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Wirtschaft

Finanzkrise: Große Verluste aber der "Himmel stürzt nicht ein"

Neue Schuldenzahlen der IKB schockieren die Finanzwelt. Der Staat muss teure Rettungspakete schnüren. Aber Meldungen wie diese haben den Aufschwung in Deutschland nicht verhindert. In den USA ist die Lage schlechter.

Ein junger Mann schaukelt. (Quelle: AP, Archivbild 21.07.2007)

Die wahren Folgen kann noch niemand absehen

Die schwer angeschlagene deutsche Mittelstandsbank IKB hat zusätzliche Belastungen eingeräumt und erwartet deshalb einen um 250 Millionen Euro höheren Verlust. Bei Portfolioinvestments, deren Verkauf vorübergehend ausgesetzt worden sei, seien weitere Abschreibungen fällig, teilte das von der US-Immobilienkrise gebeutelte Kreditinstitut am Donnerstag (20.03.2008) mit.

Im laufenden Geschäftsjahr dürfte der Konzernverlust nach Steuern rund 800 Millionen Euro betragen. Noch vor einem Monat hatte der Vorstand von 550 Millionen Euro gesprochen. Die IKB-Aktie wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Am frühen Nachmittag erholte sich das Papier in Frankfurt etwas und lag noch 7 Prozent im Minus.

Kein Gewinn in den nächsten Jahren erwartet

Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Für mehrere Geschäftsjahre würden voraussichtlich keine oder nur geringe Überschüsse im Konzern und in der IKB AG ausgewiesen, so die Geschäftsleitung der IKB.

Die Mittelstandsbank war im Zuge der US-Krise um Ramschkredite (Hypothekenkredite für private Bauherren mit geringer Kreditwürdigkeit) ins Trudeln geraten. Ende Juli 2007 sprang die staatliche KfW-Bankengruppe, die IKB-Hauptaktionär ist, mit einer Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zur Seite und übernahm auch 2,5 Milliarden Euro einer Risikoabschirmung.

24 Milliarden Euro könnten verbrennen

Mitte Februar erklärte sich der Bund bereit, über die KfW eine weitere Milliarde nachzuschießen, auch die Privatbanken sollten frisches Geld beisteuern. Im Falle eines Konkurses wären nach damaligen Angaben von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Einlagen im Volumen von 24 Milliarden Euro vom Verlust bedroht.

Die staatliche KfW-Bankengruppe hält indes am geplanten Verkauf ihrer Anteile an der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB fest, wie ein Sprecher am Donnerstag bestätigte. Die KfW hält gemeinsam mit einer Stiftung rund 50 Prozent der IKB-Anteile.

Belastete Weltkonjunktur

Börsentafel in Seoul. (Quelle: AP, Archivbild 22.01.2008)

Auch Asiens Märkte sind betroffen

In der ganzen Welt drückt die Finanzkrise auf die Märkte. Daher schraubte jetzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognosen für die USA und Europa in ihrem Zwischenbericht vom Donnerstag deutlich nach unten.

Das Wachstum in Nordamerika komme im zweiten Quartal zum Erliegen, heißt es in dem in Paris vorgelegten Ausblick. In der Eurozone werde die Wirtschaft im ersten und zweiten Quartal nur 0,5 und 0,4 Prozent zulegen. Im Dezember war die OECD noch von 1,8 und 1,9 Prozent Wachstum ausgegangen. "In der Eurozone wird das Wachstum langsamer gebremst als in den USA", schreiben die Experten. Und obwohl die Exportwirtschaft den Euro-Höhenflug bislang gut verkrafte, werde das Wachstum noch eine ganze Weile unter seinem Potenzial bleiben.

Für die USA hatte die OECD im Dezember noch ein Wachstum von 1,1 und 1,5 Prozent für die beiden ersten Quartale 2008 berechnet. Nun komme die Konjunktur nach einem Wachstum von 0,1 Prozent zum Jahresbeginn im zweiten Quartal zum Stillstand. "Es könnte zu früh sein, von einer Rezession zu sprechen, aber die Wirtschaftsflaute breitet sich schnell aus."

Aufschwung in Deutschland überdurchschnittlich

Nach Prognosen der OECD gewinnt allerdings der deutsche Aufschwung deutlich an Kraft. Im ersten Vierteljahr werde die Wirtschaft um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal wachsen und damit doppelt so schnell wie Ende 2007, teilte die OECD mit. Auch für das Frühjahr sagt sie mit 0,4 Prozent ein robustes Wachstum voraus. Damit lege Deutschland im ersten Halbjahr kräftiger zu, als der Euro-Raum. Die Aussichten für das Währungsgebiet seien insgesamt nicht schlecht. "Der Himmel stürzt nicht ein", sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov angesichts zunehmender Konjunktursorgen. (vem)

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