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Amerika

Filmemacher Poveda in El Salvador erschossen

Povedas Bilder zeigen das Leben der Armen in Lateinamerika - sein neuster Film über die "Mara 18" in El Salvador kommt Ende September in die Kinos. Nun wurde der Fotograf und Dokumentarfilmer in El Salvador ermordet.

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Dokumentarfilmer Poveda (r.) mit Bandenmitgliedern der "Mara 18" in San Salvador

Der französisch-spanische Fotoreporter Christian Poveda ist am Donnerstag (03.09.2009) auf der Straße in einer Provinz nördlich von El Salvador erschossen aufgefunden worden. Nach Angaben der Polizei wurde der 54-Jährige mit vier Schüssen in den Kopf getötet, während er in seinem Auto saß. Poveda habe in den Vororten von La Campanera gedreht, die von Banden beherrscht werden. Offenbar sei er auf dem Rückweg getötet worden. El Salvadors Staatschef Mauricio Funes äußerte sich "bestürzt“ über den Mord und rief die Behörden auf, die Täter zu finden und vor Gericht zu bringen.

Der aus Spanien stammende Christian Gregorio Poveda Ruiz hatte für namhafte Medien wie die US-Zeitung „New York Times“, die französische Tageszeitung „Le Monde“ und das deutsche Nachrichtenmagazin „Stern“ gearbeitet. Sein jüngster Dokumentarfilm „La Vida Loca“ über die Jugendbanden der Maras und ihren Drogenhandel in El Salvador läuft in Frankreich Ende des Monats im Kino an.

Maras in Zentralamerika

Film La vida loca von Christian Poveda

Fimausschnitt "La Vida loca"

Die Jugendgangs, "Maras" genannt, gehören zu den größten Problemen ganz Zentralamerikas. Auf ihr Konto gehen Erpressungen, Raub und Drogenhandel. Allein im 6,8 Millionen-Einwohnernland El Salvador gehen jährlich mehr als tausend Morde auf das Konto der "Maras".

Insgesamt sollen in Mittelamerika mittlerweile 100 000 Jugendliche in den "Maras" organisiert sein, in Mexiko und in den Vereinigten Staaten mindestens noch einmal so viele. Die kalifornische Polizei hatte 1992 die "Mara Salvatrucha" als Haupturheber eines Aufstands in Los Angeles ausgemacht. Die anderen Hispanos jener Jahre organisierten sich in der "Mara 18", einer Bande von Mexikanern, zu denen sich Flüchtlinge aus Honduras, Guatemala und Nicaragua gesellten.

Einfühlsames Portrait

Gangmitglied der Mara 18 in El Salvador

Älter als 25 wird man nur im Gefängnis, heißt es bei den Mareros.

Sie wurden festgenommen und eingesperrt, in den kalifornischen Gefängnissen fanden sie sich wieder zusammen. Der amerikanische Kongress erließ 1996 ein Gesetz, wonach jeder Ausländer, der länger als ein Jahr im Gefängnis sitzt, in sein Heimatland deportiert werden muß. Zwischen 2000 und 2004 kamen auf diese Weise 20 000 jugendliche Kriminelle in die mittelamerikanischen Staaten zurück - in denen fanden sie meist wenig Anreize, der Kriminalität abzuschwören: Arbeitslosigkeit von mehr als 50 Prozent, extreme Armut, Unterernährung und Analphabetismus sowie korrupte Regierungen

Poveda hat den Jugendbanden in seinem Dokumentarfilm "La Vida Loca" ein Gesicht gegeben. Fünf Jahre begleitete er eine Gruppe der "Mara 18" in El Salvador, zeigt sie in ihrem Alltag, erzählt ihre Geschichten, erlebt, wie sieben der Protagonisten erschossen wurden. Im Film fasst "El Nueve" das Leben in den Jugendbanden so zusammen: "Früher oder später heißt es entweder Krankenhaus, Knast oder ab ins Loch im Boden." (ahe/dpa/ap)

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