1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Fischer halten sich nach BP Öldesaster über Wasser

Fischer vietnamesischer Herkunft in New Orleans wurden von der BP Ölkatastrophe 2010 besonders hart getroffen. Ein neues urbanes landwirtschaftliches Projekt hilft den Fischern, ihre Abhängigkeit vom Meer zu reduzieren.

Als junger Mann verließ Sang Ho Vietnam vor 34 Jahren. Seitdem arbeitet er in den Vereinigten Staaten. Er lebt in einer vorstädtischen Gegend von New Orleans, nicht weit entfernt von den Wetlands und dem Meer. Er hat fünf erwachsene Kinder. Zwei davon sind Apotheker, eins arbeitet als Kosmetikerin, die beiden jüngsten studieren und leben noch immer zuhause. Jahrzehntelang hat Sang als Fischer im offenen Meer gearbeitet. Doch all das änderte sich vor drei Jahren.

Am 20. April 2010 kam es an der "Deepwater Horizon", einer Bohranlage von BP im Golf von Mexiko, zu einer Explosion. Ganze 7000 Kilometer Küste, von Texas bis Florida, wurden verseucht. Der größte Teil des ausfließenden Öls wurde in der Region östlich und westlich des Mississippi an Land gespült, also in der Nähe von New Orleans im Bundesstaat Louisiana.

Vögel am strand Copyright: imago/Xinhua

Auch drei Jahre nach der Ölkatastrophe sind die Folgen noch deutlich sichtbar

Es war die größte Ölkatastrophe vor der Küste in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Monatelang waren die wichtigsten Fischgründe des Landes gesperrt. Fischereibetriebe entlang des Golfs von Mexiko berichteten von deformierten Fischen und Shrimps, wie auch einem Rückgang der Fischmengen.

Gleichzeitig Nutzpflanzen und Fische züchten

Sang Ho und viele andere Fischer mußten nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sang Ho begann in seinem eigenen Garten, wo er ein kleines "Aquaponics System" baute. Das ist eine Kombination von Fisch- und Pflanzenzucht. Die Becken werden durch einen kleinen Verschlag geschützt. Eine transparente blaue Plane darüber formt das Dach dieses Gewächshauses.

Abgesehen von Planen, um vor der intensiven Sonne von Louisiana zu schützen, ist das Gewächshaus offen. Kleine Pflanzen - Basilikum, Zitronengras und andere Kräuter und Gemüse - wachsen in kleinen viereckigen Plastiktöpfchen heran.

Das Wasser im Fischbehälter beinhaltet Fischexkremente, womit die Pflanzen gedüngt werden. Die Pflanzen verdauen diese Nährstoffe, wodurch die Giftstoffe im Wasser abgebaut warden, das daraufhin in die Fischbehälter zurückfließt - und der Kreislauf geht weiter. Fast jeder einzelne Schritt in diesem Wachstumsprozess kann kontrolliert werden, was Sang ein größeres Maß an finanzieller Stabilität garantiert.

Viele vietnamesische Fischer haben ähnliche Systeme errichtet. Einige haben sich einer Aquaponics Kooperative angeschlossen, die von der "Mary Queen of Vietnam (MQVN) Community Development Corporation" verwaltet wird. Diese wurde geschaffen, um Amerikanern vietnamesischer Herkunft in New Orleans zu helfen, nach dem Wirbelsturm Katrina ihr Leben wieder aufzubauen. Und sie hat ihre Arbeit weitergeführt, um auch die Auswirkungen der BP Ölkatastrophe zu dämpfen.

Ein zusätzlicher Beitrag zum Familieneinkommen

Khai Nguyen arbeitet bei der MQVN Aquaponics Farmer Kooperative. Er erteilt den Farmern technische Ratschläge, sodass sie mit ihren Aquaponics Systemen arbeiten können, und er unterstützt sie beim Verkauf ihrer Produkte. Die Kooperative soll den vietnamesischen Fischern von Louisiana helfen, Alternativen zu herkömmlichem Fischen zu entwickeln. Probleme hätte es auch ohne die Ölkatastrophe gegeben, nämlich durch zu stark betriebene Fischerei, erklärt Khai Nguyen.

Mann vor Gewächshaus Photographer: Bryan Kelso

Khai Nguyen versucht mit seinem Aquaponics-Projekt auch anderen Fischern zu helfen

"Die Fischerei ist für Vietnamesen sehr wichtig, für unsere Gemeinschaft. Als die Vietnamesen nach dem Vietnamkrieg in die Region um New Orleans kamen, haben sie sich in der Fischerei betätigt, da diese ihnen bereits bekannt war."

Viele vietnamesische Familien, die am Golf von Mexiko leben, stammen aus Fischerdörfern in Vietnam, fügt er hinzu.

BP hat ein Entschädigungsabkommen vorgeschlagen, um Menschen, die von der Ölkatastrophe getroffen wurden, zu helfen. Aber Kritiker werfen ein, es sei schwierig, die Kosten des Umweltschadens einzuschätzen - niemand weiß, wie sich die Dinge in den nächsten Jahren entwickeln werden. Derweil läuft ein Gerichtsverfahren in New Orleans, um die Schuldigen zu benennen, die die massive Verseuchung verursacht haben.

Die vietnamesische Gemeinschaft in New Orleans will nicht den Ausgang des Verfahrens abwarten. Durch die Produktion von Nutzpflanzen und Fisch in ihren eigenen Gärten wollen sie sich unabhängig von Faktoren machen, die sie nicht kontrollieren können, wie Wirbelstürme und Ölkatastrophen.

Frische, lokal produzierte Lebensmittel

In New Orleans steigt die Nachfrage nach frischen, lokal produzierten Lebensmitteln. Über ein Dutzend Restaurants kaufen regelmäßig Ware von den einheimischen Aquaponics Farmern. Die Verwendung von Lebensmitteln, die in der Umgebung produziert wurden, bedeutet, dass weniger Benzin für deren Transport und weniger Verpackungs-material für die Frischhaltung verwendet werden müssen.

Ein regelmäßiger Kunde der Kooperative ist das Restaurant Maurepas. DW sprach mit Küchenchef Michael Doyle, der gerade auf eine Bestellung von Salatzutaten und Zitronenbalsam wartete.

"Das hier geht in einen unserer Cocktails, ein Zitronencocktail. Und das geht in einen Rumcocktail mit Rhabarber."

Pflanzen im gewächshaus Photographer: Bryan Kelso

Nachhaltigkeit ist von großer Bedeutung

Doyle und andere Restaurantchefs versuchen, lebendige Beziehungen mit lokalen Fischern und Landwirten aufzubauen. Doyle sagt, für eine vergleichbare Qualität der Lebensmittel würde er in einem normalen Geschäft wahrscheinlich mehr bezahlen müssen, also ist die Zusammenarbeit mit der Aquaponics Kooperative für beide Seiten nützlich.

Weitere Aquaponics Programme breiten sich in New Orleans aus, darunter auch eins in der Nähe des wichtigsten Geschäftsbezirks der Stadt. Dort haben sich die "Recirculating Farms Coalition" und die "New Orleans Food and Farm Coalition" zusammengetan, um ein Projekt zu starten, das auch Aquaponics mit einschließt. Das Ziel dabei ist es, Stadtbewohner mit niedrigen Einkommen zu fördern.

Nach einer der schlimmsten Umweltkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist Louisiana dabei, eine dynamische, sozial verantwortliche Bewegung zu schaffen, die auf nachhaltiger Lebensmittelproduktion basiert.

Die Redaktion empfiehlt