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Aktuell Nahost

Flüchtlingsfrauen werden sexuell ausgebeutet

Sie suchen Schutz im Nachbarland Libanon, doch sie finden Willkür und Entrechtung: Für syrische Flüchtlingsfrauen verschärft sich die Lage zusehends, warnt Amnesty International.

Vor der Syrien-Geberkonferenz in London prangert Amnesty International die sexuelle Ausbeutung weiblicher Flüchtlinge im Libanon an. Ihre Lage verschärfe sich durch diskriminierende Gesetze und den Rückgang internationaler Hilfsgelder immer weiter. "Die Kombination von ausbleibenden Hilfsgeldern und strikten Restriktionen für Flüchtlinge seitens der libanesischen Regierung verstärkt ein Klima, in dem weibliche Flüchtlinge aus Syrien Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt sind und von den Behörden keinen Schutz erhalten", schreibt Kathryn Ramsay in dem Bericht "I want a safe place".

Der Libanon habe das UN-Flüchtlingshilfswerk 2015 davon abgehalten, neue syrische Flüchtlinge zu registrieren und gleichzeitig neue Richtlinien erlassen, die die Erneuerung einer Aufenthaltserlaubnis für das Land erschwere. Insbesondere der unsichere Aufenthaltstitel führe dazu, dass Frauen Vermietern, Arbeitgebern und selbst Polizisten schutzlos ausgeliefert seien, so Amnesty. Viele weibliche Flüchtlinge bekämen die nötige Unterstützung nur gegen sexuelle "Dienstleistungen".

Angst und Armut

Ohne legalen Aufenthaltsstatus müssten sie willkürliche Verhaftungen, Inhaftierungen und sogar Abschiebungen befürchten. Deshalb hätten viele Frauen Angst davor, Missbrauchsfälle bei der Polizei zu melden. Hinzu kommt laut Amnesty, dass 20 Prozent der Haushalte von syrischen Flüchtlingen im Libanon von Frauen geführt werden. Sie seien oft die Haupteinkommensquelle der Familie, da ihre Ehemänner in Syrien getötet, verhaftet oder entführt worden seien.

Laut dem Amnesty-Bericht leben rund 70 Prozent der syrischen Flüchtlingsfamilien unter der libanesischen Armutsgrenze. Im vergangenen Jahr hätten die Vereinten Nationen für die humanitären Hilfen im Libanon kaum mehr als die Hälfte der angeforderten Mittel von den Geberländern bekommen.

Mehr als eine Million Syrer sind nach offiziellen Angaben in den Libanon geflohen. Die tatsächliche Zahl dürfte wesentlich höher liegen. Der Bürgerkrieg in Syrien dauert bereits fünf Jahre, mehr als 250.000 Menschen wurden getötet, über 13 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe. Nach Schätzung der Vereinten Nationen (UN) werden ab Donnerstag mehr als sieben Milliarden Euro benötigt. An der Londoner Geberkonferenz nehmen 70 Länder teil, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt.

rb/se (dpa, epd, kna)