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Deutschland

Flüchtling als Terrorist verleumdet

Ein Selfie von Anas Modamani mit Kanzlerin Merkel ging im September um die Welt. Nun ist das Bild wieder im Umlauf, weil User in Sozialen Medien behaupten, der Flüchtling sei einer der Bombenattentäter von Brüssel.

Berlin-Spandau am 10. September 2015: Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht ein Flüchtlingsheim. Anas Modamani ist einer, der dort untergebracht ist. Der junge Syrer nutzt die Gunst der Stunde, zückt sein Smartphone, knipst sich und die Kanzlerin und postet das Selfie auf seiner Facebookseite. Das Echo ist groß. Das Bild sorgt weltweit für Aufsehen. So freundlich ist Deutschland - das war damals die frohe Kunde, die sich rasend schnell in Sozialen Medien verbreitete.

Najim Laachraoui - Foto: Belgische Polizei (Reuters)

Attentäter Laachraoui: Böse Botschaft

Nun geistert das Foto wieder durchs Internet. Doch die Botschaft ist diesmal böse. Unbekannte Social-Media-Nutzer verbreiten im Netz, Anas Modamani habe eine "auffallende Ähnlichkeit" mit einem der Brüsseler Selbstmordattentäter. Dazu kombinierten sie das Selfie mit einem Foto der belgischen Polizei, auf dem Najim Laachraoui zu sehen ist, der sich am Dienstag am Brüsseler Flughafen in die Luft sprengte. Andere User gehen noch einen Schritt weiter und behaupten, Kanzlerin Merkel habe ein Selfie mit einem der Brüsseler Selbstmordattentäter gemacht und dass auf dem Foto ein Terrorist als "Flüchtling posiert".

Von Damaskus über die Balkanroute nach Berlin

Nachdem ihr Haus bombartiert wurde, floh die Familie Modamani aus Damaskus. Dann machte sich Anas allein auf den Weg über die Türkei, von dort mit dem Schlauchboot nach Griechenland und weiter über die sogenannte Balkanroute bis nach Deutschland - immer in der Hoffnung, seine Familie nachholen zu können. Im September kam er dann in Berlin an, wo er auch die Kanzlerin traf.

Anas Modamanis Berliner Gastfamilie - Foto: Anas Modamani

Anas Modamani und seine Berliner Gastfamilie: "Als Terroristenfreunde diskreditiert"

Dass sein Foto mit Merkel inzwischen im Netz missbraucht wird, mache ihn traurig, sagte Modamani jetzt der Deutschen Welle. Seit Anfang des Jahres lebt der heute 19-Jährige in Berlin bei einer deutschen Gastfamilie und besucht einen Deutschkurs, um möglichst bald hier studieren zu können.

Gastfamile bedroht

Liang Cheng, ein Berliner Freund von Anas Modamani, sagt, die jetzt im Netz kursierenden Behauptungen seien Lügen, die jeglicher Grundlage entbehrten. Modamani habe sogar befürchtet, dass die Polizei oder andere in Deutschland glauben könnten, dass irgendetwas an den Gerüchten aus den Sozialen Medien dran wäre.

Wie die "Berliner Zeitung" (B.Z.) berichtet, wird nun auch Anas Modamanis deutsche Gastfamilie zum Ziel rechter Hetzer im Netz. "Wir werden auf Facebook als Terroristenfreunde diskreditiert und bedroht", sagte Gastmutter Anke M. der B.Z. Sie will jetzt Anzeige erstatten. Doch die Hetzer sitzen möglicherweise gar nicht in Deutschland. Wie das Magazin "Der Stern" meldet, geht der Ursprung des Postings, das Modamani als Terroristen abstempelt, vermutlich auf ungarische Kanäle zurück.