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Filme

Filme aus weiblicher Hand - auch für Männer!

Das Programm richtet sich an weibliche und männliche Zuschauer, inszeniert wurde aber ausschließlich von Regisseurinnen. Ist so eine Veranstaltung noch zeitgemäß?

Szene mit zwei Frauen aus dem griechischen Film Attenberg (Foto: IFFF)

Frauenfilm "Attenberg" aus Griechenland

Bei den Academy Awards im März 2010 galt es als kleine Sensation: Kathryn Bigelow hatte als erste Frau in 82 Jahren in der Kategorie "Beste Regie" gewonnen. Aber war der erste "weibliche" Regie-Oscar auch ein Dammbruch? Sind Frauen hinter der Kamera seitdem auf dem Vormarsch?

Die Bilanz ist ernüchternd. Schon bei den Filmfestspielen in Cannes drei Monate später war alles wie immer: 19 Filme konkurrierten im Wettbewerb - kein einziger, der von einer Frau inszeniert wurde. Egal, ob international oder national, bei Festivals oder im Alltag der Filmproduktionen: Der Anteil von Frauen in konzeptionell-kreativen Positionen - wie Regie, Kamera, Produktion - schwankt zwischen mageren zehn bis 20 Prozent.

Frauenfestivals auf der ganzen Welt

Deswegen gibt es immer noch Frauenfilmfestivals. Die Organisatorinnen fordern Gleichbehandlung und wollen eine Plattform bieten, auf der Filmemacherinnen ihre Arbeiten präsentieren und sich vernetzen können. Frauenfilmfestivals findet man auf der ganzen Welt. Besonders viele gibt es in den USA. In Europa sind es um die zehn - wobei das französische "Films des Femmes" als Mutter aller Frauenfilmfestivals gilt.

Leinwand im Kino des Frausenfilmfestivals (Foto: DW)

Vorhang auf in Dortmund

Das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund|Köln (IFFF) ist das einzige dieser Größenordnung in Deutschland und zählt ebenfalls zu den bedeutendsten weltweit. Seitdem es aus zwei älteren, bereits in den 1980er-Jahren gegründeten Festivals fusionierte, läuft es jährlich abwechselnd am Rhein und im Ruhrgebiet. Köln präsentiert traditionell Länderprogramme, so wie im letzten Jahr "Rund um den Balkan".

Filme mit brisanten Themen

Dortmund ist auf thematische Schwerpunkte spezialisiert. In diesem Jahr laufen Filme zu aktuellen globalen Krisen. Das Motto lautet "Was tun?!" und ist gleichzeitig Frage und Aufforderung. Dokumentationen wie "The Age of Stupid", aber auch Spielfilme beschäftigen sich mit ökologischen, sozialen und politischen Fragen.

Pete Postlethwaite im Film The Age of Stupid (Foto: IFFF)

"The Age of Stupid"

Ähnlich brisante Themen finden sich dieses Jahr auch im Spielfilmwettbewerb, dem Herzstück und Publikumsmagneten des Festivals. Während sich der Wettbewerb in Köln immer an Debütantinnen richtet, konkurrieren in Dortmund erfahrenere Regisseurinnen um das Preisgeld von 25.000 Euro. Die insgesamt acht Filme zeigen Missstände auf, liefern formal ungewöhnliche Analysen zum menschlichen Miteinander und beschreiben die Folgen politischen Unrechts im Privaten.

Das Drama "También la lluvia - Even the Rain" handelt von einem Filmemacher, der die Eroberung Amerikas neu erzählen will. Beim Dreh in Bolivien gerät seine Crew in eine reale Revolte der indianischen Bevölkerung gegen die Privatisierung der Wasserversorgung. 500 Jahre nach Kolumbus stehen wieder Einheimische einer modernen Armee gegenüber. Ein Kinofilm, der auf wahren Begebenheiten basiert.

Szene aus dem Film También la lluvia (Foto: IFFF)

"También la lluvia"

Was ist ein typischer Frauenfilm?

Geschichten wie diese sind nicht gerade das, was man sich unter einem "typischen Frauenfilm" vorstellt. Da denkt man vielleicht eher an Dramen, die die Befreiungsgeschichte einer weiblichen Identifikationsfigur feiern oder deren tragischen Fall im Patriarchat beklagen. Doch auch so etwas bietet das Festivalprogramm. Aber eben nur als einen Teil des Spektrums. Auch nach einer spezifischen Ästhetik sucht man vergeblich, denn zu unterschiedlich sind die formalen Ansätze - ganz genau so wie bei den männlichen Kollegen.

Gibt es also so etwas wie einen weiblichen Blickwinkel? Und können Filme diese "andere" Perspektive vermitteln? Vielleicht. Fakt ist jedenfalls, dass das Frauenfilmfestival Impulsgeber ist, den Nachwuchs ermutigt und eine Leuchtturmfunktion hat. So lange, bis es irgendwann egal ist, ob ein Film von einer Frau oder einem Mann gemacht wurde und keine Besonderheit mehr, wenn eine Regisseurin den Oscar gewinnt.

Autorin: Jessica Düster
Redaktion: Jochen Kürten

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Symbolbild Film Festival roter Teppich

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