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Filme

Film in Osteuropa - Winter adé

Die Film-Reihe "Winter adé" zeigt es: In Osteuropa hat das Kino schon lange vor dem Mauerfall den politischen Umbruch vorweggenommen. Jetzt tourt die Reihe durch die Republik.

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Krzysztof Kieslowskis "Dekalog" - Schlüsselfilm aus dem Jahr vor dem Mauerfall

Ob in Polen, Rußland, der DDR oder in den anderen Staaten des Warschauer Pakts, die Film-Regisseure probten schon vor ´89 den Aufstand. Ihre Filme experimentierten mit der Form oder steckten klare politische Wegmarken. Das hatte einen hohen Preis. Viele Filme wurden verboten, manche Filmprojekte konnten gar nicht erst entstehen.

Filmreihe tourt durch die Kinos

Eine Auswahl wegweisender osteuropäischer Filme, die damals den politischen Umbruch 1989/90 vorwegnahmen, zeigt jetzt die Film-Reihe "Winter adé". Nach einer ersten Station bei den Berliner Filmfestspielen im Februar tourt die Reihe jetzt durch die Republik, wird bundesweit in Kommunalen Kinos und anderen Spielstätten gezeigt. Unter anderem ist sie auch im Kino der Brotfabrik in Bonn zu sehen. Eine Auftaktveranstaltung findet am 18. Juni im Haus der Geschichte statt. Zu Gast wird dort auch der Regisseur Rainer Simon sein. Zusammengestellt hat die Reihe der Filmpublizist Claus Löser. Mit ihm sprach Jochen Kürten:

Künstlerische Umbrüche

DW-WORLD.DE : Herr Löser, wie wurde der politische Umbruch 1989 denn filmisch vorweggenommen? Zunächst einmal rein inhaltlich? Was kann man in den Filmen sehen?

Claus Löser: Die Filme, die wir innerhalb der Reihe zeigen, stellen ja nur einen ganz kleinen Ausschnitt der Filmgeschichte aus dieser Epoche dar.

Claus Löser Kurator der Reihe Winter adé

Claus Löser, Kurator der Reihe "Winter adé"

Und bei der Entscheidung, welche Filme nun Eingang finden in diese Filmshow, habe ich mich von ganz unterschiedlichen Aspekten leiten lassen. Es sind zum einen natürlich inhaltliche Dinge, die in den Filmen drin stecken und die auf Veränderungen drängen, die dann wirklich erst 1989 eintreten, die sich aber sozusagen inhaltlich schon ankündigen. Andererseits, und das finde ich eigentlich fast spannender, sind es künstlerische, ja auch formale Veränderungen und sozusagen die Antriebe der Filmemacher, nicht zu akzeptieren, wie es ist. Diese innovativen Vorstöße, die in diesen Filmen drin stecken, die haben mich primär interessiert.

Lenin: "Film als wichtigste Kunst"

Kann man sagen, dass es immer um politische, stark gesellschaftliche geprägte Inhalte ging in diesen Filmen?

Claus Löser: Das kann man primär so gar nicht sagen, dass es um politische Veränderungen ging, die da eingeklagt wurden. Man muss ja immer berücksichtigen, dass die Filmindustrien in den sozialistischen Ländern kulturpolitisch extrem hoch angebunden waren. Es gibt ja das Wort von Lenin vom 'Film als wichtigste aller Künste'. Nach diesem Credo wurde auch wirklich gearbeitet in den kulturpolitischen Verwaltungsebenen. Film war Chefsache im gesamten Ostblock! Auch Filme, die in unscheinbaren Momenten anders waren als der real sozialistische Kanon das vorgab, waren extrem politisch, schon dadurch, dass sie künstlerisch formal anders waren.

Viele verbotene Filme

Einige Filme, die Sie zeigen, die sind ja auch damals verboten worden. Wie konnten diese Filme denn überhaupt entstehen? Ist das die Zensur gewesen, die das während des Drehbuchschreibens nicht mit bekommen hat? Wie sind diese Filme überhaupt entstanden?

Claus Löser: Die Verbotsgeschichte in den einzelnen Ländern des Ostblocks ist auch wirklich ein Forschungsgebiet für sich und man müsste sich jetzt jedes einzelne Land einzeln anschauen und das herausarbeiten. Nehmen wir mal die DDR zum Beispiel: da gab es 1965 das 11. Plenum und das war sozusagen die große Zäsur, die am massivsten in die Filmpolitik eingegriffen hat. Von da an, das war das Jahr, als fast die gesamte Jahresproduktion des DEFA-Filmstudios verboten wurde, von da an hat es die DEFA verstanden, im negativen Sinne, die Zensur so weit ins Vorfeld zu verlagern, das im Grunde überhaupt keine Drehbücher mehr entstanden, die irgendwie das real-sozialistische Dogma in Frage hätten stellen können. Ganz anders war das zum Beispiel in Polen. Es ist ganz verblüffend, wenn man sich das anschaut. Da gab es, wie wir wissen, im Dezember 1981 die Ausrufung des Kriegsrechts, das bis 1983 in Kraft war. In der Zeit zwischen 1981 und 1989 wurden dort die verrücktesten Filme gedreht. Unvorstellbar mutige, offene Filme, die in der DDR undenkbar waren, völlig undenkbar - oder auch in der Tschechoslowakei zu diesem Zeitpunkt war das undenkbar. Die polnische Gesellschaft war anders strukturiert, selbst im Kriegsrecht.

Das Interview führte Jochen Kürten. Sie können auch das vollständige Gespräch mit Claus Löser hören. Einfach unten anklicken.

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