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Europa

Flagge zeigen

Sie besteht aus 70.000 Menschen – ein knappes Prozent der Gesamtbevölkerung: die deutschsprachige Gemeinde in Belgien. Schon jetzt verfügt sie über umfassende Rechte der Selbstbestimmung. Doch sie will mehr.

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Leicht zu verwechseln

Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach, Eupen, Kelmis, Lontzen, Raeren und St.Vith – das sind die Namen der neun Gemeinden des deutschen Sprachgebietes in Belgien. Neben Flämisch und Französisch ist Deutsch die dritte anerkannte Landessprache.

Drei offizielle Regionen gibt es in dem kleinen Föderalstaat: Brüssel, Flandern und Wallonien. Angesichts von 5,8 Millionen Flamen und 3,2 Millionen frankophonen Wallonen sind die Deutsch sprechenden Belgier mit einer Anzahl von ca. 70.000 eine Minderhheit. Zudem sind sie weitgehend in die Region Wallonien eingebunden.

Dort verfügen sie freilich schon über weitreichende Rechte der Selbstbestimmung: Sie gestalten unabhängig ihre eigene Bildungs- und Kulturpolitik, Familien- und Gesundheitswesen ebenso. Außerdem haben sie freie Hand im Bereich der Beschäftigungspolitik und des Denkmalschutzes. Für eine Bevölkerungsgruppe von knapp einem Prozent ist das viel. Aber es reicht ihr nicht aus.

Ziel: Belgisches Bundesland

Angestrebt wird die Unabhängigkeit von Wallonien, die Gleichstellung mit den anderen Regionen. Einen eigenen Ministerpräsidenten haben die deutschen Belgier bereits: Karl-Heinz Lambertz. Er erkärte im Interview mit der Deutschen Welle: "Ich glaube, dass die Zukunft der deutschsprachigen Gemeinschaft in ihrer Eigenschaft als belgisches Bundesland liegt, das ist für mich auf absehbare Zeit die Entwicklung." Belgien als Bundesstaat sieht er noch nicht vollendet: "Der wird sich in den nächsten Jahren noch weiter entwickeln und das wird auch die Stellung der deutschsprachigen Gemeinschaft betreffen."

Wirtschaftlich gilt die Region als gesund. Mit einer Arbeitslosenquote von nur 4,6 Prozent liegt sie deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Die Bevölkerung wächst und wegen günstiger Immobilienpreise lassen sich viele Deutsche im Grenzgebiet nieder. In Raeren, unweit von Aachen, hat fast die Hälfte der Bewohner einen deutschen Ausweis.

Originelle Kampagne

Walloniens Ministerpräsident Jean-Claude van Cauwenberghe betrachtet die Bewohner der neun Gemeinden dennoch einfach als Wallonen, die Deutsch sprechen. Eine eigene Region ist für ihn ein Wahnbild. Lambertz hingegen begründet die Ambitionen seiner Gemeinde mit einer eigenen regionalen Identität, die sich von jener der frankophon geprägten Wallonen unterscheide.

Um das Anliegen der Deutsch-Belgier weithin sichtbar zu machen, fanden die Menschen in den deutschsprachigen Gemeinden im Juli einen Aufkleber mit der Aufschrift "DG" für "Deutsche Gemeinschaft" in ihrem Briefkasten – in Form und Aufmachung eines Auto-Nationalitätenkennzeichens. Lambertz erläutert: "Wir haben diese Operation gestartet, weil wir den Menschen die Möglichkeit geben wollten, sich zu ihrer deutschsprachigen Gemeinschaft zu bekennen und auf sich und ihre Heimat aufmerksam zu machen. Das ist kein konfliktuelles Flagge zeigen."

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