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Kultur

Filmfestival als Fenster zur Welt

Das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilme feierte sein 50jähriges Bestehen und seine wechselhafte Geschichte. Filmemacher aus fünf Jahrzehnten trafen sich dafür wieder.

Film ab in Leipzig (Foto: DOK)

Film ab in Leipzig

Plakat für das Filmfest DOK Leipzig 2007 (Foto: DOK)

Plakat für das Filmfest DOK Leipzig 2007

Die weiße Taube ziert noch immer die Festivalplakate, auch wenn es nicht mehr Picassos Friedenstaube ist, sondern eine schlankere, modernere Taube. "Filme der Welt für den Frieden der Welt" - so lautete einst das Motto des Leipziger Dokumentarfilmfestival - kurz: Dok-Leipzig . Eine Woche lang bis zum 4. November 2007 feiert man in Leipzig das 50. Jubiläum. Dazu sind Filmemacher aus vergangenen Tagen noch einmal angereist.

Altmeister des Genres zu Gast

So wie Octavio Cortázar. Er hat hier 1968 die Goldene Taube - den ersten Preis des Festivals - für seinen Film "por primera vez" ("Das erste Mal") erhalten. Darin dokumentiert er, wie die Bewohner eines kleinen kubanischen Dorfes das erste Mal Kino erleben.

Fast 40 Jahre später lief der Film nun wieder in Leipzig und begeisterte das Publikum noch immer. "Damals war das mein erster Film und dann habe ich damit gleich eine Goldene Taube gewonnen. Das war ein Anstoß für mich, der mir wirklich geholfen hat", sagt Cortázar.

Spurensuche

Festivalleiter Claas Danielsen (l.) lauscht den Geschichten des Dokumentarfilmmeisters Kasimierz Karabasz

Festivalleiter Claas Danielsen (l.) lauscht den Geschichten des Dokumentarfilmmeisters Kasimierz Karabasz

Zum 50. Geburtstag setzte das Leipziger Dokfestival auf die Retrospektive - Spurensuche in den Filmen der Vergangenheit. Dokumentarfilm-Legenden wie der Chilene Patricio Guzmán, der Pole Kazimierz Karabasz und der Amerikaner Richard Leacock waren mit ihren Werken im Programm und saßen noch einmal in den Leipziger Kinosesseln.

Kuratorin Grit Lemke hat sich durch ein halbes Jahrhundert Festivalgeschichte gearbeitet und die wichtigsten Filme herausgesucht. "Wir wollten zeigen, wie das Leipziger Dokumentarfestival zu DDR-Zeiten war: Vor allem wurden hier ja Filme gezeigt, die Beifreiungsbewegungen dokumentiert: In Chile zum Beispiel oder in Vietnam."

Zwischen Instrumentalisierung und Freiheit

Für Macher und Besucher des Festivals war Leipzig damals ein Fenster zur Welt. Hier trafen sich Dokumentarfilmer aus Ost und West. Das einstige DDR-Festival bewegte sich stets im Spannungsfeld von ideologischer Instrumentalisierung und kultureller Freiheit. Für die Festivalleitung war allein die Filmauswahl stets ein Drahtseilakt zwischen Internationalität und Restriktion, kritischem Diskurs und politischer Kontrolle. Gerade diese Geschichte macht das Festival zu einem der spannendsten seiner Art.

Ein Fenster zur Welt ist das Dokfestival noch immer. In der Jubiläumswoche liefen 315 Filme aus 60 Ländern der Welt auf der großen Leinwand. Sowohl der Dokumentarfilm als auch der Animationsfilm gehörten dazu.

Leipzig baut Branchentreffpunkt aus

In 50 Jahren Festivalgeschichte hat sich das Festival stets wandeln müssen. Auch mit dem neuen Festivalleiter Claas Danielsen, der 2004 seine Amt antrat, hat sich einiges verändert.

Danielsen will vor allem die Dokumentarfilmmacher zusammen bringen. Das Festival schafft dafür eine Plattform. Bei Koproduktionstreffen finden Macher und Produzenten zusammen, bei den Pitchings werden neue Filmprojekte vorgestellt und diskutiert.

"Die Filmemacher wollen heute nicht mehr nur ihre Filme zeigen, sie wollen auch versuchen neue Filmprojekte auf die Schienen zu schieben. Und das heißt vor allem natürlich Finanzierungsmöglichkeiten zu finden", sagt er.

Die Altmeister müssen sich um die Finanzierung ihrer Filme nicht mehr sorgen. Sie konnten das Festival in Ruhe genießen. Für den Kubaner Octavio Cortázar trifft das nicht zu. Als Mitglied der internationalen Jury musste er bis zur Preisverleihung am Samstag alle 22 Filme aus dem internationalen Wettbewerb gesehen haben. Dann musste er entscheiden, welcher die Goldene Taube erhält. Sein eigener Film läuft dabei natürlich außer Konkurrenz.

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