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Asien

First Lady Rula Ghani nimmt ihre Rolle ernst

Mit Rula Ghani zieht erstmals seit langem wieder eine First Lady in den afghanischen Präsidentenpalast, die ihre Rolle selbstbewusst ausfüllen will. Sie will sich vor allem um Frauen- und Kinderrechte kümmern.

Im afghanischen Wahlkampf hatten einige der politischen Gegner von Ashraf Ghani versucht, Kapital aus der Tatsache zu schlagen, das Ghanis Ehefrau Rula aus einer maronitisch-christlichen Familie des Libanon stammt. Auch nach Ghanis Wahlsieg versuchten religiöse Führer Afghanistans, Druck auf ihn auszuüben, damit er seine Frau möglichst aus dem Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit heraushält. Aber Ghani tat ihnen den Gefallen nicht: Nach seiner Vereidigung zum neuen Präsidenten dankte er seiner Frau für ihre Unterstützung und kündigte an, dass sie sich weiterhin für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzen werde.

Solche für Afghanistan ungewohnten Dankesworte an die First Lady trafen trotz Murrens aus konservativer Ecke auf weitgehend positive Resonanz im Land. Die Kritiker bemängelten, dass die neue Präsidentengattin Land und Leute nicht gut genug kenne. Sie verweisen darauf, dass sie erst seit 2002 ständig im Afghanistan lebt. Rula Ghani begegnet dieser Kritik mit dem Hinweis darauf, dass sie bereits 1975 in das damals friedliche Land am Hindukusch gereist sei. "Ich behaupte nicht, alles über das Land zu wissen, aber ich bin viel in Afghanistan gereist und habe mit vielen Menschen hier gesprochen", sagte die First Lady gegenüber der Deutschen Welle.

"Will nicht die Gesellschaft umkrempeln"

Straßenkinder in Masar-i-Sharif (Foto: DW)

Schon früher hat sich Rula Ghani für Afghanistans Straßenkinder engagiert

Sie könne jetzt noch nicht sagen, was sie konkret künftig tun werde, aber auf jeden Fall werde sie sich vor allem für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzen. Frauen spielten eine wichtige Rolle in der afghanischen Gesellschaft, mögen sich auch frühere Präsidentengattinnen stärker zurückgehalten haben oder von den Medien nicht richtig wahrgenommen worden sein, sagt Rula Ghani. "Viele afghanische Frauen waren und sind gesellschaftlich sehr aktiv, auch in der Politik und im Geschäftsleben."

Sie wolle keineswegs die afghanische Gesellschaft umkrempeln: "Ich habe das Gefühl, dass Afghanistan einen sehr starken gesellschaftlichen Zusammenhalt und starke familiäre Bande hat. Mir geht es darum, dass die wichtige Rolle der Frau innerhalb und außerhalb der Familie stärker gewürdigt wird", sagt Rula Ghani gegenüber der DW. Schon früher hat sie sich im Rahmen der amerikanischen Aschiana-Stiftung für notleidende Kinder in Afghanistan eingesetzt.

Die Parlamentsabgeordnete Shukria Barakasai ist überzeugt, dass durch die ersten Einlassungen der First Lady zu ihrem künftigen Engagement schon ein positiver Trend erzeugt wurde: "Es wird das Selbstbewusstsein von Frauen und Kindern stärken, wenn sie sehen, dass sich der Präsidentenpalast für ihre Belange einsetzt."

Lange Zeit in den USA

Rula Ghani im Wahlkampf (Foto: DW)

Rula Ghani im Einsatz beim Wahlkampf ihres Mannes Ashraf Ghani

Die Ehefrau von Ashraf Ghanis Amtsvorgänger Hamid Karsai, Sinat Karsai, tauchte nur selten in den Medien auf. Um ein Vorbild für eine engagierte First Lady Afghanistans zu finden, muss man bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgehen: Zwischen 1919 und 1929 setzte sich die Ehefrau von König Amanullah Khan, Königin Soraya, stark für Frauenrechte ein. Ihre Modernisierungskurs war mit ein Grund für den Sturz des Königspaares durch religiös-konservative Kreise in Afghanistan.

Rula lernte ihren künftigen Ehemann Ashraf Ghani Ahmadzai in den 70er Jahren kennen, als beide an der Amerikanischen Universität in Beirut studierten. Sie begleitete dann ihren Vater nach Afghanistan, der die Familie seines künftigen Schwiegersohnes kennenlernten wollte. "Er gab sein Einverständnis und ich reiste zurück in den Libanon, wo wir heirateten", erzählt Rula Ghani. Kurz darauf zogen beide nach Kabul, wo Ashraf Ghani an der Universität lehrte.

Für Ghanis Promotionsstudium in Anthropologie an der University of Columbia zog das Paar in die USA. Dort waren sie, als 1979 der sowjetische Putsch und Einmarsch in Afghanistan begann. "Man sagte uns, wir sollten nicht zurückkehren", erzählt Rula Ghani. "Viele Familienangehörige meines Mannes waren im größten Gefängnis des Landes, Pul-i Charkhi bei Kabul. Man befürchtete, dass Ashraf dasselbe Schicksal bevorstünde, wenn er zurückkehrt." Aus geplanten zwei Jahren in den USA seien so 30 Jahre geworden.

Die beiden haben zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, die in den USA leben. 2001 kehrte Ashraf Ghani nach Afghanistan zurück, ein Jahr später seine Frau Rula.

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