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Aktuell Europa

Flüchtlinge lassen sich von Rückführung nicht abschrecken

Viele Schutzsuchende wissen zwar, dass Griechenland sie wieder in die Türkei abschieben wird. Dennoch setzen sich erneute Hunderte in kaum seetüchtige Boote.

Ungeachtet der drohenden Rückführung in die Türkei haben erneut Hunderte Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt auf griechische Inseln gewagt. Nach Angaben der Regierung in Athen wurden in der Nacht auf Sonntag 875 Neuankömmlinge gezählt. Mehrere Flüchtlinge erklärten nach ihrer Ankunft auf Lesbos, sie wüssten um das seit der Nacht von Samstag auf Sonntag geltende EU-Türkei-Abkommen. Dennoch wollten sie versuchen, nach Deutschland oder in andere EU-Staaten weiter zu kommen. So sagte auch der Syrer Hussein Ali Muhammad, er habe von der neuen Regelung gehört. Dennoch hoffe er, in sein Wunschland Dänemark zu gelangen.

Auf Lesbos kamen nach Angaben der Polizei allein in den frühen Morgenstunden zwölf Boote mit Flüchtlingen an. Die Überfahrt in den meist kaum seetüchtigen Booten bleibt hoch riskant. Ein Rettungsschwimmer von der Insel sagte der Deutschen Welle, dass in der Nacht zwei Menschen ums Leben gekommen seien.

Athen muss Asylanträge zunächst aufnehmen

Die EU und die Türkei hatten am Freitag vereinbart, dass alle ab dem 20. März in Griechenland ankommenden Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt werden, nachdem sie registriert und ihre Asylanträge aufgenommen sind. Im Gegenzug hat die EU zugesagt, syrische Flüchtlinge direkt aus der Türkei zu übernehmen.

Am Strand von Lesbos kommen im Morgengrauen erneut Flüchtlinge an. (Foto: Reuters)

Am Strand von Lesbos kommen im Morgengrauen erneut Flüchtlinge an.

Die Rückführungen in die Türkei sollen nach bisheriger Planung erst am 4. April beginnen. Bis dahin muss Griechenland die Voraussetzungen für eine rasche Bearbeitung der Asylanträge schaffen. Die EU hat angeboten, dafür 4000 Fachleute zu entsenden, darunter Richter, Dolmetscher und Sicherheitspersonal. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete, Deutschland und Frankreich wollten zusammen 400 Polizeibeamte und 200 Asylfachleute auf die Inseln schicken.

Athen lässt Lager auf Inseln räumen

Flüchtlinge warten am 20.03.2016 vor einem Schiff im Hafen der Insel Lesbos auf ihre Überfahrt auf das Festland. (Foto: dpa)

Flüchtlinge warten im Hafen der Insel Lesbos auf ihre Überfahrt auf das Festland.

Wie DW-Korrespondenten berichten, hat Griechenland schon damit begonnen, Flüchtlingslager auf den Ägäis-Inseln zu räumen. Von Lesbos und Chios sind offenbar hunderte Flüchtlinge nach Piräus auf das Festland gebracht worden. Alle Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos sollen offenbar innerhalb von 48 Stunden geräumt werden. In Bussen wurden die Menschen zu einer Fähre gebracht. Das Ziel: der Registrierungs-Hotspot Kavala im Norden des Landes. Unter den Flüchtlingen herrsche derweil Verwirrung, berichtete DW-Reporter Jafaar Abdul Karim. Viele Flüchtlinge seien nicht darüber informiert, wie es nun für sie weitergehe.

Der TV-Sender CNN Türk berichtete, dass nach Abschluss des Flüchtlingsabkommens mehr als 3000 Flüchtlinge in der Türkei an der Überfahrt nach Griechenland gehindert worden seien. Alleine im Bezirk Dikili in der Provinz Izmir seien im Laufe des Samstag fast 2000 Migranten in Gewahrsam genommen worden, meldete der Sender. Die Migranten stammten demnach aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Die griechische Küstenwache nahm derweil zwei mutmaßliche Schleuser vor einer kleinen Insel im Nordosten von Chios fest. Wie ein Offizier der Küstenwache sagte, mussten die Beamten mehrere Warnschüsse abfeuern, um die Schlepper zu stoppen.

ago/sti (dpa, rtr)

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