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Wirtschaft

Finanzmärkte im Rückstand

Die Börsen der EU-Beitrittsländer in Osteuropa sind im Vergleich zu den westeuropäischen Finanzplätzen schwach entwickelt. Vor allem auf private Anleger lauern deshalb in den Beitrittsländern noch viele Gefahren.

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So schön und doch so unattraktiv für viele Börsianer: Prag an der Moldau

Im Mai 2004 werden voraussichtlich acht Staaten aus Ost- und Mitteleuropa der Europäischen Union (EU) beitreten. Dies bedeutet auch, dass die EU um acht neue Kapital-Märkte erweitert wird. Die Neulinge sind jedoch weit weniger entwickelt als die etablierten Finanzplätze London (Foto), Paris, Frankfurt, Amsterdam und Mailand. Mit ihnen können die beschaulichen Börsen in Warschau, Prag und Budapest nicht konkurrieren. Völlig abgeschlagen sind in Sachen Aktienhandel vor allem Lettland, Litauen und Estland. Dort hat sich eine Börsen-Kultur noch nicht einmal im Ansatz entwickelt.

Schieflage

Britische Börse

Handel mit Futures und Optionen an Londons Börse

Alle Aktien der östlichen Beitrittsländer brachten es im Jahr 2002 zusammen auf einen Marktwert von knapp 65 Milliarden Euro. Damit kamen sie auf nur zwei Prozent des entsprechenden Wertes im Euro-Raum. Das zeigt das große Gefälle zwischen den Kapital-Märkten in der EU und in den Beitrittsländern.

Auf die Gefahren dieser Diskrepanz wies die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht (Juli 2003) hin. Eine Aufnahme der osteuropäischen Beitrittsländer in die Europäische Währungsunion sei problematisch, warnte die Bundesbank, solange die östlichen Kapital-Märkte derart deutlich vom EU-Durchschnitt abfallen.

Geld wandert um die Welt

Funktionierende Börsen in den Beitrittsländern sind wichtig, um diese Länder erfolgreich in die EU und in die Euro-Zone einbinden zu können. Denn vor allem über die Börsen können Investoren in kürzester Zeit zielgerichtet und grenzüberschreitend ihr Kapital volkswirtschaflich sinnvoll anlegen. Zwischen den westlichen Industrieländern funktioniert dies reibungslos, denn ihre Geldmärkte sind mittlerweile vollständig vernetzt. Für einen Investor in Deutschland ist es darum kein Problem, sein Geld in ein hoffnungsvolles, börsennotiertes Unternehmen zu investieren – gleichgültig ob dieses in der EU sitzt, in den USA, Japan oder Südkorea. Umgekehrt können internationale Investoren problemlos Geld in ein börsennotiertes Unternehmen in Deutschland investieren. So begünstigen vernetzte Finanzmärkte effiziente Investitionen und erhöhen die Leistungskraft und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wirtschaftsraumes.

Schwieriger hat es dagegen ein Investor, sich an einer Aktiengesellschaft in Ungarn oder Slowenien zu beteiligen. Grund dafür ist unter anderem die Umsatz-Schwäche an diesen Börsen. Sie ist für alle Anleger eine Gefahr. Denn sobald dort ein Fonds viele Aktien eines Unternehmens auf einmal verkauft, kann das bei Titeln, die wenig gehandelt werden, zu drastischen Kursstürzen führen.

Risiko

Viele Unternehmen aus den Beitrittsländern sind daher auch an westeuropäischen Börsen gelistet. Ein Beispiel dafür ist die polnische Telekom TPSA. Sie ist eine der größten Aktiengesellschaften in den östlichen EU-Beitrittsländern und ein Lieblingskind westlicher Fondsmanager. Ihre Anteilsscheine sind nicht nur in Warschau gelistet, sondern zum Beispiel auch an den Börsen Berlin-Bremen und London. Weil dort häufig die Umsätze in diesem Titel höher sind, wird die TPSA eher dort als in Warschau gehandelt. Auf diese Weise geht der Warschauer Börse zum einen ein Geschäft im Aktienhandel verloren, zum anderen hat es die Börsenkultur in Polen schwer, sich zu entwickeln.

Insbesondere private Investoren gehen bei Investments in Unternehmen aus den Beitrittsländern enorme Risiken ein. Denn nach wie vor ist es weitaus schwieriger, sich über den Zustand eines Unternehmens wie etwa der tschechischen Komerční Banka zu informieren als über den Geschäfts(miss)erfolg der Deutschen Bank. Die Gefahren von Geldanlagen in Osteuropa sind auch deshalb größer.

Chancen

Ähnlich groß sind freilich mitunter die Chancen auf üppige Kursgewinne. Ein Blick auf den Kursverlauf zweier relativ großer Unternehmen aus den Beitrittsländern zeigt, welche Chancen und Risiken dort dicht beieinander liegen. Der Wert einer Aktie des ungarischen Gesundheitsdienstleisters Egis verlor seit Juli 2000 etwa ein Drittel seines Wertes. Im gleichen Zeitraum schaffte es die tschechische Komerční Banka, ihren Kurs zu verdreifachen. Beides - der Kursrückgang ebenso wie der Kursanstieg - blieb jedoch den meisten Börsen-Fans in der EU vermutlich verborgen.

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