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Aktuell Europa

Firmenchefs demonstrieren gegen Regierung in Paris

Gemeinhin gehen Arbeitnehmer und Gewerkschafter auf die Straße, um zu protestieren. In Paris und Toulouse machen es nun tausende Firmenchefs genauso. Ziel ihrer Proteste ist die Wirtschaftspolitik der Regierung.

In Paris bekundeten rund 6000 Unternehmensleiter ihren Unmut über den wirtschaftspolitischen Kurs der sozialistischen Regierung. In der südfranzösischen Stadt Toulouse demonstrierten etwa 4000 weitere Firmenchefs mit Trillerpfeifen, Lautsprechern und Transparenten gegen eine Politik, welche die Unternehmen nach ihrer Ansicht "einschnürt". Dies teilte die Vereinigung kleiner und mittlerer Unternehmen (CGPME) mit. So viele Unternehmer waren seit etlichen Jahren nicht mehr bei Protestmärschen auf französischen Straßen. Zuletzt hatte es im Jahr 2000 größere Kundgebungen von Arbeitgebern gegen die Einführung der 35-Stunden-Woche gegeben.

Die aktuellen Demonstrationen bilden den Auftakt einer Aktionswoche, zu der die drei größten französischen Arbeitgeberverbände - Medef, UPA und CGPME - aufgerufen hatten. Mit Slogans wie "Befreit unsere Unternehmen" wenden sich die Demonstranten gegen die in ihren Augen zu große Belastung durch Abgaben, Steuern und Reglementierungen.

"Erstickende" Steuerlast

Die Unternehmen würden durch die Steuerlast regelrecht "erstickt", kritisierte der Chef des Arbeitgeberverbandes Medef, Pierre Gattaz, im Radiosender Europe 1. Im Zeitraum 2010 bis 2015 müssten die Unternehmen zusätzliche Abgaben in Höhe von 42 Milliarden Euro verkraften. Dafür verantwortlich seien gleichermaßen die frühere konservative Regierung und die heutige Linksregierung.

Ein Hotelbesitzer forderte bei den Protesten eine größere Flexibilität für Teilzeitkräfte. Andere Demonstrationsteilnehmer beklagten, dass die vielen Steuern und Reglementierungen der Arbeitswelt die globale Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs aushebelten.

Klein- und mittelständischen Unternehmer machen auch in Toulouse ihrem Ärger Luft (Foto: AFP)

Klein- und mittelständische Unternehmer machen in Toulouse ihrem Ärger Luft

Französische Wirtschaft unter Druck

Für besonderen Unmut sorgt ein neues Gesetz, nach dem Unternehmen ab Januar für ihre Beschäftigten ein "Konto" einrichten müssen, in dem besonders belastende Arbeiten vermerkt werden. Für kleine Unternehmen seien diese Vorschriften unpraktikabel, sagte der Chef einer Autowerkstätte der Nachrichtenagentur AFP.

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich liegt bei zehn Prozent und damit deutlich höher als in der Bundesrepublik. Das Wirtschaftswachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist nahezu zum Erliegen gekommen. Am 10. Dezember will die Regierung von Präsident Francois Hollande ein Gesetz vorlegen, mit dem sie Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze anregen möchte.

kle/pg (afp, ape, rtre)