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Kultur

Filmfeld Osteuropa

Bundesweit gibt es inwzischen drei Festivals mit Schwerpunkt Osteuropa: die Grenzlandfilmtage in Selb, das Filmfest in Cottbus und seit Neuestem ein Festival in Wiesbaden. Zuviel des Guten?

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goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden

Keinesfalls, sagen die Organisatoren um Leiterin Claudia Dillmann in Wiesbaden, und führen einen geradezu entwaffnend-charmanten Grund ins Felde: Wo, wenn nicht auf einem Festival, seien denn in Deutschland osteuropäische Filme zu sehen?

Mangelware Geld

Diese Entwicklung ist allerdings nicht nur auf den Verdrängungsprozess unter den großen bundesdeutschen Kinoketten zurückzuführen. Sie hat auch etwas mit der daniederliegenden Filmszene in viele osteuropäischen Ländern zu tun: Nachdem Studios und Regisseure bis zum Zusammenbruch der sozialistischen Systeme durch üppige staatliche Fördergelder aus dem Vollen schöpfen konnten, brachten die 1990er Jahre zunächst nicht den erhofften Umschwung.

Zwar durfte man nun alles sagen, doch es war kein Geld mehr vorhanden. In einer zweiten Phase, als sich die Filmschaffenden langsam auf die neuen politischen Verhältnisse einstellten, kam es dann immer noch nicht zum erhofften Aufbruch, weil man nun fatalerweise vielerorts nach kommerziellen Vorbildern schielte.

Thema Alltag

Erst in jüngster Zeit besinnt man sich in Tschechien und Polen, in Ungarn und den baltischen Staaten wieder der vielfältigen cineastischen Wurzeln. In den rund zwei Dutzend neuen Produktionen, die in Wiesbaden zu sehen waren, konnte man sich ein Bild davon machen. Filme aus Russland, mehreren früheren Sowjetrepubliken, aber auch aus Rumänien, Polen und Slowenien zeigten, worin die Stärken gerade dieser Filmländer liegen.

Es sind vor allen die Menschen mit ihren handfesten, ganz realen Problemen, die Charaktere auf der Leinwand, aber auch deren Darsteller, die das Kino aus den osteuropäischen Ländern so lebendig erscheinen lassen. Im Mittelpunkt steht nach wie vor der Alltag, die Umbrüche, die Armut, die Fragen nach Identität, nach Tradition, nach Wandel, nach Öffnung zum Westen hin - also die starken Spannungen, die in den Gesellschaften herrschen, und die den Alltag des einzelnen bestimmen.

Herausforderung für liebgewordene Sehgewohnheiten

Es sind vor allem gesellschaftliche Randexistenzen, die von den Filmemachern immer wieder in Szene gesetzt werden: Schmuggler und Diebe, Prostituierte und Kleinkriminelle bevölkern dieses Kino, doch anders als im Westen sind es keine Genregeschichte, die für Spannung oder filmästhetischen Genuss sorgen sollen.

Es ist die materielle Not, die dann jeweils auch ausführlich dokumentiert wird, die die Menschen auf die schiefe Bahn geraten lassen. Das ist - zumal für westliche, Hollywood-gewohnte Kinoaugen nicht immer leicht zu goutieren, aber von großem Gewinn für diejenigen, die sich einmal auf diese Filme eingelassen haben.