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Kultur

Filmfestival Locarno: Goldener Leopard für "Mrs. Fang"

Überraschung in Locarno: Der Hauptpreis des 70. Internationalen Filmfestivals geht an die Dokumentation "Mrs. Fang" des chinesischen Regisseurs Wang Bing. Auch bei den Schauspielern entschied die Jury unerwartet.

Die Preisträger gab die Jury unter dem Vorsitz des französischen Regisseurs Olivier Assayas am Samstag bekannt, noch bevor die Preisgala begann. "Mrs. Fang" beobachtet das Sterben einer an Alzheimer leidenden alten Frau. Die Dokumentation wurde von deutschen, französischen und chinesischen Produzenten finanziert.

Er arbeite schon seit über zehn Jahren an Dokumentationen, sagte Wang Bing im Interview mit den Veranstaltern des Festivals. Aber er habe noch nie einen so großartigen Preis bekommen. Die Auszeichnung sei für ihn eine große Ehre und er sehe sie als Startschuss für seine zukünftigen Projekte. Locarno sei die beste Plattform, um Kunstfilme zu präsentieren - wegen seines internationalen Publikums, das jedem Film Aufmerksamkeit schenke, der gezeigt werde.

70. Filmfestival Locarno - Film «Mrs. Fang» (picture-alliance/dpa/Locarno Festival)

Träger des Goldenen Leoparden 2017: Die Dokumentation "Mrs. Fang"

Nicht nur beim "Pardo d'oro", beim Goldenen Leoparden, entschied die Jury an den Erwartungen vorbei – auch bei den Preisen für die besten Schauspieler: Weder die hoch gehandelte deutsche Darstellerin Johanna Wokalek für ihre Rolle in "Freiheit" noch der gealterte US-Amerikaner Harry Dean Stanton in "Lucky" wurden ausgezeichnet.

Viele Überraschungen

Film Festival Locarno Isabelle Huppert in Madame Hyde (Praesens)

Isabelle Huppert in "Madame Hyde"

Der Preis für die beste Schauspielerin ging an die Französin Isabelle Huppert als zickige Lehrerin im französisch-belgischen Film "Madame Hyde". Und als bester Darsteller wurde der Däne Elliott Crosset Hove prämiert – für seine Rolle als gewalttätiger Arbeiter im dänisch-isländischen Drama "Winterbrüder".

Auf einhellige Zustimmung stieß dagegen die Vergabe des Spezialpreises der Jury an den brasilianisch-französischen Spielfilm "Gute Manieren" von Juliana Rojas und Marco Dutra. Der Film entspricht der Balance von Unterhaltung und Anspruch, die in Locarno häufig gerne gesehen – und ausgezeichnet – wird: "Gute Manieren" erzählt die Geschichte einer jungen Frau und ihres adoptierten Sohnes, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt.

Schauspieler Elliot Crosset Hove im Film Winterbrüder (Masterplan Pictures)

Elliot Crosset Hove in "Winterbrüder"

Als bester Regisseur wurde der Franzosen F. J. Ossang für seinen surrealen Spielfilm "9 Finger" ausgezeichnet. Dieser überzeugt nicht nur als rätselhafter Thriller, sondern auch als Parabel auf die bürgerliche Gesellschaft. Ossang gehört zu den Regisseuren, die das Festival von Locarno explizit fördern möchte: Künstler, die nach neuen Ausdrucksformen für das Kino suchen.

Publikumspreise geht an leichte US-Komödie

Deutschland kann sich auch über einen Erfolg auf der Piazza Grande des kleinen Ortes in der italienischsprachigen Schweiz freuen. Der dort außerhalb des Wettbewerbs im Programm der abendlichen Freiluftaufführungen gezeigte Spielfilm "Drei Zinnen" von Regisseur Jan Zabeil hat den "Variety"-Piazza-Grande-Award gewonnen.

Film Drei Zinnen (Rohfilm Productions)

Szene aus "Drei Zinnen"

In "Drei Zinnen" verkörpert Alexander Fehling, unter anderem auch als Darsteller in der US-amerikanischen Serie "Homeland" bekannt geworden, einen Vater, der auf ungewöhnliche Weise um die Zuneigung seines Sohnes kämpft. Der Preis wird vom amerikanischen Branchenblatt "Variety" an einen künstlerisch überzeugenden Film mit dem Potenzial zum Publikumserfolg vergeben.

Für den Publikumspreis an einen der Filme aus dem Piazza-Programm lagen die deutschen Beiträge "Iceman" ("Der Mann aus dem Eis") und "Drei Zinnen" gut im Rennen. In "Iceman" spielt Jürgen Vogel den als Ötzi bekannt gewordenen Mann, dessen mumifizierte Leiche 1991 nach mehr als 5000 Jahren aus dem Eis der Ötztaler Alpen in Südtirol geborgen wurde. Doch das Publikum hielt es wie die Wettbewerbsjury und überraschte mit einer weniger erwarteten Entscheidung: Die Zuschauer vergaben ihre Auszeichnung an den leichtgewichtigen US-amerikanischen Film "The Big Sick" von Regisseur Michael Showalter. Die romantische Komödie erzählt die (wahre) Liebesgeschichte einer Amerikanerin und eines pakistanischen Einwanderers (die beiden schrieben selbst das Drehbuch) und wie den beiden dabei traditionelle Bräuche und Sitten im Wege stehen. 

Film Holly Hunter as Beth in THE BIG SICK Photo by Nicole Rivelli 2017 Lionsgate The Big Sick 2017 (Imago/Cinema Publishers Collection)

Holly Hunter in "The Big Sick"

nf/jj (dpa/DW/Filmfestival Locarno)

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