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Aktuell Europa

Flüchtlinge stürmen Eisenbahntrasse bei Idomeni

In Griechenland eskaliert die Lage: Hunderte Flüchtlinge stürmen die Bahntrasse an der griechisch-mazedonischen Grenze. Die Polizei setzt Tränengas ein. In Athen kamen erneut Flüchtlinge an.

Hunderte verzweifelte Migranten haben die Bahntrasse, die Griechenland mit Mazedonien verbindet, gestürmt. Eine Gruppe von rund 300 Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien überwand am Übergang Idomeni Polizeiabsperrungen und drang auf die Bahnstrecke vor. Medienberichten zufolge versuchten die Menschen, Stacheldrahtabsperrungen niederzureißen. Die mazedonische Polizei setzte Tränengas ein, um die Menschen zu stoppen.

Hunderte Männer laufen die Bahntrasse Richtung mazedonischer Grenze entlang. (Foto: AP Photo/Boris Grdanoski)

Hunderte Migranten drängen auf ihre Weiterreise Richtung Norden

Auslöser war offenbar die verbreitete Information, wonach Mazedonien angeblich seine Grenze wieder für alle Migranten geöffnet habe. "Frei, frei, wir können rüber", schrie ein Flüchtling im griechischen Fernsehen. Griechische Grenzpolizisten bestätigten diese Vermutung nicht. Die Grenze sei weiterhin geschlossen, dennoch hielt sich die Polizei zunächst aus Angst vor einer Eskalation zurück.

Tausende Flüchtlinge warten auf Weiterreise

Am Grenzübergang zwischen Griechenland und Mazedonien harren nach Schätzungen der Polizei mehr als 6000 Migranten in Zelten und unter Planen auf der griechischen Seite der Grenze aus. Tausende Migranten sind mit allen möglichen Verkehrsmitteln und auch zu Fuß gen Norden unterwegs in der Hoffnung, doch noch einen Weg zu finden, weiter nach Mitteleuropa zu kommen, berichteten griechische Medien. Am Samstag durften demnach etwa 300 Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien in das Land einreisen, am Sonntag hingegen nahezu niemand. In der Nacht zum Montag wurden erneut knapp 300 Menschen durchgelassen, sagten griechische Polizisten. Seit etwa vier Uhr am frühen Montagmorgen sei der Grenzzaun geschlossen, hieß es.

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Flüchtlinge sitzen in Griechenland fest

Mazedonien, das erste Land auf der sogenannten Balkanroute, hatte kürzlich ebenso wie Serbien und die EU-Staaten Kroatien, Österreich und Slowenien Tageshöchstgrenzen für die Einreise von Flüchtlingen eingeführt. Zudem lässt das Land fast nur noch Menschen aus Syrien und dem Irak passieren. Die Flüchtlinge kommen zumeist über die Türkei nach Griechenland und wollen nach Nordeuropa. Aus diesem Grund sitzen nach griechischen Angaben landesweit inzwischen etwa 22.000 Menschen fest, die weiterreisen wollen. Athen warnt, dass die Zahl bis März auf rund 70.000 ansteigen könnte. Griechischen Medienberichten zufolge soll es am Montag ein Krisentreffen auf Ministerebene geben. Dabei solle ein "Notfallplan" ausgearbeitet werden.

Immer mehr Flüchtlinge kommen an

Die Situation der Flüchtlinge in Griechenland wird immer dramatischer: Wie die die Hafenverwaltung in Piräus mitteilte, kamen wieder knapp 1800 Migranten in der Hafenstadt an. Die Menschen hatten in den vergangenen Tagen aus der Türkei zu den griechischen Inseln der Ostägäis übergesetzt. Die griechischen Auffanglager, mehrere Wartehallen in Piräus und die Hallen eines alten, geschlossenen Flughafens von Athen, sind überfüllt, wie das Staatsfernsehen berichtet. Im Zentrum Athens spielten sich chaotische Szenen ab: Am zentralen Viktoria-Platz verbrachten laut Augenzeugenberichten Hunderte Flüchtlinge - darunter auch Familien mit Kleinkindern - die Nacht im Freien.

Hunderte Flüchtlinge haben im Hafen von Piraeus ein Schiff verlassen und stehen in einer Warteschlange.(Foto: Reuters/A. Konstantinidis)

In Griechenland gestrandet. Für die über Tausend Menschen ist in Griechenland vorerst Schluss

Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkunft

Erstmals gab es Brandanschläge mit vermutlich ausländerfeindlichem Hintergrund. Unbekannte zündeten am Wochenende zwei Lagerhallen in Nordgriechenland an, die zu Unterkünften für Flüchtlinge umgebaut werden sollten. Die ehemals vom griechischen Militär benutzten Hallen in der Kleinstadt Giannitsa seien fast vollständig zerstört worden, berichtete das griechische Fernsehen. In Giannitsa soll in zwei verlassenen Kasernen ein Flüchtlings-Aufnahmelager für rund 4000 Migranten entstehen. Der Ort liegt knapp 60 Kilometer südlich des Grenzübergangs zwischen Griechenland und Mazedonien.

Abschottungspolitik entlang Balkanroute

Athen kritisiert vor allem die Abschottung Österreichs und fordert eine Beteiligung der gesamten Europäischen Union an der Bewältigung der Krise und bekommt Rückendeckeung der deutschen Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Athen am Sonntag Beistand zu und lehnte Obergrenzen erneut ab. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der griechischen Zeitung "Ta Nea", "nachhaltige Fortschritte" werde es nur geben, wenn alle Europäer an einem Strang zögen. Europa dürfe seine Probleme nicht auf Kosten Griechenlands lösen, sondern müsse Athen weiter helfen. Auch Griechenland müsse aber "seine Verpflichtungen erfüllen". Dazu gehörten etwa die "Kontrolle und vollständige Registrierung der Flüchtlinge".

Österreich hatte Griechenland und Deutschland vergangene Woche nicht zu einer Flüchtlingskonferenz mit den Westbalkanstaaten eingeladen, obwohl die beiden Länder am stärksten von der Krise betroffen sind. Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner wies die Kritik an der Flüchtlingspolitik ihres Landes zurück. Österreich müsse sich "keinen Vorwurf gefallen lassen ", sagte sie der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Deutschland habe im vergangenen Dezember selbst Tageskontingente eingeführt und damit einen "gewaltigen Rückstau bei uns" verursacht, sagte Mikl-Leitner.

pab/as (afp, dpa, rtr)

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