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Politik

Fisch in der EU

Island gilt traditionell als Alleingänger, nicht interessiert an der europäischen Staatengemeinschaft. Das scheint sich jedoch zu ändern.

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Island: Ein Paradies für Angler und Fischer

100.000 Quadratkilometer Oberfläche entsprechen ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen genommen. Das ist die Größe von Island, der Insel, die an der Grenze zwischen Europa und Amerika liegt – rein geologisch betrachtet. Weniger als 300.000 Menschen leben auf der Vulkaninsel, die 1944 ihre Unabhängigkeit von Dänemark erlangte und deren Bewohner einen Lebensstandard genießen, der weltweit zu den führenden gehört.

Über fast 5000 km Küste verfügt Island und die reichhaltigsten Fischgründe der Welt liegen vor dieser Küste. Und genau diese sind der wunde Punkt, um den es in der Diskussion um Islands Beitritt zur EU immer wieder geht. Ähnlich wie beispielsweise Norwegen sind auch die Isländer nicht bereit, die Verwaltung ihres wertvollsten Wirtschaftszweiges in Brüsseler Hände abzugeben.

Diese Bereitschaft ist jedoch Voraussetzung für einen erfolgreichen Eintritt in die EU, denn sie praktiziert eine gemeinschaftliche Fischereipolitik. Die EU-Kommission will daher auch den isländischen Fisch als Gemeinschaftsressource behandeln.

Empfindliche Insulaner

Für die kleine Insel-Gemeinschaft ist die Fischerei aber nicht nur ein Wirtschaftszweig unter vielen, wie bei manchen anderen Ländern: Zwei Drittel des isländischen Exports bestreitet die Fischindustrie, ein Zehntel des Bruttoinlandsproduktes wird mit Fischen erwirtschaftet. Der Reichtum des Landes entspringt vor allem seinen Küstengewässern. Die Kontrolle über den Fisch will sich daher niemand wegnehmen lassen.

Außenminister Halldor Asgrimsson hat durch massives Werben für Europa dennoch eine positivere Grundstimmung zum Reizthema Europa geschaffen. Nach jüngsten Meinungsumfragen sind mittlerweile 90 Prozent der Isländer dafür, Verhandlungen mit Brüssel aufzunehmen – immer unter der Voraussetzung, dass das Problem der Rechte an den Fischgründen geklärt wird. Gewünscht wird eine regionale Verwaltung im Rahmen der EU.

Wahlkampfthema 2003

Überzeugter Gegner des isländischen Beitritts ist dagegen Ministerpräsident David Oddsson. Früher äußerst beliebt, verscherzt er sich immer mehr Sympathien durch seine ablehnende Haltung. Viele werfen ihm vor, Stimmen in seiner konservativen Unabhängigkeitspartei zu ignorieren, die sich für die EU aussprechen. Er soll sogar Umfragen in Auftrag gegeben haben, die so suggestiv formuliert waren, dass sie zu dem von ihm gewünschten Ergebis führten, nämlich dass die Isländer entgegen anderen Informationen doch gegen den EU-Beitritt seien.

Die Diskussion um Europa birgt viel Zündstoff auf der nordischen Insel. Viele betrachten das Thema schon als das wichtigste Wahlkampfthema für die Wahlen im Mai 2003 – anders als in Deutschland spielt die Arbeitslosigkeit in Island mit einer Höhe von gerade einmal 3,2 Prozent nämlich keine wichtige Rolle.

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