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Filme

Filmfest München startet mit französischer Tragikomödie

Zum Auftakt des Münchner Filmfestivals präsentiert Claire Denis die französische Tragikomödie "Un beau soleil intérieur" mit Juliette Binoche. Mit Spannung erwartet wird auch die Dokumentation "Wer war Hitler".

Französisches Starkino gibt's zum Auftakt - kein schlechter Beginn für das Festival an der Isar, das stets versucht Glamour und künstlerischen Anspruch zu vereinen. Regisseurin Claire Denis, eine der renommiertesten Filmemacherinnen Frankreichs, hat die Geschichte einer Frau verfilmt, die im Verlauf der Handlung gleich mehrere Männerbekanntschaften macht. Ein obszön machtbewusster Macho-Banker, ein spätpubertierender Schauspieler, ein sensibler Philosoph und schließlich ihr Ex-Mann - Isabelle gibt sich ihnen allen hin, körperlich und intellektuell, und doch weiß sie genau, der Richtige ist nicht dabei.

Münchener Filmfest: Youth on the Move

Ob der Eröffnungsfilm des 35. Münchner Filmfests (22.06.-01.07.2017) zum angekündigten Festivalmotto passt, ist noch die Frage. "Youth on the Move" sei eine "zentrale Formel für den diesjährigen Filmfest-Jahrgang", kündigt Festivalleiterin Diana Iljine einen Filmschwerpunkt in diesem Jahr an und präzisiert: "Kein Duckmäusertum, sondern jugendlicher Sturm und Drang herrscht auf der Leinwand und ist der Treibstoff in vielen der Filme, die wir 2017 aus aller Welt nach München eingeladen haben."

Ein Filmfestival ist immer ein großes Sammelsurium, Neues und Altes, Aktuelles und Historisches, all das wird zu sehen sein in den kommenden zehn Tagen. Nicht nur "Sturm und Drang" ist damit gemeint, auch "kreativer Widerstand", wie Iljine betont: "In der Auflehnung gegenüber restriktiven Strukturen kommt die Phantasie ins Spiel, was manchmal auch ins Innere führt, zur Persönlichkeitsveränderung."

Neues Deutsches Kino steht im Zentrum

45 Welturaufführungen stehen auf dem Programm, naturgemäß sind das bei den deutschen Spiel- und Dokumentarfilmen die meisten. Das Filmfest München zeigt in seiner Reihe "Neues Deutsches Kino" insgesamt 15 Premieren, und ein erster Blick auf diese Sektion zeigt, dass, anders als bei Festivals wie in Saarbrücken oder Berlin, sehr viele unterhaltsame Genrefilme auf die Leinwand kommen. "Das deutsche Kino verhandelt den Willen zum glücklichen Single/Paar/Familiendasein in außergewöhnlichen Dramen, Komödien, Tragikomödien - vom schrägen Vater-Sohn-Verhältnis voll verkorkster Männlichkeit bis hin zur Beziehung zwischen Cloud und Ich", heißt es dazu vom Festival.

Filmstill mit Frau mit Kopftuch, weinend, aus dem Film Fremde Tochter (Filmfest München/S&L Medianetworx GmbH)

Lena (Elisa Schlott) liebt einen jungen Moslem in Stephan Lacants Film "Fremde Tochter"

Doch auch gesellschaftlich-politisches Kino wird gezeigt. Der Film "Fremde Tochter" erzählt von der Liebe zwischen einer jungen Deutschen, die für ihren Freund, einen kaum älteren Moslem, zum Islam konvertieren will. Regisseur Stephan Lacant geht das Thema behutsam und mit vielen Zwischentönen an. In Zeiten des globalen Terrors, in dessen Zentrum der Islamismus steht, ein spannendes wie hochaktuelles Thema.

Monumentale Hitler-Doku

Neben neuen Spielfilmen stehen traditionell viele Fernsehfilme auf dem Münchner Programm, die bisher noch nicht auf den deutschen TV-Bildschirmen zu sehen waren - und natürlich auch neue Serienformate. Kaum ein Filmfestival kommt inzwischen ohne diese Programmsektion aus.

Filmstill - Wer war Hitlermit Hitler in Uniform und SS-Offizieren (Filmfest München)

Mit Spannung erwartet: neue Hitler-Doku "Wer war Hitler?"

Zu den Filmen, die hier mit großer Spannung erwartet werden, gehört die siebeneinhalbstündige Kino-Dokumentation "Wer war Hitler". Regisseur Hermann Pölking hat sich nach den vielen Fernsehstücken der letzten Jahre ganz bewusst für einen Kinofilm zum Thema entschieden und dabei auch die monumentale Länge in Kauf genommen. Der Film beschränkt sich ganz bewusst fast komplett auf Originalzitate, Reden und Schriften von Hitler und seinen Zeitgenossen - und verzichtet weitgehend auf einen eigenen Kommentar.

Dem Film soll "die umfangreichste Archivrecherche, die jemals für einen TV- oder Kinofilm zum Thema Hitler" unternommen wurde, zu Grunde liegen: "Mehr als 120 Archive in 14 Ländern wurden ausgewertet, 850 Stunden Film gesichtet, mehr als 100 Stunden Material neu abgetastet, restauriert und technisch bearbeitet." Die Weltpremiere von "Wer war Hitler" findet am Samstag statt. Auch das Interesse aus dem Ausland dürfte gewaltig sein - sind die Themen Hitler und Nationalsozialismus doch nach wie vor ein Garant für großes Publikumsinteresse.

Zehn Tage Weltkino in München

Großes Kino aus europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Nationen wird in München ebenfalls in den kommenden Tagen präsentiert.

Filmstill aus I am not a witch mit schwarzem Jungen in Bus (Filmfest München/S&L Medianetworx GmbH)

"I am not a witch" hat die Hexenverfolgung in Afrika zum Thema

Gleich drei große Programmsektionen zeigen in München dieses "Weltkino". Als deutsch-französisch-britische Co-Produktion läuft zum Beispiel der eindrucksvolle Film "I am not a witch" von Rungano Nyoni. Die in Sambia geborene Regisseurin erzählt vom Schicksal eines neunjährigen Mädchens, das in ihrem Dorf verdächtigt wird, über magische Zauberkräfte zu verfügen. Shula wird in ein sogenanntes Hexenlager abgeschoben. In Sambia existieren diese Lager tatsächlich - "eine grauenhafte Absurdität, die in dieser Geschichte von Macht und Freiheitsdrang gleichwohl einen schrillen satirischen Anstrich erhält", kündigen die Programmmacher an.

Ehrungen für Coppola, Cranston und Hauff

Und dann sind da noch ein paar große Persönlichkeiten des Kinos, die in diesem Jahr in München besonders geehrt werden. Der amerikanischen Regisseurin Sofia Coppola wird die diesjährige Festivalretrospektive ausgerichtet.

Der Star aus der weltweit erfolgreichen Serie "Breaking Bad", der kanadische Schauspieler Bryan Cranston, erhält in diesem Jahr den renommierten "CineMerit Award".

Bruno Ganz in Messer im Kopf, Mann vor Mauer mit Graffitis (Filmfest München)

Reinhard Hauffs wohl größter Erfolg: Bruno Ganz in "Messer im Kopf"

Der deutsche Filmregisseur Reinhard Hauff wird vom Festival mit einer Hommage geehrt. Hauff zählte in den 1970er und 1980er Jahren neben Volker Schlöndorff, Alexander Kluge und Rainer Werner Fassbinder zu den politisch-engagierten Regisseuren des "Neuen deutschen Films" und schrieb mit Werken wie "Messer im Kopf" und "Stammheim" deutsche Filmgeschichte. In den letzten Jahren ist es um Reinhard Hauff, der gerade 78 Jahre alt geworden ist, ein weniger ruhiger geworden.

Schön, dass das Filmfest München einen solch wichtigen Regisseur wieder ins Bewusstsein holt. Denn auch Reinhard Hauff gehörte einst zu den jungen wilden Regisseuren, denen das diesjährige Festivalmotto "Youth on the Move" gewidmet ist.

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