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Kultur

Finale! Muss das sein?

Unverhofft sind die Deutschen in das Finale eingezogen. Der Sekt ist kalt gestellt. Das Spiel wird mit Spannung erwartet. Oder?

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Endspiel. Gegen Brasilien. Na und? Von kollektiver Begeisterung vor dem WM-Finale zwischen Deutschland und Brasilien kann keine Rede sein. Auf den ersten Blick mag das verwundern – haben die Deutschen doch zum ersten Mal seit 1990 wieder den Sprung in ein Finale geschafft. Doch der Siegeszug von Abfangjägern wie Linke, Metzelder und Hamann sowie dem inzwischen als "Torwart-Titan" hochgelobten Kahn sorgt eher für ein kollektives Achselzucken in Fußball-Deutschland.

Sicher: Die Bild-Zeitung jubelt schon und ruft: "Macht’s noch einmal!". Die Großbildleinwände sind bundesweit ausgebucht, Flaggen verkaufen sich bestens – doch den Sekt hat bisher kaum jemand kalt gestellt. Selbstbewusstsein? Keine Spur. Deutschland als Weltmeister? Muss das sein?

Der Grund für die deutschen Selbstzweifel ist klar: Nach den Pleiten der letzten Jahren (1994: ausgeschieden gegen Bulgarien! 1998: raus gegen Kroatien! EM 2000: Das peinliche Aus schon in der Vorrunde) hat der deutsche Fußball selbst in Deutschland soviel Kredit wie ein derzeit berüchtigtes US-amerikanische Telekom-Unternehmen. Stichwort: Vertrauensverlust. Spätestens seit dem deprimierenden 1:5 gegen England in der WM-Qualifikation ist der Nimbus der deutschen Unschlagbarkeit dahin – zumindest bei den Fans.

Dabei haben Kahn&Co bei dieser WM alles getan, um den zweifelhaften Ruf der deutschen Kicker wieder zu festigen. Schlecht spielen und dann doch gewinnen, das ist bei dieser WM einmal mehr die Devise. "Wir müssen mehr Fußball spielen", lautet der Standard-Spruch von Trainer Völler, wenn sein Team in Japan und Korea in den letzten Tagen wieder einmal einen knappen Sieg herausgeholt hat. Aber es fehlt einfach der kreative Funke, um die zu oft müden Fußball-Malocher in Schwung zu bringen.

Fazit: Mit dem Finale sind die Deutschen gut bedient. Bleibt nur die Sorge, dass am Sonntag das passiert, was die internationale Fußball-Szene insgeheim befürchtet: Rudis Riesen erwischen einen guten Tag, Ronaldo und all die anderen (bisher auch nicht immer überzeugenden) brasilianischen Edelkicker verzweifeln an Kahns Reflexen und am Ende jubeln die Deutschen.

Bleibt also die Hoffnung auf den Fußball-Gott – und der wird schon dafür sorgen, dass die Fußballwelt nicht aus den Fugen gerät. Dass hätte auch aus deutscher Sicht einen Vorteil: Ohne die Bürde, mit einer mittelmäßigen Mannschaft Weltmeister geworden zu sein, können sich die Deutschen in Ruhe auf die WM 2006 vorbereiten. Die findet in Deutschland statt und dann sind Völler und seine Jungs sowieso die Favoriten.

  • Datum 28.06.2002
  • Autorin/Autor Holger Hank
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2S2j
  • Datum 28.06.2002
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