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Filme

Filmpreis: ein Oscar für Zusammenarbeit

Was in der Politik oft nicht klappt, können die Filmemacher in Europa bestens: zusammenarbeiten. Das zeigt auch der aktuelle Gewinner des Europäischen Filmpreises. "The Ghost Writer" ist gelungener europäischer Pudding.

Junger Mann sitzt vor Bungalowfenster und liest - Szene aus dem Film The Ghostwriter (Foto: Kinowelt)

"The Ghost Writer"

Es sieht düster aus: Griechenland hängt am Finanztropf, Irlands Banken haben kein Geld, Portugal steht am Abgrund. Die Europäische Union streitet sich über die beste Strategie um aus dem Finanzdilemma herauszukommen. Frankreich und Deutschland stehen den vielen kleinen EU-Staaten konfrontativ gegenüber. An allen Ecken und Enden scheint die Krise durch.

Doch Halt! Die Kultur, speziell das Kino, zeigt, wie man´s macht. Die europäischen Filmpreise haben am Wochenende mal wieder ein kraftvolles Zeichen in Sachen Zusammenhalt gesetzt. Ein Zeichen auch, dass anzeigt, wie es gehen kann mit einer erfolgreichen, praktischen Kooperation innerhalb des Staatenbundes. Da kann Hollywood längst nicht mehr über den "Euro-Pudding" lästern, wie es das gerne tut.

Junge und sein vater auf einem Waldweg - Szene aus dem Film BAL (Verleih/Berlinale)

Die türkisch-deutsche Co-Produktion "Bal" war auch nominiert.

Unter den vielen nominierten und ausgezeichneten Filmen gab es kaum ein Werk, das unter der Rubrik "Produktion" nur einen Ländernamen führte. In der wichtigsten Kategorie "Bester Film" waren unter anderem nominiert: eine deutsch-türkische Produktion, eine französisch-deutsch-britische, eine spanisch-argentinische, sowie ein israelisch-deutsch-französischer Film. Gewonnen hat schließlich "The Ghost Writer" von Regisseur Roman Polanski. Den Film hat also ein in Frankreich und Polen aufgewachsener Regisseur gedreht, der inzwischen in der Schweiz lebt. Sein Film entstand mit Geldern aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien, gedreht wurde er vor allem in den Babelsberger Studios, an der Ostsee und auf Sylt. In den Hauptrollen sind ein Schotte und ein Ire zu sehen.

Co-Produktionen in Europa gibt es schon seit Jahrzehnten. In den 80er und 90er Jahren verspottete man Filme, die von Produzenten aus verschiedenen europäischen Ländern finanziert wurden wenig schmeichelhaft als "Euro-Pudding-Filme". Zeigten diese doch außer einer guten Ausstattung meist wenig. Es waren gesichts- und identitätslose Filme, deren ganze Kreativität bei der Suche nach Produzentengeldern und Fördertöpfen auf der Strecke geblieben war.

Panzer und Sonnenblumenfeld - Szene aus dem Film Lebanon (Foto: Verleih/Central Film)

Ging für drei Länder ins Rennen um den Europäischen Filmpreis: "Lebanon".

Das ist heute anders. Der für den europäischen Filmpreis nominierte deutsch-türkische Film "Bal", der im Februar bei der Berlinale den Goldenen Bären gewann, erzählt eine spezifisch türkische Geschichte, wurde aber eben mit deutschen Geldern finanziert. Dass die Türkei noch nicht Mitglied der EU ist, spricht nicht gegen die These einer inzwischen überall praktizierten guten Zusammenarbeit im Euroland. Das gleiche gilt für den nominierten Film "In ihren Augen", bei dem spanisches Geld in eine argentinische Geschichte floss. Oder auch für das beeindruckende Antikriegsdrama "Lebanon", bei dem deutsche und französische Produzenten einen israelischen Regisseur unterstützten. Der Siegerfilm "The Ghost Writer" soll zwar in den USA spielen, wurde aber so perfekt in Europa umgesetzt, dass man nicht den Eindruck bekommt, hier hätten sich viele europäische Köche an einem Pseudo-Hollywood-Gericht versucht.

Wenn Produzenten, Regisseure, Autoren und auch die europäischen Förderinstitutionen an einem Strang ziehen und ihre nationalen Eitelkeiten hinten anstellen, dann kommen solche Ergebnisse heraus - beim Film, im Kino. Das sollte in der Politik auch möglich sein.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Marlis Schaum



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