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Afrika

Flüchtlingslager Dadaab in Kenia: "Langfristige Lösung notwendig"

Entwicklungsminister Gerd Müller besuchte das weltgrößte Flüchtlingslager im kenianischen Dadaab. Für Campleiter Ahmed Fall ging es dabei um Aufmerksamkeit und Hilfen. Er sprach vor der Ankunft des Ministers mit der DW.

DW: In Dadaab leben knapp 350.000 Menschen - manche von ihnen seit 25 Jahren. Die meisten Bewohner sind Somalier, die vor der anhaltenden Gewalt in ihrem Land geflüchtet sind. Die Zustände in Dadaab sind prekär: Im Januar starben zehn Menschen während einer Cholera-Epidemie; seit 2013 mussten bereits zwei Mal die Essensrationen gekürzt werden. Jetzt besucht der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller das Camp. In welcher Funktion kommt er? Als ein interessierter Minister eines Geberlandes?

Ahmed Fall: Deutschland ist einer unserer wichtigsten Geldgeber, das Land bezuschusst unseren laufenden Betrieb direkt und unterstützt uns im Nahrungsmittelbereich über das World Food Programme (WFP). Vergangenes Jahr mussten die Essensrationen um 30 Prozent gekürzt werden, weil uns die nötigen Mittel fehlten. Zu Beginn dieses Jahres erhielten wir dann Hilfen in Höhe von rund 24 Millionen US-Dollar aus Deutschland. Mit diesem Geld konnte das WFP die volle Essensration an alle Flüchtlinge ausgeben. Dieser Beitrag war für uns extrem wichtig. Abgesehen von der Unterstützung, die uns Deutschland als individueller Geber zukommen lässt, hilft es auch über die Europäische Union. Die EU gehört ebenfalls zu unseren wichtigsten Geldgeber. Sie unterstützt verschiedene Projekte und unsere allgemeinen Tätigkeiten im Bereich Wasser, Gesundheit und Erwerbsaktivitäten.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller CSU

Entwicklungsminister Gerd Müller ist derzeit auf Afrika-Tour in Kenia, Dschibuti und Tansania

In Europa dominiert der beispiellose Zustrom von Flüchtlingen seit Monaten die Nachrichten. Interessieren sich seither auch mehr Menschen für die Bewohner von Dadaab?

Leider erhält Dadaab nach wie vor wenig Aufmerksamkeit. Deshalb sind wir sehr glücklich darüber, dass der Minister zu Besuch kommt. Vor zwei oder drei Monaten haben wir den deutschen Botschafter und seine Delegation empfangen und haben ihnen gesagt, dass wir Europa auf die Situation in Somalia aufmerksam machen müssen. Das Lager in Dadaab ist 25 Jahre alt und wir bemühen uns um eine langfristige Lösung zusammen mit den Europäern. Wir brauchen Frieden in Somalia, und die internationale Gemeinschaft muss Somalia mehr Beachtung schenken. Nur so können wir eine dauerhafte Lösung für die Flüchtlinge finden.

Wie wird sich der Besuch des deutschen Ministers auf Ihren laufenden Betrieb auswirken?

Wir hoffen, dass er unsere Programme sichtbarer macht. Aktuell sprechen ja alle nur noch von der Flüchtlingskrise in Europa. Wir hoffen deshalb, dass er mit diesem Besuch als unser Botschafter in Europa wirken kann und die Menschen verstehen, vor welchen Problemen die somalischen Flüchtlinge in Dadaab stehen.

Ahmed Fall ist der Leiter des kenianischen Flüchtlingscamps Dadaab, das das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) betreibt.

Das Interview führte Isaac Mugabi.

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