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Aktuell Deutschland

Flüchtlingswohnheim auf KZ-Areal

Dürfen Flüchtlinge auf einem Areal untergebracht werden, das die Nazis teilweise als KZ-Außenlager genutzt haben? Die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte sagt ja und bügelt die Kritik ab.

Nachdem die Unterbringungspläne der Ruhr-Kommune bei der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und bei Flüchtlingsorganisationen auf Kritik gestoßen waren, gehen die Verantwortlichen in Schwerte ihrerseits in die Offensive: Rat und Verwaltung "halten an ihrer Entscheidung aus Überzeugung fest", hieß es in einer Erklärung von Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU) und Vertretern des Stadtrates: "Wir haben in Schwerte keinen Nachholbedarf an Erinnerungskultur."

Schwerte will in den kommenden Tagen 21 Flüchtlinge in ein Übergangswohnheim auf dem Gelände eines früheren Eisenbahnausbesserungswerkes einquartieren (Artikelbild). Auf dem Werksareal waren von 1942 bis 1945 Zwangsarbeiter untergebracht. Neben diesem Zwangsarbeiterlager errichteten die Nazis noch ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Gebäude aus der Nachkriegszeit

Der Vorwurf, bei dem Gebäude handele es um die Original-Baracke von einstigen SS-Schergen, wies die Stadt zurück. Das für Flüchtlinge vorgesehene Haus existiere erst seit Ende der 1950er Jahre. Die während der NS-Zeit errichteten Baracken seien alle nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen worden. Die heutigen Gebäude an gleicher Stelle dienten in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedlichen Zwecken, zuletzt als Künstleratelier. Die Geschichte des KZ-Außenlagers sei historisch aufgearbeitet, seit 1990 gehe es dort eine Gedenkstätte, erklärte die Stadt.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte das Vorhaben der Stadt als "kein gutes Zeichen" kritisiert. Auch Integrationsminister Guntram Schneider und Innenminister Ralf Jäger (alle SPD) kritisierten die Pläne Schwertes. Der Flüchtlingsrat NRW sprach von "befremdlichen" Absichten.

wl/haz (dpa, afp, epd, kna)