1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Filme, Kritiker und Prädikate

Mancher Film hat es, mancher nicht. Und das gibt es nur in Deutschland: das Prädikat "wertvoll" oder "besonders wertvoll", das die Filmbewertungsstelle vergibt. Für Filmer ist das Prädikat bares Geld wert.

default

Urteil: Selbstgefällig, aber wertvoll

Wenn ein Film das Prädikat "wertvoll" oder "besonders wertvoll" bekommt, dann wurde er garantiert mit kritischen Augen gesehen, - nämlich von Mitgliedern der Filmbewertungsstelle in Wiesbaden (FBW). Diese Länderbehörde beurteilt seit 1951 eingereichte Filme.

FBW-Verwaltungsdirektor Steffen Wolf lädt ein bis zwei Mal im Monat zur Prädikatsprüfung ein. Filmkritiker und Medienwissenschaftler, Dramaturgen, Regisseure, Filmfestivalleiter und andere Vertreter aus der Branche kommen dann im Biebricher Schloß in Wiesbaden, wo die FBW ihren Sitz hat, zusammen.

Kein Schrott

"Es sind in der Regel die Produzenten oder Verleiher, die an uns herantreten und bitten, dass ihre Filme bewertet werden", sagt Wolf. "Schrottware kommt nicht, weil die Bewertung kostenpflichtig ist." Für einen durchschnittlichen Film mit durchschnittlicher Länge müssen zwischen 2500 und 4000 Euro Prüfgebühren gezahlt werden. Die Filmbewertungsstelle trage sich damit selbst und bekomme keine Steuergelder, sagt Wolf.

53 Prüfer gibt es insgesamt, ausgewählt von den 16 Bundesländern, mit denen die FBW gewissermaßen einen Staatsvertrag hat. Zur Prüfung tagt aber immer nur eine sehr kleine, mehrheitsfähige Kommission. Diesmal sind es lediglich fünf an der Zahl. Auf dem Programm: "Barfuß" - der neue Film von und mit Til Schweiger. Begeisterungsstürme löst der Film bei der Kommission nicht aus. Von Selbstgefälligkeit Schweigers ist die Rede.

Besonders wertvolle Horror-Thriller

Der persönliche Geschmack ist zwar kein Bewertungskriterium, so fern man der "gelben Bibel", wie die FBW-Broschüre zu den Bewertungsrichtlinien genannt wird, glauben darf. Die Kriterien für die Bewertung umfassen inhaltliche wie gestalterische Aspekte. Zu berücksichtigen ist darüber hinaus der Anspruch, den ein Film an sich selber stellt. Insofern kann der Horror-Thriller, der im Vergleich zu bisherigen Produktionen seiner Art aus der Masse herausragt, genauso das Prädikat "besonders wertvoll" erhalten wie der Dokumentarfilm. Wie dann aber letztlich die Prädikatisierung ausfällt, liegt einzig und allein im Ermessensspielraum der FBW-Kommission. Im Falle Schweiger gab's ein "wertvoll". "Poetisches Filmmärchen und romantisch zarte Liebesgeschichte" mit "eigener Erzählform und eigenem Stil" lautet die Beurteilung.

"Das ist kein PR-Text", sagt Thomas Meder, Medienwissenschaftler an der Fachhochschule Mainz und an diesem Tag Vorsitzender der FBW-Kommission. "Wir sind unabhängig. Wir sagen schon was wir denken."

Im Grunde solle die Prädikatisierung eine Information für die Zuschauer sein, meint Direktor Wolf. In den "Prädikaten der Woche" wird auch ein zusätzlicher Text angeboten, bis hin zu einer klaren Altersempfehlung auch bei Kinderfilmen. Das ist entscheidend, weil die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) keine Altersempfehlungen ausspricht, sonder lediglich sagt, ab welcher Altersstufe der Film nicht gefährlich ist.

Die besonders wertvollen 16 Prozent

Über 24.000 Filme flimmerten bislang über die Leinwand des FBW-Filmvorführraums. Ein gutes Drittel blieb also ohne Auszeichnung. Über die Hälfte erhielt "wertvoll", lediglich 16 Prozent konnten sich über "besonders wertvoll" freuen. Die Prädikate sind bares Geld wert: "Besonders wertvoll" sorgt nicht nur für Publikumserfolge, sondern auch für die Referenzförderung. Das heißt: Wer mit einem Prädikat aufwarten kann, wird beim nächsten Projekt aus Töpfen der Filmförderung unterstützt.

Strittig bleibt bei Kinobetreibern, Filmern und Journalisten inwiefern die Prädikate angemessen sind - und ob sie nicht eigentlich verstaubt sind. Ganz im Gegenteil, meint FBW-Chef Wolf. In den 1950er-Jahren hätte das Prädikat "besonders wertvoll" von der Filmbewertungsstelle vor allem "besonders langweilig" bedeutet. " Die FBW hat eigentlich nur den so genannten Kunstfilm oder den weltberühmten Klassiker durchgehen lassen. Aber damals bestand bereits die Verpflichtung, die wir heute sehr ernst nehmen: Jeder Film ist an dem Anspruch zu messen, den er sich selbst stellt." Die Prädikate "wertvoll" und "besonders wertvoll" sind für ihn nicht mehr, aber auch nicht weniger als Wegweiser und Empfehlung im Dschungel der massenhaften Film- und Videoproduktionen. "Wir können aber niemanden zwingen, sich danach zu richten."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links