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Wirtschaft

Fitschen nur Mitläufer?

Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht so tief in Betrugsversuche zu Lasten des früheren Medienmoguls Leo Kirch verstrickt wie die vier Mitangeklagten.

Fitschen habe weniger energisch als seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann und zwei weitere Ex-Vorstände versucht, in dem von Kirch betriebenen Schadenersatzprozess die Justiz zu täuschen, sagte Staatsanwältin Christiane Serini am Dienstag vor dem Landgericht München bei der Verlesung der Anklage. Fitschen habe vor Gericht mündlich nicht gelogen, sei jedoch an falschen schriftlichen Erklärungen beteiligt gewesen.

Kirch, der 2011 starb, hatte die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums 2002 verantwortlich gemacht. Der damalige Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, hatte in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Kirch verklagte die Bank auf zwei Milliarden Euro. Kernfrage in dem Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München war, ob Breuer mit dem Interview beabsichtigte, der Bank lukrative Aufträge zur Zerschlagung der Mediengruppe zu verschaffen.

Absprachen und Rollenspiele

Breuer bestritt ein Interesse der Bank an solchen Aufträgen von Kirch. Doch das damalige Gericht glaubte ihm nicht und sprach von einem Täuschungsversuch, obwohl Breuer Rückendeckung von seinen Vorstandskollegen bekam. Serini schilderte am Dienstag das Vorgehen der Banker als Verschwörung, mit der Kirch um seinen Schadenersatzanspruch habe betrogen werden sollen. "Die Angeklagten begannen damit gemeinsam, den vom Angeklagten Dr. Breuer bereits zuvor gefassten und von ihm am 25.02.11 begonnenen Tatplan fortzuführen."

Doch während Breuer, Ackermann und die mit angeklagten Ex-Vorstände Clemens Börsig und Tessen von Heydebreck falsch ausgesagt hätten, habe Fitschen versucht, sich herauszuwinden. "Fitschen hielt sich nicht an die zumindest stillschweigend geschlossene Vereinbarung", sagte Serini. "Der Angeklagte Fitschen machte bei seiner Anhörung vage und in sich nicht schlüssige Angaben." Er habe versucht, Falschaussagen zu vermeiden, ohne dabei die Abwehrstrategie seiner Kollegen zu torpedieren. Damit habe er sich des schweren Betrugs mitschuldig gemacht. Im äußersten Fall drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Der mit angeklagte Ex-Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, soll sich durch Rollenspiele in einem Probeprozess gezielt auf Aussagen vor dem Oberlandesgericht München vorbereitet haben, erklärte Serini. "Für diesen Probeprozess hatten die Prozessanwälte nicht nur Fragen, sondern auch schon Antworten für den Angeschuldigten Dr. Breuer entworfen", heißt es in der Anklage. In dem Rollenspiel habe einer der Prozessanwälte auch den Richter gespielt, vor dem Breuer damals aussagen musste.

wen/ul (dpa,rtr)