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Fix und Fertig

Manchmal ist man ganz schön fertig. Nicht mit dem Essen oder dem Mittagsschläfchen, sondern dem Leben. Weil der Chef, der Nachbar, die Exgattin oder die nervigen Kinder einem das Leben zur Hölle und damit fertig machen.

Es war vor gut 25 Jahren. Die OEG, das ist die Oberrheinische Eisenbahngesellschaft, hatte damals noch richtige Schaffner. Schaffner in Uniform mit Krawatte und Mütze, Geldwechseltasche am Halfter, Trillerpfeife fest im Mund. Dieser rief an Haltestellen laut und deutlich: „Vorne fertich, hinne fertich, alles fertich“, gefolgt von einem schrillen Pfeifton und einem Winken in Richtung Wagenführer: „Fertich!!!“.

Vom Abfertigen

Worauf sich der Zug in Bewegung setzte. Damit war – und so heißt es noch heute in der Eisenbahnersprache – der Zug abgefertigt. Das heißt: Alles war in Ordnung, es konnte losgehen. Im Prinzip funktioniert die Abfertigung eines ICE heute genauso, wenn auch mit Lichtsignalen und kleinen Tafeln, die von den Zugbegleitern geschwenkt werden.

Es lassen sich allerdings nicht nur Züge und die Post, also Pakete und so weiter abfertigen, es werden auch Menschen abgefertigt. Nicht selten sogar fertig gemacht. Häufig mit dem Ergebnis, dass nach dieser Art Abfertigung die Betroffenen fix und fertig sind.

Dieser Stinkstiefel macht mich fertig!

Wenn man nicht weiß, was einer solchen Abfertigung vorangegangen ist, gehört unsere Sympathie dem respektive der Abgefertigten. Weshalb? Weil wir uns erst mal auf seine respektive ihre Seite stellen und dem bösen Menschen unterstellen, den fertig gemacht zu haben, der nicht so böse ist.

Nun ist es ja durchaus denkbar, dass jemand ein solcher Stinkstiefel ist – merkwürdig, den gibt’s nur in der männlichen Ausführung, Stinkstiefelette geht nicht – dass er es tatsächlich verdient hat, einmal so richtig fertiggemacht oder – anders gesagt - in den Senkel gestellt zu werden.

Nomen – manches Mal ein schlechtes Omen

Für Kreise, die zur Lösung zwischenmenschlicher Probleme gerne zur nonverbalen Korrektur greifen, ist die Abreibung ein probates Mittel. Diese ist kurz, aber keineswegs schmerzlos. Das Deutsche lässt in solchem Kontext kein Verbum ‚abreiben’ zu, man sagt nicht, „der ist aber ordentlich abgerieben worden“, sondern hat „eine Abreibung bekommen“.

Wie wir wissen sind ‚-ung’, ‚-heit’ und ‚-keit’ diejenigen Endsilben, die an einen Verbstamm angehängt ein Nomen ergeben. Siehe Abreibung. Natürlich ist in unserem Beispiel die Vorsilbe ‚ab’ unabdingbar, denn sonst käme statt Abreibung nur Reibung zustande. Wobei Reibung zwischenmenschlichen Beziehungen eher gut tut …

Abgemahnt ist halb gekündigt

Nun wollen wir aber nicht in der Grammatik, sondern im richtigen Leben verweilen. Was kriegen wir, wenn wir Rechnungen zu spät bezahlen? Richtig. Eine Mahnung. Ungemütlich auch die Situation, wenn jemand im Berufs- beziehungsweise Geschäftsleben nachgewiesenermaßen seinen Pflichten nicht nachkommt, wissentlich gegen Vorschriften verstößt oder sich andersartiges schwerwiegendes Fehlverhalten zu Schulden kommen lässt.

Dann gibt es nämlich – nach einer Ermahnung – die Abmahnung. Die bedeutet im Klartext: Freundchen, bald ist Schluss, beim nächsten Mal kommt die Kündigung! Abfertigung, Abmahnung, Abreibung, es geht bei unserem Thema im übertragenen Sinn in gewisser Weise von oben nach unten.

Abgewatscht und abgekanzelt

Auch was das Abkanzeln und Abwatschen angeht. Zum ersteren: Stellen wir uns einen Pfarrer vor, der von der Kanzel herunter mit donnernden Worten seiner Gemeinde, die ein einziger gottloser Sündenpfuhl ist, die Leviten liest. Sie „abkanzelt“. Das duldet keinen Widerspruch. Da herrscht demütiges Schweigen mit gesenkten Häuptern! Wer abgekanzelt worden ist, der schleicht geknickt von dannen.

Ganz so wie jemand, der abgewatscht worden ist. Deutsch ‚Watsche’ österreichisch ‚Watschn’ ist ein Schlag ins Gesicht. Als Synonyme kann man Maulschelle, Ohrfeige und Backpfeife durchgehen lassen. Das ‚Abwatschen’ ist durchaus wörtlich zu verstehen, hat aber auch übertragene Bedeutung. Zum Beispiel: ‚Der FC Soundso ist zu Hause gegen den Sportclub Soundso mit 0:5 abgewatscht worden.’

Laut schallt die Ohrfeige!

Auch in der Politik wird abgewatscht. Wenn einer oder eine in den Parteivorstand gewählt werden will und nur mickrige 52% der Stimmen bekommt, so gilt dies als deutliche Watsche. Mitunter nennen dies Journalisten in vermeintlich gefälligerer Umschreibung „eine schallende Ohrfeige aus den eigenen Reihen.“ Auch die macht fix und fertig.

Fragen zum Text

Was lässt sich nicht abfertigen?

1. ein Zug

2. ein Paket

3. ein Essen

Was kriegt man, wenn man Rechnungen zu spät bezahlt?

1. ein Geschenk

2. eine Abfertigung

3. eine Mahnung

Welches der drei Wörter ist kein Synonym für Ohrfeige?

1. Watschn

2. Maulschelle

3. Backpflaume

Arbeitsauftrag

Der Streit mit der Chefin, der Ärger über den Ehemann, das Wortgefecht mit der Tochter - Streitgespräche können einen so richtig fix und fertig machen. Schreiben Sie gemeinsam mit einem Partner ein Streitgespräch auf. Folgende Wörter müssen in das Gespräch eingebaut werden: abfertigen, Ohrfeige, Ermahnung, Problem, traurig und wütend.

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