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Welt

Flüchtlingsschiff vor Indonesien gesunken

Vor der Insel Java ist ein völlig überladenes Schiff mit vermutlich 250 Flüchtlingen untergegangen. Die Küstenwache konnte nur einige Dutzend Menschen retten. Die Chancen, weitere Überlebende zu finden, sinken.

Überlebende Flüchtlinge in einem Notlage im Osten Javas (Foto: AP)

Überlebende Flüchtlinge in einem Notlage im Osten Javas

Die Tragödie ereignete sich vor der Küstenstadt Prigi im Osten der indonesischen Insel Java, als das Schiff in einen Sturm geriet. Nach dem Untergang suchten Rettungskräfte am Sonntag (18.12.2011) in der aufgewühlten See weiter nach den Vermissten. Die indonesische Küstenwache setzte dazu auch Hubschrauber ein. Bevor die ersten Menschen aus dem Wasser gerettet werden konnten, vergingen fünf Stunden, so dass für die übrigen Insassen nur noch geringe Überlebenschancen bestehen. Das Boot war nach Angaben der indonesischen Nachrichtenagentur Antara nur für 100 Menschen zugelassen.

Überlebende erklärten, die Menschen an Bord stammten aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran und der Türkei, wie der Leiter der Rettungsmaßnahmen, Alwi Mudzakir, sagte. Die Flüchtlinge zahlten an Schlepper zwischen 2500 und 5000 Dollar, wie Kelik Purwato vom Rettungszentrum im indischen Trenggalek erläuterte. Die Menschenschmuggler hätten ihnen versprochen, sie auf die Weihnachtsinsel in Indischen Ozean zu bringen. Diese gehört zum 2600 Kilometer entfernten Australien, liegt aber nur 300 Kilometer vor der indonesischen Küste. Nach ersten Erkenntnissen wollten die Insassen des Bootes in Australien Asyl beantragen.

Ursache des Untergangs unklar

Diese Bootsinsassen konnten gerettet werden (Foto: AP)

Diese Bootsinsassen konnten gerettet werden

Über die Zahl der Opfer und Überlebenden liegen unterschiedliche Darstellungen vor. Die indonesischen Behörden sprachen von 33 Überlebenden, die sich bis zum Eintreffen der Retter an Trümmerteile geklammert hatten. "Nach unseren Informationen wurden 87 Menschen gerettet und zwei Leichen geborgen. Wir fürchten sehr um die anderen Menschen, die an Bord waren", sagte demgegenüber der australische Innenminister Jason Clare.

Unklar sind auch Ursache und Hergang des Unglücks. "Überlebende berichteten, dass das Schiff Maschinenschaden hatte und durch den hohen Wellengang Wasser an Bord kam", sagte Edwin Purnama, einer der Rettungskräfte. Das Boot habe nur wenige Rettungswesten an Bord gehabt, sagte ein anderer Helfer im Rettungszentrum in Surabaya.

Dagegen berichtete der indonesische Einsatzleiter Alwi Mudzakir, etwa 30 Kilometer vor der Südküste von Java habe das Boot bei starkem Wind zu schwanken begonnen. Die Flüchtlinge gerieten demnach in Panik und brachten das Boot noch stärker zum Schaukeln, bis es schließlich sank. Nach Schätzung eines Überlebenden waren mehr als 40 Kinder an Bord.

Viele Migranten wollen nach Australien

Jedes Jahr versuchen hunderte Flüchtlinge, per Boot den fünften Kontinent zu erreichen. Die australische Marine bringt viele Boote auf und schafft die Insassen in ein Lager auf der Weihnachtsinsel. Vor einem Jahr kamen dort 50 Flüchtlinge ums Leben, weil ihr Boot in schwerer See an den Klippen zerschellte.

In Australien flammte nach den ersten Neuigkeiten von dem Unglück die Debatte über die Einwanderungspolitik des Landes wieder auf. «Unsere Gedanken sind bei den Toten und ihren Familien», sagte Innenminister Jason Clare. "Immer wenn Menschen eine gefährliche Reise unternehmen und ihr Leben aufs Spiel setzen, macht mich das betroffen." Ian Rintoul vom Flüchtlingsrat sagte, solche Worte seien «scheinheilig», solange die Einwanderungsmöglichkeiten nicht verbessert würden.

Autor: Reinhard Kleber (dpa, afp, dapd, rtr)
Redaktion: Ulrike Quast