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Flucht nach Europa

Flüchtlinge im europäischen Verwaltungsdschungel

In vielen Ländern Europas müssen Flüchtlinge zum Teil Jahre auf ihre Anerkennung als Asylant warten. Oft ist auch die Unterbringung schäbig. Ein vergleichender Blick auf Frankreich, die Niederlande und Großbritannien.

Flüchtlinge erhoffen sich ein sicheres Leben in Europa. Doch bis der vermeintliche Traum von Europa für Asylsuchende wahr wird, kann sehr viel Zeit vergehen. Die Zeit des Asylverfahrens. Der Weg bis zur Anerkennung als Asylant ist in den verschiedenen Ländern Europas unterschiedlich lang.

Jahrelanges Warten für den Flüchtlingsstatus

In Frankreich kann es bis zu 18 Monate dauern, bis das amtliche Schreiben über die Entscheidung im Asylverfahren im Briefkasten liegt. Erst, wenn der Antrag genehmigt wird und der Asylsuchende den begehrten Flüchtlingsstatus erreicht, stehen ihm weitere Rechte und Möglichkeiten zu.

Die Behörden in den Niederlanden würden sich um schnelle Asylverfahren bemühen, betont Yvonne Wiggers. Die Pressesprecherin des Ministeriums für Sicherheit und Justiz fügt aber hinzu, auch in Holland könne das einige Jahre dauern, falls weitere Dokumente nachgereicht oder Untersuchungen durchgeführt werden müssen. Sonderregelungen allerdings gibt es für Bürgerskriegsflüchtlinge aus Syrien - sowohl in Frankreich als auch in Holland. In beiden Ländern beteuern die Behörden, syrischen Flüchtlingen innerhalb von drei Monaten den Flüchtlingsstatus zuzusichern, sobald alle nötigen Unterlagen vorhanden sind.

Großbritannien hinkt da hinterher. Zoe Gardner von der britischen Nichtregierungsorganisation Asylum Aid kritisiert, das Asylverfahren in Großbritannien sei überholt. Die Behörden schöben zu viele unbearbeitete Altanträge vor sich her. "Dies führt dazu, dass Asylsuchende manchmal mehrere Jahre auf eine Antwort warten müssen“, erklärt Gardner.

Infografik Asylverfahren Vergleich (Grafik: DW)

Asylsuchenden stehen unterschiedliche Leistungen zu.

Kein Flüchtlingsstatus, keine Arbeit

Für die Flüchtlinge ist das wertvolle, vergeudete Zeit. Denn solange der Flüchtlingsstatus nicht fest gestellt wurde, dürfen Asylsuchende in Großbritannien oder den Niederlanden keiner Beschäftigung nachgehen. In Frankreich sieht das anders aus: "In Frankreich erhalten sie ein Jahr nach der Antragstellung eine Arbeitserlaubnis“, erläutert Hélène Soupios-David von der Flüchtlingsorganisation France Terre d´Asile.

Freie Schulausbildung, freie medizinische Versorgung

Ohne Arbeit und Einkommen, sind Asylsuchende in der Regel auf die Sozialleistungen des jeweiligen Landes angewiesen. In allen drei Ländern erhalten sie Unterhaltsgeld in unterschiedlicher Höhe. Neben der Unterkunft erhält in Frankreich ein Erwachsener 200 Euro, in Großbritannien umgerechnet circa 207 Euro und in den Niederlanden 178 Euro im Monat. "In den Niederlanden gibt es auch die Möglichkeit, kostenlos Kleider oder Schuhe zu erhalten“, fügt Yvonne Wiggers vom Ministerium für Sicherheit und Justiz hinzu.

Wenn Asylsuchende als Paar einreisen oder Kinder haben, wird das Unterhaltsgeld erhöht. Die Kinder sollen die öffentlichen Schulen besuchen. Alle drei Länder gewähren den Flüchtlingen zudem kostenlose medizinische Versorgung, zum Teil mit Einschränkungen.

Asylsuchende Frauen suchen im Abfall nach Brauchbarem in Großbritannien. (Photo: Brian Leili)

Asylsuchende Frauen in Großbritannien suchen im Abfall nach Brauchbarem

Seit Ende 2013 regelt in ganz Europa die sogenannte "Qualifikationsrichtlinie" den Umgang mit Flüchtlingen. In Artikel 32 dieser Richtlinie wird den Flüchtlingen Anspruch auf Wohnraum zugesprochen. Doch die Lebensumstände in den Asylheimen weisen große Unterschiede auf. Die Hauptursache: Manche Heime liegen in öffentlicher Hand; andere werden von privaten Unternehmen betrieben.

In den Niederlanden gäbe es lediglich öffentliche Heime, sagt Yvonne Wiggers. Asylsuchende lebten dort in großen Heimen, mit maximal fünf Personen in einem Zimmer - getrennt nach Geschlecht und Nationalität. Familien würden in kleinen Wohnungen untergebracht.

Schäbige Wohnungen für Asylsuchende in Großbritannien

Im Gegensatz zu den Niederlanden werden Asylheime in Großbritannien ausschließlich von privaten Unternehmen betrieben. Und die verfolgten vor allem wirtschaftliche Interessen, meint Zoe Gardner von Asylum Aid – und verweist auf den oft schlechten Zustand der Häuser: "Es gibt Rost in den Badezimmern. Die Wände sind feucht. Die Korridore in den öffentlichen Bereichen sind schlecht beleuchtet und meistens unsicher“, beschreibt sie die Missstände. Außerdem seien Fenster und Türen veraltet, die Türen oft nicht abschließbar.

Frankreich Asylbewerber erhalten vor einer Kirche Essen (Photo: GEORGES GOBET/AFP/Getty Images)

Asylbewerber in Frankreich erhalten vor einer Kirche Lebensmittel

In Frankreich ist die Lage nach Darstellung der Aktivistin Hélène Soupios-David noch schlechter. Soupios-David bemängelt, die französischen Behörden könnten nicht immer für eine Unterkunft sorgen. "Die Asylheime sind überfüllt! Ungefähr 30% der Asylbewerber haben keine Unterkunft und müssen auf der Straße leben“, erklärt die Mitarbeiterin der Flüchtlingsorganisation France Terre d´Asile.

Asylsuchende können sich in Frankreich, Großbritannien und Frankreich ungehindert bewegen. Speziell in Frankreich müssen Asylsuchende sogar in regelmäßigen Abständen reisen: Nach Paris. Frankreich hat ein zentrales Asylsystem. Sämtliche Anträge müssen in Paris gestellt werden. Dafür steht Asylbewerbern auch ein Reisekostenzuschuss zu.

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