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Wirtschaft

Finanzmärkte jublen nach der Wahl

Erleichterung über den Wahlausgang in Frankreich: Der Dax übersprang am Montag seine bisherige Rekordmarke aus dem Frühjahr 2015 und endete auf einem Allzeithoch. Auch andere Indizes europaweit schlagen nach oben aus.

Die Erleichterung an der Börse nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist riesig: Der Dax legte am Montag bereits zu Handelsbeginn um mehr als zwei Prozent zu und erreichte im Laufe des Vormittags ein neues Rekordhoch von 12.398,05 Zählern. Im Lauf des Tages zog der Kurs sogar nochmal weiter an und ging mit 12.454,98 aus dem Handel. Und das, obwohl viel Unsicherheit bleibt: Brexit-Verhandlungen, ein unberechenbarer US-Präsident, drohende Handelsschranken als Bremsklotz für den Export. Und in Frankreich entscheidet erst eine Stichwahl am 7. Mai über die politische Zukunft der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums.

Der französische Leitindex CAC-40 erreichte im Tagesverlauf seinen höchsten Stand seit 2008. Der Londoner FTSE 100 stieg um gut 2 Prozent. In New York lag der US-Leitindex Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mit mehr als 1 Prozent im Plus.

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich am Sonntag siegte der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron mit 23,8 Prozent. Er stellt sich nun am 7. Mai in der Stichwahl Marine Le Pen von der rechtsextremen Partei Front National, auf die 21,5 Prozent der Stimmen entfielen. Früheren Umfragen zufolge hat der Europa freundliche Macron gute Chancen, Frankreichs neuer Präsident zu werden.

Erleichterung bei den Experten

"Das ist ein sehr positives Ergebnis für Europa und die Stabilität von Realwirtschaft und Finanzmärkten", sagte Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Die politischen Unsicherheiten, die zur Schwäche des Euro und zum Kapitalabzug aus Europa geführt haben, sind zwar noch nicht vollständig bereinigt, aber immerhin zu 90 Prozent."

Es sehe so aus, dass die Botschaft der Hoffnung durch Emmanuel Macron diejenige des Ärgers durch Le Pen klar schlagen könnte, fasste Berenberg-Experte Holger Schmieding das Ergebnis der ersten Runde der Wahl in Frankreich zusammen. Er sieht nur noch ein sehr geringes Risiko eines "Frexits" - also eines Austritts Frankreichs aus der Eurozone.

An den Börsen habe es vor allem die Sorge gegeben, dass die rechtsextreme Marine Le Pen und der Linke Jean-Luc Melenchon, die beide den Euro ablehnen, in die zweite Runde einziehen, meinte Fondsmanager Paul Lambert vom Vermögensverwalter Insight in London. "Diese Nervosität dürften die Märkte jetzt ablegen", sagte der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan.

"Das Ergebnis des ersten Wahlgangs stärkt unsere Zuversicht, dass Frankreich ab dem Sommer von einem eher reformorientierten Präsidenten geführt werden wird", sagte Stefan Kreuzkamp von der Deutsche Asset Managent. Sein Institut habe europäische Aktien nach dem gestrigen Ergebnis hochgestuft.

"Vom makroökonomischen Umfeld und der Gewinndynamik europäischer Firmen waren wir schon länger überzeugt. Doch die politischen Unwägbarkeiten haben unseres Erachtens vor allem ausländische Investoren davon abgehalten, ihre Gelder verstärkt nach Europa umzuschichten", so Kreuzkamp. Nach der Wahl in den Niederlanden und Österreich und neben den rückläufigen Umfragewerten der AfD in Deutschland deutete nun auch der erste Wahlgang in Frankreich darauf hin, dass die Populisten 2017 deutlich an Schwung verlieren. "Bei allen Herausforderungen, die uns bleiben, könnte Europa zum Jahresende deutlich stabiler als zu Jahresbeginn dastehen."

Macrons Erfolg hat "faden Beigeschmack"

Der Erfolg des sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, einen "faden Beigeschmack". Zwar sei das Horrorszenario einer Stichwahl zwischen der Rechtsaußen-Kandidatin Marine Le Pen und dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon abgewendet.

Jörg Krämer (Commerzbank AG)

Jörg Krämer: "Macron ist kein echter Refomer"

Doch: "Macron ist kein echter Reformer: Seine Politik wird das Problem der bedrückend hohen Arbeitslosigkeit allenfalls lindern, aber nicht lösen", argumentierte Krämer. Er scheue vor tiefgreifenden Reformen am Arbeitsmarkt zurück, wobei insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich ein großes Problem sei. Auch Macrons Pläne zur Haushaltskonsolidierung seien vage. Er sei zudem für gemeinsame Anleihen der Euro-Länder und damit auf Konfrontationskurs zu Berlin.

Zudem hätten 41 Prozent der Franzosen für die radikalen Kandidaten Le Pen und Mélenchon gestimmt, die beide freien Außenhandel und die Europäische Währungsunion ablehnten. "Die starke Stellung der Establishment-Gegner in Frankreich und vielen anderen europäischen Ländern bedroht nach wie vor die Existenz der Währungsunion, für die Deutschland und die südlichen Länder keine gemeinsame Vision haben", warnte Krämer.

Deutsche Wirtschaft erfreut

Auch aus der deutschen Wirtschaft kommen erleichterte Reaktionen auf den Sieg von Macron. "Frankreich hat sich für einen pro-europäischen Politiker als Topkandidaten ausgesprochen", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, am Montag. "Das ist gut so." Macron mache sich für internationale Zusammenarbeit und einen offenen Welthandel stark. "Sein gutes Abschneiden ist ein ermutigendes Zeichen." Ein starkes Frankreich in Europa sei
wünschenswert.

Eric Schweitzer (picture-alliance/dpa/K.-D. Gappert)

Eric Schweitzer betont gute Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und Deutschland.

"Für die deutschen Unternehmen ist wichtig, dass Frankreich als starker EU-Partner auch künftig gute und stabile Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft bietet", sagte auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer. "Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen sind seit langem eng und beständig." Frankreich war 2016 der wichtigste Außenhandelspartner Deutschlands nach China: Das Handelsvolumen lag bei 167 Milliarden Euro. Der deutsche Markt ist das französische Exportziel Nummer eins und zugleich wichtigstes Lieferland. In Frankreich sind etwa 2500 deutsche Unternehmen mit mehr als 330.000 Beschäftigten aktiv.

Reaktionen des Euro

Bei den Anlegern waren am Montag Banken besonders begehrt. Auch die Papiere französischer Geldhäuser stiegen deutlich im Wert. 

Der Euro stieg in einer ersten Reaktion auf den Wahlausgang bis zu knapp zwei Prozent auf den höchsten Stand seit knapp fünf Monaten. Da die Unsicherheit bis zur Stichwahl aber anhalten dürfte, gab die europäische Gemeinschaftswährung am Montagmorgen einen Teil der Gewinne wieder ab. 

Erholung bei französischen Staatsanleihen

Deutlich nach oben ging es mit den französischen Staatsanleihen. Diese hatten in den vergangenen Wochen wegen der Unsicherheit vor der Präsidentschaftswahl an Wert verloren. Im Gegenzug war der Risikoaufschlag zu deutschen Staatspapieren stark gestiegen. Am Montagmorgen aber gerieten deutsche Bundesanleihen, die unter Investoren als eine der sichersten Anlagen der Welt gelten, erheblich unter Druck.

Nachgegeben haben auch die Preise für Gold und den japanischen Yen, die beide als Krisenwährung gelten. Aber auch hier hielt sich die Reaktion in Grenzen. Nach anfänglich starken Verlusten, legten die Notierungen beider Anlageklassen wieder leicht zu.

An den asiatischen Börsen spielte die Wahl in Frankreich nur eine untergeordnete Rolle. Der japanische Leitindex Nikkei 225 legte rund ein Prozent zu. Dies dürfte aber vor allem auf den schwächeren Yen zurückzuführen sein, da dieser die japanische Exportunternehmen begünstigt.

iw/as (rtr, dpa)