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Wirtschaft

Finanztitel sorgen für Kurseinbußen

Da sind die Bullen dann doch etwas zu schnell in Richtung Kursrallye galoppiert. Während es in der vorigen Woche noch kräftig nach oben gegangen war, musste der DAX in dieser Börsenwoche Verluste einstecken.

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Größter Verlierer: die Aktie der HypoVereinsbank

In der am Freitag (25. Oktober 2002) zu Ende gegangenen Börsenwoche büßte der deutschen Aktienindex etwa 2,5 Prozent seines Wertes ein. Immerhin konnte die Marke von 3.000 Punkten gehalten werden.

"Wieder einmal diese Finanztitel", wird der eine oder andere Investor geflucht haben. Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen verhagelten mit einem Minus von durchschnittlich sieben Prozent die ansonsten recht ordentliche Börsenwoche. Seit einem Jahr haben die im MDAX vertretenen Finanz- und Versicherungstitel etwa die Hälfte ihres Börsenwertes verloren. Die Commerzbank-Aktie - sie wurde vor zehn Jahren, also lang vor dem Börsenboom, noch für solide zwölf Euro gehandelt - ist inzwischen als "Schnäppchen" für unter sieben Euro zu haben.

HypoVereinsbank in tiefroten Zahlen

Spitzenreiter der Kapitalvernichtung war in dieser Woche aber nicht die Commerzbank aus Frankfurt, sondern die HypoVereinsbank aus München mit minus 20 Prozent. Die zweitgrößte Bank Deutschlands ist durch Konjunkturflaute und Pleitewelle tief in die roten Zahlen gerutscht. Im dritten Quartal hat sie vor Steuern einen satten Verlust von 447 Millionen Euro eingefahren. "Sehr armselig", kommentierte Merrill Lynch treffend die Zahlen.

Der Branchenprimus Deutsche Bank aus Frankfurt nutzte die Chance und senkte sein Kurzziel für die Aktie des Konkurrenten drastisch von 17,80 auf 10,40 Euro. Die Aktie solle man besser gleich verkaufen, empfahlen die Analysten der Deutschen Bank. Die maroden Kredite bei der HypoVereinsbank werden sich nach ihrer Ansicht bis Ende des Jahres auf 3,3 Milliarden Euro summieren.

Schwere Aufgabe für neuen Chef

Die Deutsche-Bank-Analysten erwarten daher Herabstufungen der HypoVereinsbank durch die Kreditratingagenturen. Der Weltmarktführer Standard and Poor's hat die HypoVereinsbank bereits am 8. Oktober von "A" auf "A-" zurückgestuft. Immerhin noch eine gute Note, wenn auch schon im unteren Bereich. Und seit dem 24. Oktober ist dieses "A-" zusätzlich mit einem negativem Ausblick versehen, könnte also bald noch weiter heruntergestuft werden. Alles in allem also keine besonders guten Aussichten für den zukünftigen Chef der HypoVereinsbank (HVB), Dieter Rampl. Er soll ab dem 1. Januar 2003 die Geschäfte übernehmen.

High-Tech-Titel legen weiter zu

Weiter im Plus lagen dagegen die Technologie- und Softwareaktien, die im Wochenverlauf etwa 2,5 Prozent gewannen. Sie haben sich mit einem Anstieg im vergangenen Monat um 20 Prozent blendend vom Kurssturz erholt. So gut, dass die Investmentbank Merrill Lynch bereits vor Übertreibungen warnt. Ihre Analysten Ariel Bauer und Daud Kahn glauben, "dass das jüngste Kursplus zu früh und zu stark war und nur noch wenig Raum für ein weiteres Aufwärtspotential lässt". Die fundamentale Situation der Unternehmen verschlechtere sich weiter. Zwar sei der Abwärtstrend in den USA gebremst, von dort waren eine Reihe positiver Unternehmensmeldungen gekommen, die das Kursplus ausgelöst hatten, aber in Europa verschlechtere sich die Lage der Software-Branche weiter.

Da ist es mehr als fraglich, ob die Börse in der nächsten Woche wieder kräftig zulegen kann. Die schlechten Konjunkturdaten aus den USA, wo die Auftragseingänge für langlebige Güter im September im Vergleich zum Vormonat um 5,9 Prozent zurückgegangen sind, und Deutschland, wo die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen zurück genommen haben, trüben das Bild zumindest etwas ein. Dazu ist die Gefahr eines Irak-Krieges nicht gebannt und in den USA droht das Platzen der Spekulationsblase an den Immobilienmärkten. Schwere Zeiten für die noch verbliebenen, unerschütterlichen Optimisten unter den Börsianern.