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Afrika

Flüchtlinge aus Liberia wollen nicht zurück

In Ghana leben immer noch Tausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Liberia in einem Lager nahe der Hauptstadt Accra. Die meisten wollen bleiben, obwohl der Krieg in ihrer Heimat bereits lange vorbei ist.

Liberianer auf der Flucht(Foto: AP)

Eine Million Liberianer flohen vor dem Bürgerkrieg

Auch sieben Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges in Liberia leben im Flüchtlingslager Budumburam nahe der ghanaischen Hauptstadt Accra immer noch 11.000 Flüchtlinge. Die ghanaische Flüchtlingsbehörde erklärte nun, die Regierung plane, das Flüchtlingslager zu schließen. Dabei verweist die Regierung auf die wichtige Rolle, die Ghana heute beim Wiederaufbau in Liberia spiele. Auch Ellen Johnson-Sirleaf, die Präsidentin Liberias, bemüht sich, die Entwicklung im Land voranzutreiben. Neue Schulen entstehen, die Infrastruktur wird erneuert, immer mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser.

"Ich sehe mich jetzt als Ghanaer"

Foto von Ghanas Präsident John Atta Mills (Foto: AP)

Ghanas Präsident Mills möchte die Liberianer nicht länger als Flüchtlinge anerkennen

Trotz dieser positiven Entwicklung kehrt die Mehrheit der Flüchtlinge in Ghana nicht in ihr Land zurück. Dafür gebe es viele Gründe, erklärt der Vertreter der Flüchtlinge in Budumburam, Peter Sobiah: "Einer der wichtigsten ist die Angst, dass wir keine Arbeit finden, wenn wir zurückkehren." Einige der Flüchtlinge hätte keine Familie mehr und sähen deshalb keinen Grund nach Liberia zurückzukehren. Und dann sei da die Furcht vor der Vergangenheit: "Auch wenn der Konflikt beigelegt ist, werden die Erinnerungen wieder lebendig, wenn wir gezwungen werden zurückzukehren."

Der liberanische Bürgerkrieg dauerte zunächst von 1989 bis 1996. Ein Jahr später wurde dann der frühere Milizenführer Charles Taylor zum Präsidenten gewählt. Nur zwei Jahre danach fiel Liberia erneut in einen blutigen Krieg. Der endete erst 2003 mit dem Eingreifen von US-Soldaten und der Stationierung einer UN-Friedenstruppe. Beinahe 250.000 Menschen verloren während des Krieges ihr Leben und viele wurden obdachlos. Zeitweise befanden sich eine Million der dreieinhalb Millionen Einwohner auf der Flucht. Unter den nach Ghana Geflohenen befanden sich auch kleine Kinder, die nun kein Land außer Ghana kennen. Einer von ihnen ist Pappi Sheku Turay. Er sei froh in Ghana zu sein, berichtet der junge Mann. In Liberia habe er ohnehin keine Verwandten mehr: "Ich habe alles verloren, auf das man in dieser Welt stolz sein könnte. Ich habe meine Eltern verloren. Ich sehe mich als Ghanaer." Er studiere jetzt in Ghana Jura und hoffe, ein guter Anwalt zu werden, so der Liberianer.

Bessere Chancen als in der Heimat

Straßenszene Monrovia (Foto: picture alliance/dpa)

Auch nach dem Ende des Krieges zählt Liberia zu den ärmsten Länder weitweit

Im Jahr 2008 begann die Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen (UN) einige Flüchtlinge zurückzuschicken. Die, die bis heute in Ghana geblieben sind, wollen dagegen unter keinen Umständen zurückkehren, da sie nicht wissen wohin. Unter ihnen sind auch solche, die immer wieder für Ärger sorgen. Einige verkaufen jetzt sogar Grundstücke rund um das Lager herum, die ihnen gar nicht gehören.

Einer derjenigen, die die Flüchtlingskommission der UNO nach Liberia zurückgeschickt hatte, ist der 30-jährige Jonathan Fofanah. Er ist später nach Ghana zurückgekehrt, weil er hier noch sein Studium beenden wollte: "Das liberianische Bildungssystem ist mit dem ghanaischen nicht zu vergleichen." Der junge Mann glaubt, dass er nach dem Ende seines Studiums in Liberia eine gute Arbeit finden werde. Deshalb will er später wieder nach Hause zurückkehren. Auch Fofanah möchte Anwalt werden. Die ghanaische Einwanderungsbehörde hat bereits erklärt, dass sie die Liberianer nicht mehr als Flüchtlinge betrachte, weil der Bürgerkrieg längst beendet sei. Doch die Diskussion über das Schicksal der Menschen aus Liberia wird weitergehen.

Autoren: Rahmatu Abubakar-Mahmud/Thomas Mösch
Redaktion: Jan-Philipp Scholz

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