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Kultur

Filmpremieren im Internet

Bisher haben kostenlose Musik-Tauschbörsen wie Napster die Musikindustrie in Aufregung versetzt. Nun muss die Filmindustrie fürchten, dass Kinohits ihre Premiere im World Wide Web anstatt auf der Leinwand feiern.

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Fans können Ihre Lieblingshelden aus dem Netz herunterladen

Ganz ungeduldige Fans konnten schon vor dem Start der heiß ersehnten "Star Wars"-Fortsetzung "Angriff der Klonkrieger" dank erster Raubkopien im Internet über Lichtschwerter und die dunkle Seite der Macht diskutieren. Denn obwohl das Weltraum-Abenteuer weltweit erst an diesem Donnerstag (16. Mai 2002) anläuft, tauchten schon eine Woche vor dem Filmstart die ersten Kopien in einschlägigen Internet-Foren auf.

Die Filmbranche beobachtet das Treiben in den Internet-Tauschbörsen vorerst gelassen und richtet ihr Hauptaugenmerk weiter auf die Verfolgung klassischer Raubkopierer. Juristisch befindet sich der Internet-Filmfan in einer Grauzone, da eine entsprechende EU-Richtlinie noch nicht umgesetzt ist.

Mit dem Camcorder ins Kino

Der neueste Teil von Star Wars ist nach einem Bericht der Zeitung "Los Angeles Times" offenbar bei einer Privatvorführung mit einer digitalen Videokamera direkt von der Leinwand abgefilmt worden und hat so den Weg ins Internet gefunden.

Die "Diebe" kämen überwiegend aus der eigenen Branche, sagt Jan Scharringhausen, Justitiar der von der Filmindustrie getragenen Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU). "Beim Abfilmen sind häufig unsere eigenen Mitarbeiter am Werk, von den Leuten im Synchron-Studio bis zum Filmvorführer, der während des Films seine kleine Digitalkamera auf dem Stativ mitlaufen lässt." Auch der derzeitige US-Kassenschlager "Spider Man" sei bereits vor dem Start als Kopie im Internet in Umlauf gewesen. "Doch so weit wie unsere Kollegen in den USA, die Leibesvisitationen vor Pressevorführung durchführen, sind wir noch nicht", sagt er.

Napsters Nachfolger bieten mehr als nur Musik

Aktuelle Tauschbörsen kommen im Gegensatz zu ihrem Urvater Napster ohne einen zentralen Server aus und basieren auf der so genannten "Peer to Peer" (P2P)-Technik, bei der jeder Computer jeweils nur zu seinen direkten Nachbarn (Peers) Verbindung hält, die ihn wiederum zu ihren eigenen Nachbarn weiterleiten.

Ein Film-Download, der früher noch mehr als einen Tag dauerte, ist heute bereits in wenigen Stunden erledigt. Dies hängt mit der zunehmenden Verbreitung von schnellen Breitband-Anschlüssen und dem Komprimierungsverfahren DivX zusammen, das einen Spielfilm in guter Qualität auf das Format einer CD schrumpfen lässt.

Filmindustrie wartet vorerst ab

"Die Film-Tauschbörsen bereiten uns derzeit kaum Kopfzerbrechen, das hat noch keine kritische Masse", sagt GVU-Justitiar Scharringhausen. Vielmehr nehme die GVU die althergebrachten Formen der auf dem Flohmarkt oder per Zeitungsinserat feil gebotenen Raubkopien ins Visier. Allerdings habe die GVU derzeit auch gar keine Handhabe, um P2P-Börsen juristisch beizukommen. "Die warten auf die Umsetzung der neuen EU-Copyright-Richtlinie im Herbst, so lange agieren P2P-Nutzer in einer rechtlichen Grauzone", sagt er.

Bis dahin dürfte ein Film-Download auch mit der langsamsten Internet-Verbindung geklappt haben. Wenn nicht, kann man ja immer noch einfach ins Kino gehen.

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