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Wirtschaft

Finanzinvestoren wieder auf dem Vormarsch

"Super-Return", also "Super-Rendite": So nennt sich das wohl wichtigste Treffen der Private Equity-Branche in Berlin. Deutsche Kapitalbeteiligungsgesellschaften mögen es seriöser, suchen aber auch nach neuen Deals.

Ein Mitarbeiter des insolventen CD- und DVD-Werks in Dassow (Nordwestmecklenburg) zeigt während einer Demonstration ein Plakat mit dem Bild einer durchgestrichenen Heuschrecke. Die Beschäftigten befürchten die Übernahme des Betriebs durch Finanzinvestoren und damit verbunden die Schließung des Unternehmens (Foto: dpa)

Symbolbild Heuschrecke Finanzinvestoren

Wenn man Matthias Kues, den Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) auf den Begriff "Heuschrecke" anspricht, dann reagiert er gelassen. Dem Image habe der Vergleich zwar geschadet, er habe die Branche aber auch bekannter gemacht. "Die Diskussion schadet immer noch in dem Augenblick, wo vieles durcheinandergeworfen wird", ergänzt er. Selbst in der SPD, der Partei, in der der Vergleich mit der Heuschrecke 2005 geboren worden sei, könnten noch heute prominente Vertreter Private Equity nicht von Hedgefonds unterscheiden.

Kues gibt sich aber auch selbstkritisch. "Ich glaube, dass sich unsere Branche zu wenig erklärt." Zu diskret, zu unerfahren mit den Medien, lauten die Stichworte. Die Branche müsse offener werden. "Sie muss die positiven Beispiele erzählen, und wenn es negative Beispiele gibt, dann müssen wir auch dazu stehen und sagen, ja es ist schiefgegangen, aber woanders gehen Investitionen auch schief."

Attraktiver Mittelstand

Rund 1.200 Unternehmen in Deutschland sind 2012 mit Beteiligungskapital finanziert worden. Mit 5,84 Milliarden Euro erreichten die Investitionen allerdings nicht ganz das Niveau von 2011, der Rückgang betrug rund sechs Prozent. Der Großteil entfiel auf Mehrheitsbeteiligungen, die sogenannten buy-outs. Für 2013 ist die Branche optimistisch. Dank verbesserter Finanzierungsbedingungen werde es sicherlich auch wieder mehr große Übernahmen in Deutschland geben, so Kues.

Eine Hand versprueht in einer Fotoillustration in einer Filiale der Parfuemerie Douglas vor dem Schriftzug Douglas Parfuem aus einem Flacon. Foto: Michael Gottschalk/dapd

Milliardendeal: Die Übernahme des Handelskonzerns Douglas durch den Finanzinvestor Advent

Aber auch mittelständische Familienunternehmen geraten weiter in den Fokus der Investoren. 2012 stiegen die Minderheitsbeteiligungen auf 779 Millionen Euro. Dieser Bereich wird absehbar wachsen, wenn mit dem Abklingen der Finanzkrise ohnehin anstehende Unternehmensnachfolgen auf den Markt drängen.

Den Exit im Blick

Er werde, so sagt Matthias Kues, gelegentlich gefragt, warum ein Mittelständler eigentlich an einen Finanzinvestor verkaufen soll. "Das sind ja die Heuschrecken, die die Braut nur noch aufhübschen, um sie dann zu filetieren, oder was es noch für martialische Beispiele gibt. Ich sage immer, wenn die Braut nach der Hochzeit hübscher wird, hat erstens keiner etwas dagegen einzuwenden und zweitens käme im praktischen Leben niemand auf die Idee, sie zu filetieren." Wenn ein Finanzinvestor ein mittelständisches Unternehmen kaufe, dann biete das ein Höchstmaß an Gewähr dafür, dass dieses Unternehmen im Kern erhalten bleibe.

Was keineswegs der Fall sei, so Kues, wenn ein großes Industrieunternehmen als Käufer auftrete. Da würden mit Blick auf Synergieeffekte viel eher ganze Bereiche aufgelöst. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Finanzinvestoren sind selten an langfristigen Investitionen interessiert. In der Regel haben sie schon beim Kauf den im besten Fall gewinnbringenden Ausstieg, den sogenannten Exit im Blick.

So erwarten dreiviertel der im BVK organisierten Kapitalbeteiligungsgesellschaften für 2013 eine Zunahme der Unternehmensverkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften. "Bei börsennotierten Unternehmen, da kauft fast stündlich ein Finanzakteur von einem anderen. Wenn bei Private Equity nach fünf Jahren mal jemand Anteile von einem anderen kauft, dann sind wir im Vergleich mit Public Equity, also verbrieften Anteilen an börsennotierten Gesellschaften, nicht besonders hektisch." Die Branche könne perspektivisch ihr Geschäftsmodell allerdings nicht darauf aufbauen, dass sie einen buy-out hinter den anderen hänge, warnt der BVK-Vorstand.

Wagniskapital ist in Deutschland schwer zu finden

Bei der Suche nach frischen Unternehmen spielen Startups in Deutschland allerdings nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle. Investitionen im Bereich des Venture Capital hätten sich 2012, wie der BVK formuliert, auf einem "weiterhin bedenklich sinkenden Kurs" befunden. Mit 521 Millionen Euro wurde das Vorjahresergebnis um ein Viertel verfehlt. Wenn Wagniskapital nach Deutschland fließe, dann vor allem nach Berlin, meint BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs. US-amerikanische Fonds würden ganz gezielt dort investieren. "Also dieses Silicon Valley in Berlin, da bin ich auch optimistisch, dass wir da Auftrieb bekommen. Nicht umsonst haben auch Fonds wie beispielsweise der Frühfinanzierer Early Bird ihre Teams aus Hamburg abgezogen und ihre Büros in Berlin eröffnet."

Doch nicht nur junge Berliner Internetfirmen ziehen Geld aus dem Ausland an. Deutschland galt schon in der Krise im weltweiten Vergleich als sicherer Anlagehafen. Mit dem Abklingen der Finanz- und Wirtschaftskrise wird sich diese Entwicklung verstärken. Kein anderes Land in Europa, so heißt es beim BVK, sei für die internationalen Finanzinvestoren attraktiver.

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