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Kultur

Filmfest Venedig - Kunst und Kommerz

Das Filmfestival von Venedig bedient in diesem Jahr wirklich jeden Geschmack: Ob Komödie, Thriller oder politische Provokation - für alle ist etwas dabei. Ein Konzept, das funktioniert...

Filmszene aus 'The Town' von Ben Affleck (Foto: Internationales Filmfest Venedig)

"The Town" von Ben Affleck

Das 67. Internationale Filmfestival Venedig ist ein satter Erfolg. Die Verknüpfung von Kunst und Kommerz hat sich bewährt, Kinofreunde weltweit können sich auf viele der hier erstaufgeführten Filme freuen, wenn sie in den nächsten Monaten in den Verleih kommen. Beste Unterhaltung bieten handfeste Krimis wie "The Town" von Ben Affleck, opulente Kung-Fu-Spektakel wie "Detective Dee and the Mystery of the Phantom Flame" von Tsui Hark, aber auch brillante Komödien wie beispielsweise "Potiche" von François Ozon. Ein Film, in dem Catherine Deneuve und Gérard Depardieu viele satirische Seitenhiebe auf die aktuelle Polit-Szene in Frankreich verteilen.

Kunst-Kino dominiert den Wettbewerb

Den Wettbewerb prägen dagegen eher Filme, die später in den Kunst-Kinos ihr Publikum finden dürften. Auch hier ist viel Herausragendes zu entdecken. Als Favorit für die Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen gilt den meisten Festivalbesuchern bisher der spanische Beitrag "Balada triste de trompeta" von Regisseur Álex de la Iglesia. Mit erzählerischer Wucht schlägt er einen Bogen von 1936 bis 1973. Surrealistisch, kraftvoll und gefühlvoll beleuchtet er die Leidensgeschichte eines Zirkusclowns, der von den Schrecken der Historie zermalmt wird - ein Bilderrausch voller Poesie und Geheimnis.

Filmausschnitt 'Balada triste de trompeta' von Regisseur Álex de la Iglesia (Foto: Internationales Filmfest Venedig)

Vom Franco-Faschismus ins Verbrechen getrieben: Der Clown (Carlos Areces), die Hauptfigur im Venedig-Erfolg "Balada triste de trompeta"

Formal das Gegenteil, nämlich ein Kammerspiel, ist der chilenische Beitrag "Post Mortem", ganz leise inszeniert von Pablo Larrain. Auch er beleuchtet die Geschichte eines Mannes in historischem Kontext. Der Namenlose wird in den 1970er Jahren von den Faschisten missbraucht und verwandelt sich, ohne es zu wollen, in eine Bestie. Gerade weil sehr verhalten, ist der Film überaus eindringlich und wird hier am Lido di Venezia ebenfalls als möglicher Preisträger gehandelt.

In den letzten Jahren hinterließen oft Geschichten über Frauen den stärksten Eindruck in Venedig. Diesmal gehört weitgehend den Männern das Feld. Auf Unmut stieß der Film "Promises Written in Water" von Vincent Gallo. Viele Venedig-Besucher haben den Film ausgebuht und tatsächlich bietet Gallo als Autor, Produzent, Regisseur, Komponist, Cutter und Hauptdarsteller eine penetrante One-Man-Show. Das eigentliche Thema des Films, die spannende Frage, wie Trauer zu ertragen ist, geht dabei leider völlig unter.

Spannendes Polit-Kino sorgt für Diskussionen

Ganz andere Kost bietet "Miral", inszeniert von dem US-amerikanischen Künstler Julian Schnabel. Er bekennt sich zu einem politisch engagierten Kino und sorgt damit für Diskussionen. Der Film basiert auf einem Buch seiner aus Palästina stammenden Lebensgefährtin Rula Jebreal. Anhand ihrer Lebensgeschichte wird der israelisch-palästinensische Konflikt von der Gründung des Staates Israel bis heute erzählt. Zum Teil recht plakativ, aber doch mit großen Emotionen. Und Schnabels eindeutiges Bekenntnis zu den Zielen der Palästinenser heizt das Pro und Contra an. Dieser Film gehört garantiert zu jenen, die nach Abschluss des Festivals um die Welt reisen werden.

Autor: Peter Claus
Redaktion: Petra Lambeck

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