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Wirtschaft

Finanzkrise: Wer bezahlt die Milliarden-Abschreibungen?

Die globale Finanzkrise betrifft in Deutschland auch öffentlich-rechtliche Bankinstitute - dadurch droht die Last auch auf die deutschen Steuerzahler übertragen zu werden.

Skyline Frankfurt/Main (Quelle: AP)

Frankfurt am Main - das deutsche Finanzzentrum

Die globale Finanzkrise ist auch an den deutschen Banken nicht spurlos vorüber gegangen, viele Institute mussten und müssen Milliardenbeträge abschreiben – wie in den USA, wie in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Doch hierzulande sind auch öffentlich-rechtliche Institute betroffen, die man im Ausland in dieser Form gar nicht kennt.

Drei Säulen, drei Fragezeichen - Das deutsche Bankensystem

In der deutschen Bankenlandschaft sind im Laufe der Jahrhunderte drei verschiedenartige Säulen herangewachsen. Die privaten Geschäftsbanken sind nur eine Säule des deutschen Bankensystems. Mit dem obersten Ziel der Gewinnmaximierung bedienen sie alle Zielgruppen, Geschäfte und Regionen. Zu den fünf größten zählen die Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank, Postbank und Dresdner Bank - alle firmieren als Aktiengesellschaft.

Eine weitere Säule bilden die so genannten Kreditgenossenschaften. Als Selbsthilfeorganisation, vor allem in der Landwirtschaft und im Handwerk, entstanden die Volks- und Raiffeisenbanken. Mit 1250 Filialen stellen sie das flächendeckenste Filialnetz in Deutschland.

Logo der Sparkasse (Quelle: dpa)

Die staatlichen Banken sehen rot

Die dritte Säule bilden die staatlichen Banken - die Sparkassen. Diese erfüllen den öffentlichen Auftrag, den Mittelstand und die Bürger mit Krediten zu versorgen. Die Eigentümer sind Bund oder Länder. Die ebenfalls Staatlichen Landesbanken sind sowohl Dachinstitute der Sparkassen als auch Girozentrale zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs und Hausbank der Länder. Diese, staatliche, Säule des Bankensystems umfasst ungefähr 40 Prozent des gesamten deutschen Banksektors.

Pro und Contra - Banken in Besitz des Staates

Passanten vor der Zentrale der WestLB in Düsseldorf (Quelle: AP)

Zentrale der WestLB in Düsseldorf: Versorgungsanstalt für Landespolitiker?

Das System hat Vorteile und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, dass gleich zwei große Bankengruppen, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und die genossenschaftlichen Institute, in der Fläche vertreten sind und speziell den Mittelstand mit Krediten versorgen. Als problematisch werden aber mittlerweile die staatlichen Landesbanken empfunden. Diese seien, so Spötter, weniger die Dachinstitute der Sparkassen als Versorgungsanstalt für abgehalfterte Landespolitiker.

"Nicht ganz falsch", findet Manfred Jäger, Finanzexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Es sei in der Tat nicht einzusehen, warum es in Deutschland so viele Landesbanken gibt. Eine Zentrale würde die Aufgaben der Landesbanken viel besser gewährleisten.

Gerade die Landesbanken sind in der aktuellen Finanzkrise ins Gerede gekommen, BayernLB, WestLB, SachsenLB und andere mussten und müssen Milliardenbeträge abschreiben. Was zum Teil am System liegt: Wenn etwas schief läuft, müssen die Eigentümer, der Bund und die Länder, dafür geradestehen, nicht aber die Banker selbst.

Fördert das staatliche Auffangnetz also die Zockermentalität?

Genau das befürchten zumindest Kritiker und auch Manfred Jäger schließt eine solche Gefahr nicht aus. Diese Organisation der staatlichen Banken, "erzeuge natürlich die Gefahr, dass die Banken größere Risiken auf sich nehmen, als sie das eigentlich betriebswirtschaftlich machen würden, wenn sie wie ein normaler Mittelständler agieren müssten."

Soll der Steuerzahler solchen Zockern bei einer Schieflage aus der Patsche helfen? Ein Dilemma, räumt Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft ein. Doch die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren habe gezeigt, was passiert, wenn man Banken bei einer Schieflage nicht unter die Arme greift und sie bewusst pleite gehen lässt. Die Unternehmer bekämen notwendige Kredite nicht mehr, wären nicht mehr in der Lage Vorleistungsgüter zu kaufen und könnten dementsprechend keine Aufträge mehr annehmen. Es sei nicht klug die Banken untergehen zu lassen: man müsse sie allerdings stärker bewachen.

Mit anderen Worten: Banken müssen zwar besonders sorgfältig kontrolliert und beaufsichtigt werden – wenn aber trotzdem etwas schief läuft, müssen sie einen besonderen Schutz genießen. Sie dürfen nicht einfach Pleite gehen, weil das eine Kettenreaktion auslösen könnte. Und dann wären die Kollateralschäden vermutlich um ein Vielfaches höher als das, was der deutsche Steuerzahler jetzt für die Banken aufbringen muss.

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