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Filme

Flüchtlingsdrama vor Frankreichs Küste

Ein kurdischer Flüchtling versucht, mit allen Mitteln nach England zu gelangen. Als ihn der Grenzschutz in Calais festhält, fasst er den waghalsigen Plan, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Der Film "Welcome".

Zwei Männer am Strand, in Zivil und Badebekelidung (Arsenal Verleih)

"Welcome"

Schon seit drei Monaten ist Bilal (Firat Ayverdi) auf der Flucht. Im Irak ist Krieg, doch das ist nicht der einzige Grund, warum der 17-Jährige Kurde um jeden Preis nach England gelangen will. Es drängt ihn vor allem zu seiner Verlobten, die mit ihren Eltern nach London emigriert ist. Als Illegaler ohne Papiere ist er auf die Hilfe von Menschenschmugglern angewiesen. Das Geld, das es dazu braucht, kann er aufbringen. Doch die Sache geht schief. An der nordfranzösischen Küste wird Bilal erwischt, obwohl er sich sogar aus Angst vor den Sonden der Polizei eine Plastiktüte über den Kopf gezogen hat. Fast wäre er dadurch erstickt.

Zwei Männer im Gespräch (Arsenal Verleih)

Überzeugungsarbeit: Simon und Bilal

Mit unzähligen anderen Flüchtlingen sitzt er nun in Calais fest. Doch Bilal gibt nicht auf, fasst den waghalsigen Plan, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Simon, der Schwimmlehrer des örtlichen Hallenbades (Vincent Lindon), ein ehemaliger Champion, der selber gerade eine Krise durchmacht, soll ihn dafür trainieren. Anfänglich eher widerstrebend lässt der sich darauf ein. Doch nach und nach freundet er sich mit dem willensstarken Jungen an und gerät selbst in Schwierigkeiten.

Unmenschliche Ausländerpolitik

"Welcome" - so lautet der ironische Titel des brisanten Dramas von Regisseur Philippe Lioret, eine Anklage der unmenschlichen französischen Ausländerpolitik. Wie andere EU-Länder will Frankreichs Regierung Migranten so schnell wie möglich loswerden, selbst Minderjährige - so der Vorwurf des Films. Deshalb sind Menschen wie Bilal auf die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung angewiesen.

Paar in nächtlichen Straßen (Arsenal Verleih)

Simon möchte seine Frau Marion zurückgewinnen

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy aber hat 2007 humanitäre Hilfe konsequent kriminalisiert. Jeder, der illegalen Migranten Flucht oder Aufenthalt erleichtert, muss mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Lioret zeigt dabei in seinem Film noch nicht einmal die schlimmsten Fälle. In der Realität ertrinken, verdursten oder ersticken viele Flüchtlinge in den überfüllten Laderäumen der LKWs.

Erstklassige Darsteller

"Welcome“ ist jedoch nicht nur ein politischer Film. Wie die beiden gegensätzlichen Männer einander nach und nach auch menschlich näher kommen, das erzählt der Regisseur behutsam und sensibel mit zarten Blicken und Gesten. Für größte Authentizität sorgt dabei das treffliche Spiel der Protagonisten. Der wunderbare Vincent Lindon überzeugt als verschlossener, nachdenklicher und verletzbarer Bademeister. Der Wille, seiner sozial engagierten Frau (Audrey Dana) gefallen zu wollen, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat, ist zunächst der Motor für seine Entscheidung, Bilal zu helfen. Doch dann erkennt er, wie bewundernswert die Haltung des Jungen ist, dass dieser alles für seine Liebe tun würde. Und wie jämmerlich es eigentlich ist, dass Beziehungen, die unter so einfachen Bedingungen gelebt werden könnten wie die seine, scheitern.

Mann am Schwimmbeckenrand, darunter Schwimmer (Arsenal Verleih)

Training für die Flucht

Firat Ayverdi, Laiendarsteller und selbst Immigrant, verkörpert den wagemutigen Kurden, als ginge es um sein eigenes Leben. Wie die Filmfigur haben auch in der Realität viele "Illegale" versucht, durch den Ärmelkanal zu schwimmen, trotz reißender Strömungen und zehn Grad Wassertemperatur.

Große Resonanz in Frankreich

"Welcome“ ist ein Beispiel dafür, dass Kino etwas bewegen kann. Über eine Million Zuschauer haben den Film in Frankreich gesehen. Die große Resonanz führte dazu, dass der Film auch vor dem französischen Parlament gezeigt wurde. Inzwischen wollen viele französische Politiker das Gesetz, das Flüchtlingshilfe unter Strafe stellt, modifizieren.

Autorin: Kirsten Liese
Redaktion: Jochen Kürten

Symbolbild Film Festival roter Teppich

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