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Aktuell Deutschland

Flüchtlinge willkommen in Deutschland

Mit einem neuen Programm will die Bundesregierung junge Flüchtlinge unterstützen, die ohne Begleitung von erwachsenen Angehörigen nach Deutschland kommen. Sie sollen in der Bundesrepublik eine neue Heimat finden.

Dakil stammt aus dem Irak. Der 23-jährige Jeside kommt aus dem Sindschar-Gebirge im Norden des Landes. Im vergangenen August musste er vor den anrückenden Terrormilizen des "Islamischen Staates" fliehen. "Wir sind nicht freiwillig weggegangen", betont er. "Wir mussten unser Haus verlassen, all unser Hab und Gut zurücklassen und fliehen. Innerhalb von einer Stunde mussten wir uns entscheiden."

Der junge Mann floh über Syrien und die Türkei und kam schließlich vor vier Monaten in Deutschland an. "Wir Jesiden haben keine Unterstützung auf der Welt. Wir sind ein Volk ohne Stimme. Deutschland ist das einzige Land, das uns hilft." Obwohl er der Bundesrepublik für ihre Unterstützung der verfolgten Jesiden dankbar ist, war Nachil enttäuscht, als er in Berlin ankam und in einem Flüchtlingsheim untergebracht wurde. Überall sei er auf Ablehnung gestoßen. Man nenne ihn einen "Flüchtling", als wenn das ein Schimpfwort wäre. "Ich will kein Flüchtling sein, und ich mag es nicht, wenn ich so genannt werde. Ich bin ein Mensch, der seine Heimat verlassen und nach einem neuen Zuhause suchen musste." Besser ging es ihm erst, als der das Kunstasyl-Projekt in Berlin-Spandau kennenlernte und dort Unterstützung und Freunde fand. Nun möchte Dakil so schnell wie möglich Deutsch lernen, damit er dann ein Studium aufnehmen kann.

Jesiden fliehen vor der Terrormiliz Islamischer Staat in das Sindschar-Gebirge (Foto. REUTERS)

Im letzten August flohen Zehntausende Jesiden vor der Terrormiliz "Islamischer Staat"

Langer gefährlicher Fluchtweg von Afghanistan nach Deutschland

Auch sein Freund Hamidullah aus Afghanistan will unbedingt studieren. Auch er hat auf seiner monatelangen Flucht Fürchterliches erlebt. Er wurde als Geisel genommen, verhaftet, gefoltert und eingesperrt. Vor fünf Monaten kam er schließlich mit gebrochenem Knie in Deutschland an und musste erst mal für drei Monate ins Krankenhaus, wo er operiert wurde.

Inzwischen kann Hamidullah wieder laufen und hat ebenfalls im Flüchtlingsheim in Berlin-Spandau Aufnahme gefunden. Nun möchte er möglichst schnell Deutsch lernen, damit er in sein neues Leben starten kann. Auch er möchte studieren und, wenn möglich, seine Familie nachholen. Seinen Vater habe er verloren, er wisse nicht, ob er noch lebe. Aber seine Mutter, seine zwei Brüder und seine drei Schwestern lebten nun bei Verwandten. Vor kurzem habe er zum ersten Mal seit einem Jahr wieder mit ihnen Kontakt gehabt. Er selbst habe als Übersetzer für eine ausländische Organisation gearbeitet. Deswegen sei er bedroht worden und habe fliehen müssen. Hat er manchmal Heimweh nach Afghanistan? Hamidullah schüttelt den Kopf. Nein, sagt er. Er wolle in Deutschland bleiben. "Ich bin glücklich hier, und wenn meine Familie nachkommen kann, werde ich nicht zurück gehen."

Neues Programm zur Unterstützung von Flüchtlingen

Jungen Flüchtlingen wie Dakil und Hamidullah will die Bundesregierung in Zukunft eine Perspektive bieten. Sie sollen in Deutschland Aufnahme und Sicherheit finden, aber auch eine Berufsausbildung erwerben können, sagte die Ministerin für Familie, Frauen und Jugend. Manuela Schwesig (SPD). Zusammen mit Aydan Özuguz, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, startete sie in Berlin das Programm "Willkommen bei Freunden". Es soll die Kommunen in Deutschland bei der Aufnahme von jugendlichen Flüchtlingen unterstützen, die ohne erwachsene Familienangehörige in der Bundesrepublik ankommen. Derzeit leben mehr als 30.000 minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge in Deutschland, die auf besondere Unterstützung angewiesen seien.

Ministerin Schwesig bei der Auftaktveranstaltung des Bundesprogramms Willkommen bei Freunden (Foto: Getty Images)

Ministerin Schwesig beim Start des Programms "Willkommen bei Freunden"

"Ich wünsche mir, dass die Kinder und Jugendlichen, die hier ankommen, hier ein neues Zuhause bekommen und dass wir eine Kultur im Land haben, die heißt willkommen bei Freunden. Ihr seid jetzt hier sicher, und wir gehen mit euch gemeinsam neue Wege, Wege ohne Angst, Wege mit guter Bildung, Wege mit Zukunft."

Als Partner hat sich die deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zur Verfügung gestellt. Sie soll demnächst sechs regionale Büros in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Magdeburg und München einrichten. Dort können sich dann ehrenamtliche Helfer melden und beraten lassen. Für das vierjährige Programm hat die Bundesregierung zwölf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Freiwillige Helfer gebe es überall in Deutschland, so die Erfahrung der Integrationsbeauftragten Özuguz. "Es ist wirklich toll, dass Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen in unserem Land aus ganz unterschiedlichen Gründen zeigen: Sie wollen Menschen helfen, die hier ankommen." Auch viele ältere Bürger, die in ihrer Jugend selbst Opfer von Flucht und Vertreibung geworden seien, böten ihre Unterstützung an.

Hilfe beim Start in ein neues Leben in Deutschland

Diese freiwilligen Helfer zu beraten, zu koordinieren und zu vernetzen sei eine wichtige Aufgabe, unterstreicht auch Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendhilfe. "Es ist eine große Freude, weil das Programm wirklich zur rechten Zeit kommt", sagte sie beim offiziellen Start des Programms im Kunst- und Kulturhaus "Schlesische 27" in Berlin-Kreuzberg. Ihre Organisation habe bereits Erfahrung damit gesammelt und sehe sich gut positioniert, um das Programm der Bundesregierung umzusetzen. Sie sehe es als ihre Aufgabe an, Netzwerke zu schaffen, Schule und Jugendarbeit, Flüchtlingsorganisationen und Freiwillige miteinander zu verbinden. Das "Schlesische27" sei ein gutes Beispiel für diese Vernetzung. Das Kunst- und Kulturhaus arbeitet seit Jahren erfolgreich mit verschiedenen Einrichtungen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg zusammen, um jungen Flüchtlingen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

Auch die beiden jungen Männer Dakil und Hamidullah und der Jugendliche Mohammed Firas aus Syrien kommen hierher, um Theater zu spielen oder Kunstprojekte zu verwirklichen und vor allem, um andere Jugendliche zu treffen. Das Wichtigste für sie alle aber ist: Deutsch zu lernen. Bislang jedoch haben die drei jungen Männer noch keine Schule oder Bildungseinrichtung gefunden, die sie aufnimmt. Weil die Deutsch-Kurse in Berlin überfüllt sind, ist es derzeit schwierig, einen Sprachkurs zu ergattern.

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