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Afrika

Flüchtling aus Niger kämpft um sein Bleiberecht

Abdoulaye Nassamou, der seinen wahren Namen nicht nennen will, hat das "Aufenthaltsrecht auf Probe" um ein Jahr verpasst. Seit neun Jahren ist er in Deutschland geduldet. "Geduldet" – wie fühlt sich das an?

Pass eines geduldeten Asylbewerbers (Foto: Sonja Gillert)

Der rosa Pass ermöglicht keinen dauerhaften Aufenthalt...

Abdoulaye Nassamous Heimat ist der westafrikanische Staat Niger. Seit dem Jahr 2001 lebt er allerdings in Duisburg. In seiner Heimat drohte ihm die Inhaftierung. Nassamou hatte sich in Niger an Studentenprotesten beteiligt. Bei den Demonstrationen wurde ein Polizist von Studenten verprügelt und erlag seinen Verletzungen. Als Reaktion auf die Tat verhaftete die Polizei willkürlich Studenten, die an den Protesten teilgenommen hatten, erinnert sich Nassamou. So floh er nach Deutschland.

Eine Chance bekommen

Abdoulaye Nassamou lebt in Duisburg (Foto: Sonja Gillert)

...trotzdem fühlt Abdoulaye sich in Deutschland wohl...

"Ich wollte eine Chance, ich bin also mit der Absicht gekommen, irgendwann mal hier mein Studium fortzusetzen", sagt der 35-Jährige. Doch schnell kam die Ernüchterung. Studieren durfte er nicht, dazu fehlte ihm unter anderem die Aufenthaltserlaubnis. Er beantragte Asyl, doch das wurde nach zwei Jahren abgelehnt. Aber für ihn war klar: "Schlafen und aufstehen und nichts zu tun, das ging gar nicht." Durch ein Projekt der EU für Asylsuchende konnte er an einer dreijährigen Qualifikation zum Asyl- und Flüchtlingsberater teilnehmen.

In Deutschland zu Hause?

In Duisburg fühlt sich Nassamou sehr wohl. Er hat hier Freunde, eine eigene Wohnung und seine Arbeit als Flüchtlingsberater. Ob er sich wirklich zu Hause fühlt, ist für ihn allerdings schwer zu sagen. Dass "Duldung" auf seinem rosafarbenen Ausweis steht, lässt ihn bei der Antwort zögern. "Ich arbeite, ich zahle Steuern, sogar Solidaritätszuschlag. Dann frag ich mich: Wissen diese Menschen überhaupt, wie es mir geht, wenn ich täglich arbeiten gehen muss, Steuern zahle, und mein Aufenthalt dennoch nur 'kein Aufenthalt' heißt", kommentiert er seine Situation. Die Duldung vergleicht Nassamou mit einem Hemd, das schädliche Stoffe in sich hat und einen Juckreiz auslöst. Was das bedeute, wisse nur, wer es trägt.

Verletzung der Würde

Duisburg Hauptbahnhof (Foto: Sonja Gillert)

...und will in Duisburg bleiben.

Es ist Nassamou unangenehm, seinen Ausweis vorzeigen zu müssen. "Überall, wo ich diesen Ausweis vorlegen muss, fühle ich mich in meiner tiefsten Würde verletzt." Er fühlt sich verdächtigt. Schließlich sei es doch komisch, dass jemand, der so integriert ist, keinen festen Aufenthaltsstatus habe. Warum er geduldet ist, wird er manchmal gefragt. Dann antwortet er: "Ich weiß es auch selber nicht, ich kann das nicht erklären. Das sind Gesetze und ich muss leider da durch."

Man dürfe sich aber nicht unterkriegen lassen von der eigenen Situation. "Die Zeit soll man effizient nutzen, um irgendetwas zu erreichen, wie gering das auch sein mag." Nassamou engagiert sich ehrenamtlich als Integrationslotse. Er ist überzeugt davon, dass jeder einzelne etwas verändern kann.

Integrationsprobleme durch Duldung

Alle sechs Monate ist Nassamou darauf angewiesen, dass seine Duldung verlängert wird. Die Erweiterung des "Aufenthaltsrechts auf Probe" hilft ihm persönlich nicht. Aber er ist trotzdem froh, dass die Betroffenen eine weitere Chance bekommen, ihren Aufenthaltsstatus zu verbessern. Eine Duldung bringt in seinen Augen nämlich auch Integrationsprobleme mit sich: "Wenn jemand geduldet ist, muss er sich nicht integrieren. Diese Menschen gehören dann nicht so sehr zu der Zielgruppe, die sich verpflichtet fühlen, sich zu integrieren."

Eine Möglichkeit, in seine Heimat zurückzukehren, sieht Nassamou zurzeit nicht. Wenn es dort sicherer wäre und er in Deutschland seine Bildung noch verbessern könnte, würde er in Niger politisch gerne einiges verändern. Jetzt hofft Nassamou allerdings erst einmal auf die Möglichkeit, doch noch durch seine Ausbildung eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.

Autorin: Sonja Gillert
Redaktion: Katrin Ogunsade