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Wirtschaft

Finanzspritze für angeschlagene US-Hypothekenbanken

Die US-Kreditinstitute Fannie Mae und Freddie haben im Zuge der Immobilienkrise über 40 Prozent an Wert verloren. Jetzt will die Regierung mit günstigen Krediten helfen. Dafür soll sie in Beratungen einbezogen werden.

Am Sitz des Hypotheken-Finanzierers Fannie Mae in Washington (Foto: dpa)

Am Sitz des Hypotheken-Finanzierers Fannie Mae in Washington

Das amerikanische Finanzministerium und die US-Zentralbank wollen den ums finanzielle Überleben kämpfenden Hypothekenbank-Giganten Fannie Mae und Freddie Mac helfen. Das teilten die Fed und das Finanzministerium am Sonntag (13.07.08) nach Krisenberatungen mit. Die Notenbank will den Banken, deren Aktien wegen der US-Immobilienkrise in diesem Jahr mehr als 70 Prozent an Wert verloren, zusätzliche Kredite zu günstigen Konditionen gewähren, sollten sie zusätzliche Mittel benötigen.

Bietet Hilfe aus der Krise an: US-Finanzminister Henry Paulson (Quelle: AP)

Bietet Hilfe aus der Krise an: US-Finanzminister Henry Paulson

So könnten die Hypothekenbanken Kredite für 2,25 Prozent Zinssatz bekommen, teilte die Fed in einer Erklärung mit. Zu diesen Konditionen bekommen sonst Handelsbanken und große Wallstreet-Firmen Geld von der Zentralbank. Damit solle die Erhältlichkeit von Hypothekendarlehen "in einer Stressphase in den Finanzmärkten" gefördert werden, so Finanzminister Henry Paulson, da die beiden Kreditunternehmen "zentrale Rolle" bei der Finanzierung des Immobilienmarktes spielten. Sie stellen mit rund 40 Prozent und einem Gesamtwert von 5,2 Billionen Dollar fast die Hälfte aller privaten US-Immobilienkredite.


Keine Verstaatlichung geplant

Zudem soll die Notenbank in die Beratung über die künftigen Entscheidungen der beiden Banken eingebunden werden. Fannie Mae und Freddie Mac sollten jedoch "in ihrer aktuellen Form als Aktiengesellschaften fortbestehen", erklärte Paulson, der damit eine Verstaatlichung ausschloss. Seine angekündigten Maßnahmen bedürfen zum größten Teil der Zustimmung des Parlaments.

Daher forderte US-Präsident George W. Bush das Parlament auf, "rasch zu handeln". Er gehe davon aus, dass die angekündigten Maßnahmen "zusätzliche Stabilität" in den Markt brächten, sagte seine Sprecherin Dana Perino. In beiden Kammern des Kongresses wird derzeit über Maßnahmen beraten, mit denen die seit Monaten schwelende Immobilienkrise eingedämmt werden soll. Der Senat stimmte bereits staatlichen Garantien von 300 Milliarden Dollar zu. Bereits am Montag wurde ein Testlauf für das Vertrauen des Marktes in die staatlichen Maßnahmen erwartet, da Freddie Mac Anleihen für drei Milliarden Dollar veräußern wollte.




Angeschlagene Kreditriesen: Fannie Mae (l.) und Freddie Mac, Quelle: dpa

Angeschlagene Kreditriesen: Fannie Mae (l.) und Freddie Mac



Schwergewicht auf dem Finanzmarkt

Fannie-Mae-Chef Daniel Mudd dankte Finanzminister Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke für ihre Unterstützung. Er erklärte, sein Unternehmen verfüge über "mehr als die erforderlichen Geldreserven". Die Aktien von Freddie Mac verloren allein in der Woche zuvor an der New Yorker Wall Street 45 Prozent, die Papiere von Fannie Mae gaben um 47 Prozent nach. Die beiden Unternehmen haben zusammen rund 10.700 Beschäftigte, vor allem am Sitz von Fannie Mae in Washington und am Sitz von Freddie Mac in McLean im Bundesstaat Virginia.

Das finanzielle Wohlbefinden der beiden Institute ist für die Regierung von großer Bedeutung angesichts der zentralen Rolle, die sie auf dem Wohnungsmarkt spielen. Grund für die großen Kursverluste in der Woche zuvor waren Analystenberichte, wonach die beiden Immobilienfinanzierer einen weitaus höheren Kapitalbedarf haben könnten, als bisher angenommen. Die Rede war von zusammen 75 Milliarden Dollar.

Analysten skeptisch

Analysten reagierten skeptisch auf das angekündigte Maßnahmenpaket: Die Aktien- und Finanzmärkte würden weiter "Prügel bekommen", sagte der Investment-Manager und Präsident der Johnson Research Group in Cleveland, Chris Johnson. Der unabhängige Finanzberater Bert Ely sagte, das Stützungsangebot von Fed und Finanzministerium zeigten, dass die Probleme tiefer lägen: "Es geht um die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen, nicht nur die Liquidität." (ina)



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