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Wirtschaft

Finanzguru vor dem Kadi

Der US-Spekulant George Soros ist in Paris wegen Insiderhandels zu 2,2 Millionen Euro Strafe verurteilt worden. Die Affäre liegt 14 Jahre zurück. Mitangeklagt: französische Ex-Spitzenpolitiker und Manager.

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George Soros: Multimilliardär, Spekulant, Philanthrop

Paris, 1988: Eine Handvoll Insider versuchen, den Versicherungskonzern Société Générale zu übernehmen. Darunter der gebürtige Ungar George Soros und drei französische Spitzenmanager mit einem "Händchen für die Politik": Charles Naouri, Jean-Pierre Peyroud und Samir Traboulsi. Doch die Übernahmeschlacht scheitert. Übrig bleibt ein Skandal von höchster Brisanz: Die Pariser Regierung - damals unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand - soll den Übernahmeversuch eingefädelt haben.

So fing alles an

Voller Ärger hatte der machtbewusste Mitterrand 1987 mit ansehen müssen, wie sein gaullistischer Widersacher Jacques Chirac als Premierminister Anteile der Société Générale (SG) verscherbelte - an einen "harten Kern" von Chirac-treuen Großanlegern. Als der politische Wind 1988 gedreht hatte, fackelte Mitterrand nicht lange. Finanzminister Bérégovoy, sein einstiger Generalsekretär im Elysée-Palast, und einige Schattenmänner sollten das Bankhaus unter den Einfluss der Sozialisten bringen.

In aller Heimlichkeit suchte die Pariser Linksregierung potente Geldgeber, welche die damals auf umgerechnet rund drei Milliarden Euro taxierte Bank übernehmen konnten. Wer mitmachte, konnte auf Einfluss bei Mitterrand und eine hübsche Stange Geld hoffen. George Soros soll über seinen Investmentsfonds Quantum allein mehr als zwei Millionen Dollar eingestrichen haben. Offiziell hatte Soros indes abgewinkt, als ihn Naouri - damals bereits selbst aus dem Finanzministerium auf die Seite der Spekulanten gewechselt - um Hilfe gebeten hatte.

Der Plan scheitert

Die Pariser Finanzaufsicht stoppte die Transaktionen, als der als neuer Bankchef vorgesehene Manager Georges Pébereau im Oktober 1988 mehr als ein Zehntel des SG-Kapitals hinter sich bringen wollte. Der damalige Chef der Société Générale, Marc Viénot, wunderte sich laut, wieso die öffentlich-rechtliche Caisse des Dépôts et Consignations in einer Pébereau-Firma fast ein Drittel der Anteile hielt.

Viénot war selbst unter Premier Chirac und dessen Finanzminister Edouard Balladur auf seinen Posten gehievt worden. Er hatte den Plan gerochen. Zudem waren auch noch die Börsen-Umsätze mit dem Bankentitel zu auffallend in die Höhe geschnellt. Der Skandal rief die Medien, die konservative Opposition und die Pariser Börsenaufsicht auf den Plan. Im September 1989 leitete die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein, die erst im Februar 2000 abgeschlossen wurden.

14 Jahre gehen ins Land ...

Soros, die graue Eminenz unter den Kapitalisten, ist inzwischen 72 Jahre alt. Neben Soros sitzt auch Charles Naouri, Ex-Kabinettschef des damaligen Finanzministers Pierre Bérégovoy, mit auf der Anklagebank. Der superreiche Ex-Chef der Bank Rivaud, Jean-Pierre Peyraud, muss wegen seines hohen Alters von inzwischen 88 Jahren nicht mehr selbst auf der Anklagebank Platz nehmen. Bleibt noch der libanesische Finanzier Samir Traboulsi übrig.

Die Rolle Bérégovoys kann wohl nie mehr ganz geklärt werden. Der Sozialist, der nach seinem Dienst als Finanzminister noch kurz und unglücklich als Premierminister amtierte, nahm sich am 1. Mai 1993 das Leben. Er hatte sich wegen einer anderen Affäre in die Enge getrieben gesehen: Ein Freund von Mitterrand hatte ihm zinslos eine Million Franc für den Kauf eines Appartements geliehen.

Georges Soros wird wohl für die Verwicklung in die Insider-Geschäfte eine Strafe von 2,2 Millionen Euro zahlen müssen. Das beantragte zumindest die Pariser Staatsanwaltschaft im laufenden Prozess. Das ist exakt die Summe, die Soros durch die Aktienkäufe und -verkäufe unrechtmäßig eingestrichen haben soll. (afp/arn)