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Kultur

Filmisches Denkmal für Alan Turing

Er war ein mathematisches Ausnahmetalent, gilt heute als Urvater der Computertechnologie und half beim Sieg der Allierten im Zweiten Weltkrieg. Der Film "The Imitation Game" erzählt das Leben des wenig bekannten Genies.

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Die Geschichte der Enigma

England in den 1930er Jahren: Ein junger britischer Mathematiker hat ein Verfahren entwickelt, mit dem als bisher unknackbar geltende Codes entschlüsselt werden können. Alan Turing ist keine 30 Jahre alt, als er vom britischen Geheimdienst rekrutiert wird. Die Agenten haben nämlich eine der Chiffriermaschinen der Nazis erbeutet: Enigma, ein Gerät, das aussieht wie eine Art Schreibmaschine und Codes mit Trilliarden Verschlüsselungsmöglichkeiten generieren kann. Diese Enigma-Codes gelten als absolut sicher. Jedoch nicht vor Alan Turing. Zusammen mit einem Team aus Krypto-Spezialisten untersucht er die abgefangenen Botschaften und stellt bald gewisse Regelmäßigkeiten in den Texten fest. Dann berechnet er Wahrscheinlichkeiten.

Auf dieser Basis konstruiert Turing eine Maschine, die "Turing-Bombe". Ein Kasten, groß wie eine Schrankwand, gespickt mit sich drehenden Zahlenrädern. Ende 1943 werden monatlich mehr als 80.000 geheime Botschaften der Wehrmacht entschlüsselt. Und da steht alles drin, was der britische Geheimdienst über die Aktivitäten der deutschen Wehrmacht wissen will: strategische Informationen, alles über Truppenstellungen, U-Boot-Standorte. Enigma, die kryptografische Wunderwaffe der Nazis, hat versagt.

Geheimnisknacker mit eigenem Geheimnis

Das ist der gute Teil der Geschichte des Alan Turing, die jetzt als Film ("The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben") in die deutschen Kinos kommt. Alan Turing ist nämlich nicht nur der Held, mit dessen Hilfe die Alliierten den Zweiten Krieg gewonnen haben. Turing ist ein Nerd, ein Außenseiter. Er stottert, wirkt oft kindisch und ist zudem noch homosexuell, was zu jener Zeit einem Verbrechen gleichkommt. Seine Sexualität jedoch kann er erfolgreich verbergen, er hat sogar eine Liaison mit seiner Kollegin Joan Clarke. Bis die Polizei das Geheimnis durch einen dummen Zufall herausfindet.

Filmszene aus The Imitation Game: Alan Turing (Benedict Cumberbatch) mit Joan Clarke (Keira Knightley) (Foto: The Weinstein Company)

Alan und Joan (Keira Knightley) verbindet nur eine platonische Liebe

Turing wird zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die muss er jedoch nicht antreten, als er sich zu einer Hormontherapie - genauer gesagt: einer chemischen Kastration - bereit erklärt. Das aber macht ihn so krank, dass er schließlich in Depressionen verfällt. Schließlich, im Juni 1954, wird er tot in seiner Wohnung aufgefunden. Höchstwahrscheinlich Selbstmord - neben der Leiche liegt ein Apfel, an dem angeblich Spuren von Zyanid festgestellt werden. Bis heute sind die Umstände seines Todes nicht völlig geklärt. Turing wurde nur 41 Jahre alt.

Vergessener Held

Ohne Turings "Bombe" hätte der Zweite Weltkrieg viel länger gedauert, darüber sind sich Historiker einig. Turing hat entscheidend dazu beigetragen, dass der "D-Day" - die Landung der alliierten Truppen in der Normandie am 6. Juni 1944 - einen so durchschlagenden Erfolg hatte, dass damit der Untergang des Dritten Reiches eingeläutet wurde.

Ohne die Forschungen von Alan Turing sind heutige Computer, Smartphones, ist das Internet kaum vorstellbar. Die Grundlagen, auf denen er seine Maschine während des Zweiten Weltkriegs entwickelt hat, gehören zum Basiswissen in der Informatik.

Trotzdem ist Alan Turing eher ein vergessener Held, der aufgrund seiner sexuellen Neigung in Ungnade gefallen war. Erst 2009 sprach der britische Premierminister Gordon Brown posthum eine offizielle Entschuldigung aus, im Dezember 2013 schloss sich schließlich die Queen mit einem "Royal Pardon" an.

Filmszene aus The Imitation Game Foto: The Weinstein Company)

Mathematik-Genies unter sich: "Wir knacken den Nazi-Code und gewinnen den Krieg!"

Filmisches Denkmal

Dabei hatte ein Biograph dem vergessenen Genie bereits 1983 ein Denkmal gesetzt. Der britische Autor Andrew Hodges hat sich mit dem Leben Turings beschäftigt, die Archive in dessen geheimer Wirkungsstätte Bletchley Park durchforstet und eine "außergewöhnliche Geschichte über den brillanten Wissenschaftler, der den Enigma-Code geknackt hat" verfasst. Auf diesem Buch basiert der Film des norwegischen Regisseurs Morten Tyldum. Es ist ein packender Spionagethriller über den Zweiten Weltkrieg geworden. Die Hauptrolle spielt der britische Serienstar Benedict Cumberbatch ("Sherlock") virtuos - flankiert von Keira Knightley ("Fluch der Karibik"), die in diesem Film ihre Girlie-Attitüde ablegt und als schlaue Kryptoanalytikerin und Turings Freundin Joan Clarke auftritt.

Weltpremiere hatte "The Imitation Game" im August 2014 beim Telluride Film Festival in Colorado, Europapremiere im Oktober in London und jetzt startet der Film auch in den deutschen Kinos. Er ist fünf Mal für den Golden Globe nominiert und gilt mit acht Nominierungen auch als Oscar-Favorit, unter anderem für den besten Film.

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