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Fußball

Finanzkrise erreicht griechischen Fußball

Schrumpfende Etats und verzögerte Gehälter, hohe Schulden und fehlende Zuschauer: Mit der Finanzkrise sind Griechenlands Fußballclubs in eine Abwärtspirale geraten. Dennoch gibt es Hoffnung.

Auf der Liste der lizenzierten Klubs die der griechische Fußball-Verband im Juni vergangenen Jahres bei der UEFA einreichte, fehlte ein Team: AEK Athen, der Club, der mittlerweile vom deutschen Trainer Ewald Lienen trainiert wird. Der Verband hatte dem neunmaligen Landesmeister wegen finanzieller Probleme die Lizenz für den Start in der Europa League entzogen. Stattdessen ersetzte für die Saison 2012/13 Asteras Tripolis, ein junger, ehrgeiziger Verein aus der Provinz, AEK auf internationaler Bühne. Damit hatte die griechische Schuldenkrise ihr erstes Opfer im heimischen Fußball gefunden. "Wir haben einen Schuldenstand von 35 Millionen Euro, 23 Millionen davon gehören dem Staat", gab Klubpräsident Andreas Dimitrelos damals offen zu. Es sei ein schwarzer Tag in der Geschichte von AEK.

Doch AEK Athen blieb nicht die Ausnahme. Neben dem hauptstädtischen Traditionsverein verstießen auch die Klubs Aris Saloniki, Panionios Athen, OFI Kreta, PAS Giannina und AO Kerkyra gegen das "Financial Fairplay" der UEFA. Die Folgen für die sechs hochverschuldeten Teams: Zwar gewährte ihnen der Verband die Teilnahme an der griechischen Super League, doch durften sie für die aktuelle Saison lediglich drei Spieler verpflichten, die älter als 24 Jahre sind. Auch der renommierte Hauptstadtverein Panathinaikos Athen blieb von der Finanzkrise nicht unberührt. Die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League schwebte lange Zeit in der Luft: Erst Ende Juni atmete man auf, als die UEFA endlich grünes Licht erteilte. Zudem sorgte der 20-malige Meister im vergangenen November ungewollt für weltweite Schlagzeilen: Als sich herausstellte, dass er große Schwierigkeiten hatte, die Stromrechnungen für das Olympiastadion zu bezahlen. Um wenigstens die Zusatzkosten für das Flutlicht zu sparen, bat der Präsident der Stadion-Betreiberfirma die Verantwortlichen der Super League damals, die Spiele von Panathinaikos tagsüber austragen zu lassen.

Rapider Rückgang

Ein Blick auf die Transferausgaben der griechischen Liga im internationalen Vergleich führt einem die finanziellen Probleme der 16 Super-League-Teams deutlich vor Augen. Laut dem Internetportal "transfermarkt.de" gab die griechische Super League in der aktuellen Spielzeit bisher lediglich 5,7 Millionen Euro für neue Spieler aus. 2008/09 waren es noch 58,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: In der laufenden Saison investierten die Clubs der englischen Premier League 775,8 Millionen und die deutschen Bundesliga-Vereine 288,4 Millionen Euro in Neuverpflichtungen. Ernüchternd ist auch die Statistik, die die Sportzeitung "Goal News" zu Beginn der Saison veröffentlichte: Das Budget von Panathinaikos sank um 30 Prozent, das von AEK um 65 und das von Panionios sogar um 81,15 Prozent.

Anders als in anderen Ländern sind keine finanzstarken Investoren aus dem In- oder Ausland als Retter in Sicht. Noch gravierender ist die Lage in der zweiten und dritten griechischen Spielklasse: Die Vereine sind allesamt abhängig vom staatlich geführten Lotto- und Sportwettenanbieter OPAP, da es ihnen nicht erlaubt ist, andere Einnahmequellen zu suchen. Als dieser aufgrund der anhaltenden Randale im griechischen Fußball Ende der Saison 2010/11 die Sponsoren-Zahlungen stoppte, sahen sich die Zweit- und Drittligisten ein halbes Jahr später außerstande elementare, laufende Kosten zu decken. So waren die Fußballer nur noch für die Ligaspiele versichert, nicht aber für die Trainingseinheiten. Erst als die Spieler daraufhin in einen Streik traten, kam es zu einer Einigung zwischen der Liga-Organisation und der Spielervereinigung (PSAP).

Keine Gehälter – keine Stars

Steckt ein Klub in finanziellen Schwierigkeiten, sind in der Regel die ersten Leidtragenden die Spieler. Ausbleibende Lohnzahlungen sind nichts Neues im griechischen Sport. Doch mit der Schuldenkrise hat sich diese Problematik verschärft. Laut der internationalen Spielervereinigung FIFPro erhalten in Griechenland zwei Drittel der Spieler ihr Gehalt verspätet; Viele müssen sogar länger als sechs Monate warten. Einige Spieler scheinen daher Sportwetten als lukrative Einnahmequelle für sich entdeckt zu haben: Auch der griechische Fußball wurde von einem Wettskandal erschüttert. Nach dem Ende der Saison 2010/11 mussten die Mannschaften Olympiakos Volou und AO Kavala wegen Verstrickungen in Spielmanipulationen zwangsweise absteigen.

Djibril Cissé im Trikot von Panathinaikos Athen (Foto: dpa)

Spielte zwei Jahre für Panathinaikos: Djibril Cissé

Und auch die spielerische Qualität der Liga leidet unter der wirtschaftlichen Krise. Allein in der Wintertransferperiode 2013 verließen vier griechische Nationalspieler die Heimat: Vasilis Torosidis (AS Rom), Nikos Spyropoulos (Chievo Verona), Lazaros Christodoulopoulos (FC Bologna) und Loukas Vyntra (UD Levante). Der Wechsel von griechischen Spielern ins Ausland ist an sich nichts Neues. Neu ist jedoch, dass manche von ihnen ihr Glück in "exotischen" Fußball-Ländern wie Russland, Ukraine, Rumänien, Ungarn, Aserbaidschan, Bulgarien, Slowenien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten suchen, statt für einen Club in der Heimat zu spielen. Zudem hat der in Griechenland erhöhte Steuersatz dazu geführt, dass ausländische Spieler internationalen Formats nicht mehr verpflichtet oder ausgeliehen werden können: Die Zeiten, in denen internationale Stars wie Djibril Cissé, Gilberto Silva, Sidney Govou, Rivaldo oder Yaya Touré die griechische Liga bereicherten, sind vorbei.

Doch ob mit oder ohne Stars – die meisten Fans können sich die Eintrittspreise ohnehin nicht mehr leisten und bleiben somit den Spielen fern. Dies wiederum bringt weniger Geld in die Kassen der Vereine – ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist. Zwar hatten die Vereine stets mit niedrigen Zuschauerzahlen zu kämpfen, doch lag der Durchschnitt wesentlich höher als in der aktuellen Spielzeit. In der Saison 2008/09 pilgerten noch 7.534 Besucher pro Spiel in die Arenen – aktuell liegt der Schnitt bei 4.653.

Die Krise als Chance

Es mag verwundern, doch die Krise birgt auch Entwicklungspotenzial für den griechischen Fußball. Gerade die Tatsache, dass vielen Vereinen für Transfers nur noch wenig Geld zur Verfügung steht, eröffnet die Möglichkeit nun vermehrt auf junge, einheimische Spieler zu setzen. Für Förderung der eigenen Talente hat sich jüngst auch Fernando Santos ausgesprochen, der portugiesische Nationaltrainer Griechenlands. Auf einem internationalen Fußball-Kongress Ende Januar in Athen schlug er unter anderem die Durchführung einer U-15-Meisterschaft vor.

Georgios Sarris, seit Oktober letzten Jahres Präsident des griechischen Fußballverbands (EPO), hat den Plan, eine Schuldenbremse für den einheimischen Fußball einführen - mit der Super League, EPO und gegebenenfalls dem Staat als Kontrollorganen. Verstößt ein Klub gegen diese Finanzpolitik, wird er mit Sanktionen zu rechnen haben. Priorität habe die ordnungsgemäße Auszahlung der Spielergehälter. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob es sich bei seinem Programm nur um leere Floskeln oder tatsächlich um die Rettung des griechischen Fußballs handelt. Der Wille und die Notwendigkeit, etwas zu ändern, ist jedenfalls vorhanden. So sagt Giannis Moralis, der Präsident der Super League: "Es hängt allein von uns ab, ob wir aus dieser Krise als Sieger hervorgehen."

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