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Aktuell Nahost

Flächenbrand im Jemen weitet sich aus

Die arabische Militärallianz setzt ihre Angriffe gegen die Huthi-Rebellen fort. Die USA zeigen Verständnis, während EU und UN vor einem Stellvertreterkrieg im Jemen warnen.

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Markus Kaim, Sicherheitsexperte Stiftung Wissenschaft und Politik

Saudi-Arabien und seine Verbündeten haben erneut Stellungen der schiitischen Huthi-Miliz im Jemen angegriffen. Jemenitische Quellen berichteten, dass weitere Ziele in der Hauptstadt Sanaa bombardiert wurden, darunter der von den Rebellen besetzte Präsidentenpalast. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija meldete, auch Stellungen der Republikanischen Garde seien angegriffen worden. Diese untersteht dem Befehl des früheren Präsidenten Ali Abdullah Salih, der die Huthi-Rebellen unterstützt.

Militärallianz gegen Huthi-Miliz

Die von der saudischen Armee angeführte Koalition arabischer Staaten hatte in der Nacht zum Donnerstag militärisch in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen und unterstützt damit den jemenitischen Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi. Bisher verliefen die Luftangriffe offenbar erfolgreich. "Wir haben es in nur 15 Minuten geschafft, die Herrschaft über den Luftraum zu gewinnen", sagte ein Sprecher des arabischen Militärbündnisses in einem Interview mit dem Sender Al-Arabia. Der Einsatz von Bodentruppen sei "derzeit nicht geplant".

Mit dem Eingriff in den jemenitischen Bürgerkrieg reagierten Saudi-Arabien und seine Verbündeten auf die Gebietsgewinne der Huthi-Rebellen. Im Laufe der Woche waren diese immer weiter in Richtung der südlichen Hafenstadt Aden vorgerückt, in die sich auch Hadi geflüchtet hatte. Inzwischen hat er den Jemen verlassen und hält sich in Riad auf.

39 tote Zivilisten

Die Luftangriffe konzentrieren sich im Augenblick vor allem auf Sanaa. Dort seien laut Augenzeugen zuletzt auch die Militärbasis Al-Samaa und der Stützpunkt Al-Istiklal angegriffen worden. Vertreter des Gesundheitsministeriums berichteten von zahlreichen Todesopfern. Bei dem Angriff auf den Militärstützpunkt sei ein benachbartes Wohnviertel getroffen worden. Insgesamt geht das Ministerium von 39 Zivilisten aus, die seit dem Beginn der Militärintervention getötet wurden. Augenzeugen berichteten, dass bereits viele Einwohner versucht hätten, aus der Hauptstadt zu fliehen.

Abed Rabbo Mansour Hadi kommt in Riad an (Foto: picture-alliance)

Jemens Staatschef Hadi hat sich in Saudi-Arabien in Sicherheit gebracht (Bild links)

Wichtige Meerenge im Visier

Derweil fürchtet die arabische Allianz, dass die Huthi-Kämpfer die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab erlangen könnten. Die rund 30 Kilometer breite Meeresstraße verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Sie ist von besonderer strategischer Bedeutung für den Welthandel: Fast 40 Prozent des internationalen Schiffhandels werden über den Bab al-Mandab abgewickelt, ein Großteil davon über den zum Mittelmeer führenden Suezkanal.

Iran vs. Saudi-Arabien?

Der Bürgerkrieg im Jemen droht, die gesamte Region zu erfassen. Teheran hat die saudischen Angriffe bereits scharf verurteilt. Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif sagte einer iranischen Nachrichtenagentur: "Wir werden alle Bemühungen daran setzen, die Krise im Jemen unter Kontrolle zu bringen." Die Luftangriffe müssten sofort aufhören, weil sie gegen Jemens Souveränität verstießen. Westliche Staaten vermuten, dass der Iran die Huthi-Rebellen militärisch und finanziell unterstützt. Dieser weist die Vorwurfe jedoch zurück.

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"Wir unterstützen die Schritte"

Die USA äußerten Verständnis für das Bombardement der arabischen Allianz. Politische Verhandlungen seien zwar der beste Weg aus dem Bürgerkrieg im Jemen, sagte der Sprecher im US-Außenministerium Jeff Rathke. "Aber wir verstehen auch die Sorgen der Saudis über das Versagen der Huthis, sich sinnvoll in den politischen Dialog einzubringen." Er fügte hinzu: "Wir unterstützen die Schritte, die sie unternehmen." Washington stelle Riad Logistik und Geheimdienst-Informationen zur Verfügung. Um ihre Unterstützung zu koordinieren, bauen die USA eine gemeinsame Planungsstelle mit Saudi-Arabien auf. Amerikanische Soldaten sollen sich aber nicht direkt an dem Einsatz beteiligen. Die Vereinten Nation und die Europäische Union äußerten sich dagegen besorgt und riefen die Konfliktparteien zu Verhandlungen auf.

"Stellvertreterkrieg im Jemen"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Lage gefährlich. Er hoffe nicht, dass sich die Situation in einen kriegerischen Flächenbrand ausweite, sagte er in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. Niemand könne ein Interesse an einer weiteren Eskalation oder gar an einem saudisch-iranischen "Stellvertreterkrieg im Jemen" haben, auch Riad und Teheran nicht. Langfristig werde es in der konfliktreichen Region erst dann Entspannung geben, "wenn sich die beiden großen Regionalmächte, das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran, miteinander verständigen, oder zumindest arrangieren", fügte Steinmeier hinzu.

Am Samstag will Jemens Staatschef Hadi beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga im ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich um weitere Unterstützung werben. Der Liga-Gipfel soll zudem die Bildung einer panarabischen Eingreiftruppe beschließen. Bereits am Donnerstag einigten sich die Außenminister der Arabischen Liga unter dem Eindruck des Jemen-Konflikts auf die Aufstellung einer Streitmacht, die bei Krisen in der arabischen Region eingesetzt werden solle.
nin/cr (dpa, rtr, afp)

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