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Sport

Fitmachen für das Leben

Angehende Grundschüler können heute kaum auf einem Bein stehen, Körperspannung aufbauen oder Bälle sicher fangen. Sportvereine bieten hier Abhilfe, aber inzwischen gibt es auch kommerzielle Fitness-Studios für Kids.

Kinder beim Ballspiel (Foto: DW/Sola Hülsewig

Kindern Bewegung vermitteln

"Da vorne, an der Wäschestange, habt ihr doch eine Rolle rauf gemacht, einen Aufschwung…." Resolut, aber freundlich klingt die Stimme der Übungsleiterin durch die hell ausgeleuchtete Halle im Kölner Süden. Hier hat eine amerikanische Franchise-Kette vor gut zwei Jahren ihren ersten deutschen Standort eröffnet. Und nicht nur der Beobachter bekommt einiges geboten: Vierjährige Kinder hopsen, schlagen Purzelbäume, robben über ein Stangenpaar oder balancieren über tiefer gelegte Schwebebalken. Bunte Matten formen sich zu Hindernissen oder Röhren, auch eine Art Stufenbarren darf nicht fehlen – fertig ist ein abwechslungsreicher Bewegungs-Parcour. Und den Kleinen scheint's zu gefallen: "Ich mag am liebsten balancieren", erklärt ein Mädchen. Und ein anderer Steppke beteuert: "Das macht mich ganz lustig!"

Erste Turnübungen (Foto: picture-alliance)

Gleichgewichtsgefühl muss erlernt werden

"Pyjama-Party" heißt heute das Motto für das Erlernen elementarer Fertigkeiten auf spielerische Art. Oft begleitet von Gesang oder Musik, dazu in kleinen Gruppen mit maximal sechs bis sieben Kindern pro Trainerin oder Betreuer. Dabei richten sich die Kursangebote an den Nachwuchs im Alter zwischen vier Monaten und zwölf Jahren. Annette Eckhardt ist als Geschäftsführerin Europa auch für den deutschen Markt zuständig. "Heute leben Stadtkinder in kleineren Wohnungen und bewegen sich sehr viel weniger als früher, wo sie draußen gespielt haben“, erläutert sie das Konzept. "Unser Ansatz ist von daher, eine neue moderne Turnwelt zu kreieren, in der Kinder problemlos spielen, erproben, sich bewegen und Spaß daran bekommen."

Motorik und Sozialkompetenz schulen

Kontrollierte Fitness (Foto: dpa)

Kontrollierte Fitness

Psychomotorische Erziehung schon im Kleinkindalter, dies war bereits das Credo von Firmengründer Robin Wes. Der Sportlehrer und Musiker aus Südafrika eröffnete 1976 das erste Fitness-Studio für Kinder in den USA. Und von Beginn an ging es nicht ausschließlich um Bewegung: Hier sollten auch Geborgenheit und statt Leistungsdruck vor allem Sozialkompetenz entstehen. Fitmachen fürs Leben – das scheint den zuschauenden Müttern auch gut 30 Jahre später einiges wert zu sein. "Amelie findet es total toll, die ist immer sehr stolz, wenn sie was Neues gelernt hat", sagt eine, die das Geschehen durch eine riesige Glasscheibe verfolgt. "Und wenn sie Probleme hat, wird sie eben an die Hand genommen und auf den Schoß." Und eine andere Frau unterstreicht den Nutzen für ihre Tochter: "Neben der Freude hat sie auch sehr viel Selbstvertrauen gewonnen. Natürlich ist es etwas teurer als andere Turnangebote, aber man bekommt auch sehr viel mehr als woanders."

Denn "Modernes auf die Bäume klettern", so ein griffiger Firmen-Slogan, hat schon seinen Preis: Neben 50 Euro Jahresmitgliedschaft für die ganze Familie fallen gut 320 Euro Kursgebühr pro Kind und Semester an, wobei in der Regel einmal wöchentlich trainiert wird. Hinzu kommen Tarife für Extra-Angebote, etwa in den Schulferien – auch das ein Gegenbild zum traditionellen Sportverein. "Dennoch tummeln sich bei uns nicht nur Kinder von Besserverdienenden, wie auch Untersuchungen aus den USA und anderen Ländern zeigen", betont Firmen-Strategin Annette Eckhardt. Zudem verweist sie auf die Qualifikation der Mitarbeiter: "Unsere Trainer sind häufig Sportwissenschaftler oder Gymnastiklehrerinnen, haben in jedem Fall einen Motorik-Hintergrund. Dazu werden sie aber intern noch sorgfältig geschult." Dies gelte sowohl vor der Aufnahme des Unterrichts als auch kontinuierlich. "Wir als System bieten unseren Franchise-Partnern mehrere Trainings im Jahr an, die auch obligatorisch sind."

Gute Ausbildung hat ihren Preis

Leistungssport ist nicht das Ziel (Foto: AP)

Leistungssport ist nicht das Ziel

Seit 1992 expandiert das Unternehmen nach dem Franchise-Prinzip und ist per Subunternehmer bereits an mehr als 300 Standorten in über 20 Staaten präsent. Nach der Premiere in Köln verhandelt man nun über Neueröffnungen in anderen deutschen Großstädten. "Ich befinde mich immer noch im Existenzgründungsstadium, aber mit guter Perspektive", zieht Franchise-Nehmer Arnd Walendy für sich eine positive Zwischenbilanz. "Und die Arbeit mit den Kindern ist schon sehr befriedigend und lässt einen auch nach harten Tagen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen."

Derweil neigt sich auch die "Pyjama-Party" genannte Turnstunde für Karl und den Rest der Rasselbande dem Ende entgegen: Sie sind durch imaginäre Waschmaschinen geklettert, haben bunte Tücher vom Schwebebalken gepflückt und alle möglichen Bewegungsmuster quasi nebenbei durchlaufen. Nun kommen sie mit den Betreuern zum Schlusskreis zusammen, singen und klatschen zum Abschied noch einmal in die Hände: "Macht's gut, kleine Strolche und bis bald – und bis bald!"

Autor: Lutz Kulling
Redaktion: Joachim Falkenhagen

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