgen, dem ersten offiziellen Tag der Feria, noch immer festlich, aber förmlicher. Die Menschen versammeln sich vor der Stadthalle Malagas für die Eröffnung und den anschließenden Umzug. Die Frauen tragen traditionelle, eng anliegende lange Kleider mit gerafftem Saum. Ihre Haare sind mit Blumen geschmückt, einige haben sich auch spanische Kämme ins Haar gebunden. Die Jüngeren tragen bunte Plastikkämme, passend zu ihren Kleidern.

Mehr als 100 mit Blumen und Glöckchen drapierte Kutschen stehen dann in den Straßen der Innenstadt. Hinzu kommen 70 bunt geschmückte Pferde, deren Reiter stolz hoch über der Menschenmenge im Sattel sitzen. Ihre Schärpen sind passend in den Farben ihrer Bruderschaft ausgewählt. Auch einige Frauen sind unter den Reitern. Statt Uniformen tragen sie die traditionelle, andalusische kurze Jacke und einen flachen Hut mit breiter Krempe, unter dem immer eine Blume befestigt ist.

Die Umzugsroute ist nur etwa vier Kilometer lang, trotzdem dauert es immer mindestens zwei Stunden bis zur Kirche Santa Viktoria. Dort bedanken sich die Spanier für den Sieg der Christen über die Muslime im 15. Jahrhundert, die Andalusien immerhin mehr als 600 Jahre lang beherrschten. Die Stimmung in der Kirche ist weniger andächtig als ausgelassen fröhlich. Frauen und Männer in Flamenco-Anzügen und -Kleidern stimmen alle in das volkstümliche Lied des Dankes ein.

Julian Sandez ist einer von ihnen und arbeitet für den Stadtrat Malagas. Die Statue der Santa Maria Viktoria sei ein Geschenk von Königin Isabella und König Ferdinand im 15. Jahrhundert gewesen, sagt Sandez. "Das hier ist die wichtigste Zeit des Jahres. Wir haben zwei große Feste, dieses im August und die heilige Woche", erzählt Julian Sandez. "Die Feria bedeutet für uns trinken, tanzen und mit netten Menschen feiern." Wenn man wolle, könne man täglich 20 Stunden lang Feria feiern.

Hauptsache Flamenco

Einige machen das auch: Geschäfte und Unternehmen schließen während des neuntägigen Straßenfestivals, das sich auch in den kleinen Straßen und historischen Plätzen der Stadt ausbreitet. Überall, wo man hingeht, ertönt Flamenco-Musik. Es gibt kein Entrinnen. Die Feierlichkeiten sind eigentlich streng auf die Innenstadt beschränkt, auf 20 Pavillions. Hier kann es oft sehr laut werden. Um 18 Uhr ist aber immer Schluss. Deshalb gehen die meisten Parties außerhalb der Innenstadt in den sogenannten Casetas weiter, sagt Julia Alvarez, stellvertretende Direktorin des Tourismusbüros. "Casetas sind Orte, wohin man mit Freunden hingeht. Man trinkt, man tanzt und isst." Es gebe verschiedene Arten von Casetas. "Es gibt Freunde, die Casetas veranstalten und während des Festivals auch Fremde dort begrüßen. Aber auch Unternehmen veranstalten Casetas", erklärt Alvarez.

Menschen tanzen Flamenco auf einer Straße in Malaga (Foto: Cyberfrancis)

Ausgelassene, fröhliche Stimmung auf der Feria

150 Casetas finden auf dem 700.000 Quadratmeter großen Platz "Real de la Feria" sechs Kilometer außerhalb der Innenstadt statt. Das Unterhaltungsangebot variiert: von professionellen Flamenco-Einlagen bis zu Amateur-Vorstellungen, bei denen mehr Enthusiasmus als Talent gezeigt wird. Man muss keinen Eintritt zahlen, sondern nur Getränke und Essen. Auch die Stimmung in den Casetas ist absolut unterschiedlich. In der "La Jarana" beispielsweise tragen alle Frauen Cocktailkleider. Sobald die Musik ertönt, strömen sie alle auf die Tanzfläche. Von der Großmutter bis zum Teenager.

Die ausgelassene Stimmung zieht jährlich bis zu sechs Millionen Besucher an, die von 21 Uhr bis zum Morgengrauen feiern - in diesem Jahr noch bis zum 22. August. Der eigentliche Rückeroberungstag Malagas, der 19. August, geht dabei ein wenig unter. Aber 1487 ist auch schon eine ganze Weile her und die Besucher auf der Feria sind alle gut damit beschäftigt, sich köstlich zu amüsieren.

Autor: Mariana Schroeder
Redaktion: Nicole Scherschun