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Aktuell Europa

Flüchtlinge überrennen Melilla

Sie sehen ihre einzige Chance im massenhaften Ansturm. Mit dieser Taktik schaffen afrikanische Flüchtlinge immer wieder den Durchbruch nach Europa. Diesmal überrannten 300 Afrikaner die spanische Exklave Melilla.

200 von ihnen konnten die Grenze Marokkos zur spanischen Nordafrika-Enklave überwinden. Die meisten von ihnen stammten aus den westafrikanischen Staaten Kamerun und Guinea, berichtet der spanische Rundfunk RNE. Sie hätten sich an dem Grenzzaun verletzt; ihre Schnittwunden an Händen und Füßen seien ärztlich versorgt worden. Die Flüchtlinge wurden inzwischen im Notaufnahmelager der Stadt untergebracht. Der zuständige Direktor sagte, die Einrichtung sei völlig überfüllt. Sie sei für 480 Menschen vorgesehen, aber 1300 lebten derzeit dort. Für deren Unterbringung und Ernährung habe er Hilfe bei der spanischen Armee und beim Roten Kreuz angefordert.

Tödliches Risiko

Melilla ist ebenso wie die Stadt Ceuta eine spanische Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste. Die beiden Gebiete haben die einzigen Landgrenzen zwischen der Europäischen Union und Afrika. Sie sind daher ein begehrtes Ziel afrikanischer Migranten. Während sie in Melilla versuchen, über den sieben Meter hohen Zaun zu gelangen, richten sich in Ceuta die Versuche vor allem auf den Grenzübergang und den Strand.

Am Montag hatten bereits rund hundert Flüchtlinge die Grenzanlagen überwunden. Eine Woche zuvor waren etwa 150 Migranten nach Melilla gelangt. Am 6. Februar waren mindestens 14 Flüchtlinge bei einem Ansturm auf Ceuta im Meer ertrunken. Überlebende beschuldigten die spanische Polizei, auf die aufblasbaren Schwimmhilfen geschossen zu haben, mit denen die Afrikaner versucht hatten, auf spanisches Territorium zu gelangen. Die spanische Regierung hatte daraufhin den Einsatz von Gummigeschossen an den Grenzen zu den Exklaven in Ceuta und Melilla verboten.

Illegale Abschiebung?

Madrid sucht aber weiter nach Möglichkeiten, die sogenannte Push-Back-Abschiebung zu legalisieren. Über das Thema hätten der spanische Innenminister Jorge Fernández Díaz und sein marokkanischer Amtskollegen Mohammed Hassad beraten, berichtet die Tageszeitung "El País". Damit könnten Einwanderer sofort wieder auf marokkanisches Territorium gebracht werden, wenn sie die Grenzanlagen der spanischen Nordafrika-Enklaven überwunden haben.

Hilfsorganisationen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR haben das Verfahren scharf kritisiert und wiederholt berichtet, es werde bereits an spanischen Grenzanlagen praktiziert. Bei der Push-Back-Abschiebung, die in Spanien auch "heiße Abschiebung" genannt wird und bislang illegal ist, können Flüchtlinge keinen Asylantrag stellen.

rb/wl (afp, dpa, epd)