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Wissen & Umwelt

'Final Countdown' für letztes Space Shuttle

Nach 30 Jahren und 135 Flügen ist Schluss. Wenn das Wetter mitspielt, wird an diesem Freitag zum letzten Mal ein Space Shuttle starten. Dann geht es ab ins Museum. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Space Shuttle Atlantis (Foto: AP)

"Atlantis": Jungfernflug 1985, letzter Flug 2011

Ein letztes Mal bekommt die Internationale Raumstation Besuch von einem amerikanischen Raumgleiter. Zwei Tage nach dem Start wird die Atlantis an der ISS andocken, um noch einmal Ersatzteile und Verpflegung zu bringen. Zwölf Tage soll die Mission zur Internationalen Raumstation ISS insgesamt dauern. Nach der Landung wird die Atlantis wie bereits ihre Schwesternschiffe Endeavour und Discovery für den Transport ins Museum vorbereitet.

Chris Ferguson, der Kommandant der STS-135, wie die Mission bei der NASA heißt, hat sich seit Monaten auf diesen Flug vorbereitet. Dazu gehörte auch das Training des Andockmanövers im NASA-Hauptquartier in Houston. Ferguson und die drei weiteren Crew-Mitglieder sind erfahrene Astronauten, für Ferguson ist es der dritte Shuttle-Flug.

"Wir sind erst einmal damit beschäftigt, diese Mission erfolgreich abzuschließen", erklärt er in Houston im Shuttle-Simulator. Sentimental werde man wohl erst werden, wenn die Raumfähre wieder auf der Erde gelandet sei und "der letzte Astronaut, der ein Space Shuttle geflogen ist, aus dem Raumgleiter auf die Landebahn krabbelt und das Shuttle seinen Platz in der Geschichte einnehmen wird". Doch bis dahin wartet noch eine Menge Arbeit auf Ferguson und seine Crew.

Bemannte US-Raumfahrt in der Schwebe

Vier Astronauten - drei Männer, eine Frau - das ist eine relativ kleine Besatzung, die dadurch viel zu tun hat. Doch die NASA hat sich mit Absicht auf Chris Ferguson, Doug Hurley, Sandra Magnus und Rex Waldheim beschränkt. Denn wenn etwas schief geht, müssen die vier mit den russischen Sojus-Raketen wieder zur Erde zurückkehren - und das kann auch bei vier Leuten bis zu einem Jahr dauern. Denn die Amerikaner haben kein Nachfolge-Programm für die Shuttles.

Stephen Gauvain (Foto: Christina Bergmann)

Stephen Gauvain

Tausende Angestellte des Shuttle-Programms werden deswegen entlassen. Auch für Stephen Gauvain, der Fergusons Crew in Houston trainiert hat, ist die Zukunft ungewiss. Es sei eine Schande, sagt er, dass die Amerikaner für viele Jahre kein bemanntes Raumfahrtprogramm mehr haben werden. Aber wie so viele NASA-Mitarbeiter hofft er, dass seine Fähigkeiten weiter gebraucht werden: "Ich glaube, es ist mein Job und der aller NASA-Mitarbeiter, dafür zu sorgen, dass wir einen neuen Weg finden, um so schnell wie möglich in der Lage zu sein, unsere Crews wieder selbst ins All zu bringen."

Astronauten-Veteranen üben scharfe Kritik

Andere sind weniger zurückhaltend angesichts der Tatsache, dass die USA bis mindestens 2015 darauf angewiesen sind, Plätze für die eigenen Astronauten in den russischen Sojus-Raketen zu kaufen. In der Zeitung "USA Today" schrieben sich vor kurzem drei Astronauten-Veteranen den Frust von der Seele. Amerikas Führungsrolle in der Raumfahrt sei gefährdet, meinten Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, und zwei seiner Kollegen des "Apollo"-Programms. Es gebe keinen klar umrissenen Auftrag, keine Strategie und keine Rakete für die bemannte Raumfahrt. Ihr Fazit: "Nach einem halben Jahrhundert bemerkenswerten Forschritts ist kein schlüssiger Plan erkennbar, um Amerikas führende Stellung in der Raumfahrt aufrecht zu erhalten."

US-Präsident Obama hatte 2010 den Etat der Regierungsorganisation NASA drastisch gekürzt und damit das ursprünglich geplante "Constellation"-Programm faktisch beendet. Damit wollte die NASA wieder zum Mond, zum Mars und dann in unbekannte Weiten aufbrechen. Jetzt heißt die Devise: die NASA sucht Wege, um tiefer ins All vorzustoßen und auch schwere Lasten dorthin zu transportieren, den Transport der Astronauten zur ISS will man kommerziellen Unternehmen überlassen. Die arbeiten jetzt an der Entwicklung entsprechender Raketen.

Space Shuttle Atlantis auf dem Weg zur Startrampe 39A (Foto: NASA)

Künftig sind die USA auf russische oder privat betriebene Raumschiffe angewiesen

NASA-Chef optimistisch

NASA-Chef Charles Bolden gibt sich optimistisch. Er erklärte Anfang Juli im Presseclub in Washington, Amerika werde noch mindestens 50 Jahre führend in der Raumfahrt sein. Der Präsident habe der NASA den Auftrag gegeben, sich auf das große Ganze zu konzentrieren: "Er hat uns herausgefordert, die Missionen auszuführen, die uns weiter bringen, als wir jemals geflogen sind: den Mars zu umrunden und schließlich auf ihm zu landen." Obama forderte die NASA auf, eine Mission zu einem Asteroiden zu planen. Tatsächlich nähert sich gerade die Raumsonde "Dawn" einem der größten Asteroiden des Solarsystems, "Vesta". Dessen Umlaufbahn soll Mitte des Monats erreicht werden, so Bolden.

Die Startrampe 39A auf dem Kennedy Space Center in Florida, auf der die Atlantis auf den letzten Countdown wartet, wird dennoch erst einmal eingemottet werden. Der 57-jährige Stephen Bulloch, der für den reibungslosen Ablauf der Vorbereitungen auf der Rampe zuständig ist, sorgt auch dafür, dass die Rampe dann bereit gehalten wird für die nächste Rakete, wie auch immer sie aussehen wird. Die NASA, sagt er, hat darin schon Erfahrung. In den 70er Jahren, als das Apollo-Programm beendet wurde, ging man auch erst einmal in Wartestellung. Bis die Space Shuttles kamen. Und dann baute man auf dem auf, was vorhanden war.

Deutsche Ingenieurskunst hat sich bewährt

Stephen Bulloch unterhalb des Space Shuttles Atlantis (Foto: Christina Bergmann)

Stephen Bulloch wirft einen wehmütigen Blick in die Startrampe

"Vieles von dem, was Sie hier auf der Startrampe sehen, geht noch auf das Apollo-Programm zurück", erklärt Bulloch. Wernher von Braun und andere deutsche Ingenieure hätten damals das Konzept dafür entwickelt, wie man ein sehr schweres Fluggerät zum Mond und zurück bringt. "Das Shuttle-Konzept wurde darauf aufgebaut", fährt er fort.

Bulloch ist sich sicher: Was auch immer nach den Shuttles kommt, auf die Erkenntnisse der deutschen Raumfahrtspezialisten wird man auch dann wieder zurückgreifen. Doch die Space Shuttles sind nicht so leicht zu ersetzen: Sie können schwere Lasten nicht nur zur ISS bringen, sondern auch wieder zur Erde zurücknehmen. Das sollen in Zukunft eben andere Raketen leisten. Die Besatzung fliegt dann getrennt von der Ladung, so das Konzept. Das sei sicherer und preiswerter. In ein paar Jahren soll es soweit sein. Die Internationale Raumstation, die eigentlich 2015 verschrottet werden sollte, gibt es dann jedenfalls noch. Ihre Lebensdauer wurde vor kurzem bis 2020 verlängert.

Autorin: Christina Bergmann, Washington
Redaktion: Fabian Schmidt / Christian Walz