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Europa

Flüchtlinge: "Wir müssen über Köln reden"

Flüchtlingen in ganz Europa eine Stimme geben, will eine Erklärung, die die Gewalt gegen Frauen in Köln verurteilt. Die Initiatoren suchen nach Wegen, um die europäische Solidarität für Flüchtlinge wiederherzustellen.

Nachdem er von den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln erfuhr, war Ahmed Moawia genauso "schockiert wie alle anderen". Für den Präsidenten des griechischen Flüchtlingsforums fühlte es sich an, als ob "in ein paar Stunden alles zusammenbrach, was im Verlauf des Jahres 2015 in Europa passiert ist". Er initiierte darum die

gemeinsame Erklärung europäischer Flüchtlingsorganisationen

- sie ist eine direkte Reaktion auf die Debatte über sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Sie ist die erste europaweite Aktion von Flüchtlingen selber und ihren Organisationen in dieser Form.

Die Veröffentlichung will "eine Lücke füllen", sagt Ahmed Moawia im DW-Interview, die entstanden sei, weil die Flüchtlinge sich bisher in der Debatte kein Gehör verschaffen konnten. Die Erklärung richtet sich daher auch direkt an die Opfer. Sie sollen wissen, dass andere Geflüchtete große Trauer empfinden und denen Mitgefühl entgegenbringen, die unter den "schrecklichen Angriffen" zu leiden hatten. Die Unterzeichner lehnen jede Form von Gewalt gegen Frauen ab, egal welcher Nationalität. Mehr noch: "Wir sind nicht vor der Gewalt geflohen, um sie hier zu akzeptieren."

Ahmed Moawia, Präsident des griechischen Flüchtlingsforums (Foto: privat)

Ahmed Moawia kämpft für die Rechte der Flüchtlinge in Griechenland

Appell: Schaut genau hin!

Die Unterzeichner sind überwiegend Vereinigungen von Flüchtlingen und Immigranten aus ganz Europa. Eine Vielzahl von Organisationen der europäischen Flüchtlingshilfe unterstützen die Erklärung - beispielsweise der Europäische Rat für Flüchtlinge (ECRE), das isländische Rote Kreuz oder die slowakische Menschenrechtsliga. Die Flüchtlinge wollen auch deshalb ihre Stimme erheben, weil sie - so die Autoren der Erklärung - die Konsequenzen der Kölner Übergriffe fürchten. Wichtig ist ihnen, dass nicht alle Geflüchteten über einen Kamm geschoren werden, sondern differenziert hingeschaut werde. Und sie halten fest: Weder die Mehrheit der Flüchtlinge noch der Muslime stellen eine Bedrohung für Europa dar. Neuankömmlinge "sind nicht gefährlich, sie sind in Gefahr."

Trotz der aktuellen sehr emotionalen Debatte rund um das Thema Flüchtlinge schaut der Präsident des griechischen Flüchtlingsforums mit Zuversicht in die Zukunft. Moawia erkennt ein "europäisches Bewusstsein", das die Unterstützer der Flüchtlinge entwickelt hätten. Und von sich sagt er: "Hier in Griechenland fühlen wir uns als Europäer."

Griechenland, Flüchtlinge erreichen Lesbos (Foto: picture alliance)

Flüchtlinge erreichen die griechische Insel Lesbos

Als Beispiel nennt er die Flüchtlingshilfe auf Lesbos. 150 Organisationen von Freiwilligen kümmerten sich auf der griechischen Insel um ankommende Flüchtlinge. Diese Graswurzelbewegung ist für ihn das Fundament der Flüchtlingshilfe in Europa. Aber gerade weil es ein europäisches Bewusstsein gebe, sieht er die Ereignisse in Köln nicht allein als deutsches Problem, sondern als europäisches.

Willkommenskultur erhalten

Für die Flüchtlinge und die sie unterstützenden Organisationen steht viel auf dem Spiel, so Moawia. Die praktizierte Willkommenskultur sei "eine große Veränderung" in der europäischen Solidarität. Zum ersten Mal setzten sich Menschen in ganz Europa unabhängig voneinander für dieselbe Sache ein. Die Ereignisse der Silvesternacht hätten diese Solidarität "beschädigt". Das sei in ganz Europa zu spüren.

Um den Zusammenhalt wiederherzustellen, müssten die Übergriffe lückenlos aufgeklärt und dürfe nichts unter den Teppich gekehrt werden. Moawia ruft die Politiker Europas auf, Flüchtlinge weiterhin willkommen zu heißen: "Man muss die Mehrheit der Flüchtlinge schützen."

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