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Kultur

Film ab! Mythos Hotel im Kino

In ihnen finden dramatische Eifersuchtsszenen, Morde und dubiose Agententreffen statt. Hotels liefern das perfekte Setting für Filme. Regisseure sind fasziniert davon. Ein Blick in die Filmgeschichte durch die Hoteltür.

Das Ritz, das Chateau Marmont, das Savoy, das Mandarin Oriental, das Carlton: weltberühmte Namen von Hotels, die umweht sind von einer Aura. Es sind Orte, die zum Träumen anregen. Kein Wunder, dass Künstler schon immer eine Affinität zu diesen besonderen Häusern hatten. So zeigt jetzt die Ausstellung "Room Service" in Baden-Baden, wozu sich Künstler von Hotels anregen lassen. Aber vor allem das Kino liebt den Mythos Hotel. Dort kommen sich Menschen nahe, die einander sonst nie begegnen. Die perfekte Voraussetzung für einen gelungenen Film.

Und fast immer spielt im Hotelfilm ein markantes Gebäude eine Hauptrolle, das sich auch im echten Leben besuchen lässt. Als Schauplatz intimer und staatstragender Ereignisse bietet das Hotel einen nie versiegenden Schatz an Gestalten und Geschichten. Ein halböffentlicher Raum, der Palast des Bürgertums, ein würdiger Ersatz für das Leben am Hofe. Mancher fühlt sich hier einsam, ein anderer befreit. Und oft verändert der kurze Aufenthalt ein ganzes Leben. Der Mythos Hotel zieht sich durch die ganze Filmgeschichte. Eine Reise durch Zeiten, Länder und Genres.

"MENSCHEN IM HOTEL", Regie: Edmund Goulding, 1932

1929 erscheint ein Roman von Vicki Baum, der die Faszination für Hotels auf den Punkt bringt. Hier treffen Gescheiterte, Verliebte, Todkranke, Suchende aufeinander für einen kurzen, schicksalhaften Moment. Das Hotel wird zur Bühne des Lebens. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die alternde Ballettdiva Grusinskaya, die sich in ihrem Hotelzimmer das Leben nehmen will.

Drei Jahre später wird der internationale Bestseller "Menschen im Hotel" verfilmt, mit der göttlichen Greta Garbo in der Hauptrolle. Spätestens jetzt gerät das Hotel zur Legende und das Genre des Hotelfilms wird geboren. Hotel und Film gehen von da an eine glückliche Verbindung ein, die bis heute anhält. Vorbild für Vicki Baums Etablissement war wohl das Excelsior in Berlin, andere erkannten darin das legendäre Adlon.

"MANCHE MÖGEN´S HEISS", Regie: Billy Wilder, 1959

Heiß ist es am Strand von Miami. Gut gelaunt trifft im Seminole Ritz Hotel eine Damenkapelle ein, wohlwollend gemustert von den ordentlich aufgereihten Millionären. Doch die Sache hat einen Haken: zwei der Musikerinnen sind Männer und auf der Flucht - legendär gespielt von Jack Lemmon und Tony Curtis. Genau wie in der Kapelle geht's im Hotel nicht mit rechten Dingen zu. Da wird aus Fenstern geklettert, ein Diamantarmband hin- und hergeschoben. Mafiosi steigen aus Geburtstagstorten, ein verarmter Musiker gibt sich als reicher Erbe aus. Und am Ende macht Millionär Osgood seinem "Rasseweib" Daphne alias Jack Lemmon einen Heiratsantrag, auch wenn sie sich die Perücke vom Kopf reißt und schreit: "Ich bin ein Mann!" Egal - "Nobody´s perfect!"

Das Hotel ist der große Irr- und Lustgarten, ein Haus der "verrückten" Verhältnisse, der Zweideutigkeiten, der falschen Geschlechter und Identitäten. Mitten in den rigiden Fünfziger Jahren, eine Insel der Freiheit und Laszivität. Wozu Marilyn Monroe gekonnt "I wanna be loved by you!" haucht. Und weil ihr das Original, das "Hotel del Coronado" in San Diego, während der Dreharbeiten so gut gefiel, soll sie hier später einige Schäferstündchen mit John F. Kennedy genossen haben.

"PSYCHO", Regie: Alfred Hitchcock, 1960

Durch diesen Film geistern zwei Gestalten - ein irrer Sohn und seine Mutter. Letztere ist seit langem tot. Sie schaukelt mumifiziert bis in alle Ewigkeit in ihrem Stuhl. Wer sich ins Motel Bates verirrt, ist des Todes. Wie Janet Leigh, die unter der Dusche grauenvoll erstochen wird. "Psycho" betont die dunkle Seite des Mythos´ Hotel. Es wird zum modernen Hexenhaus. Nie war das Gefühl des Ausgeliefertseins, der diffusen Angst, der Fremde so spürbar wie in diesem Klassiker. Ein Ort der Paranoia.

"STRANGER THAN PARADISE", Regie: Jim Jarmusch, 1984

Statt Glamourpalast, eine Absteige. In "Stranger than Paradise", einem preisgekrönter Kultfilm in schwarz-weiß, gehört Hotel und Fernstraße untrennbar zusammen. Zwei Männer und eine Frau suchen das Glück. Eddie, Willie und seine ungarische Cousine. Geld haben sie keines. So hängen sie im Motel ab, rauchen, vergeuden den Tag. Wenn gegessen wird, dann ein "TV-Dinner" - das gesamte Menü, verpackt in einer Alu-Wegwerfschale. Das Hotel wird für diese Unbehausten zu einem flüchtigen Zuhause. Der Weg ist das Ziel, wenn keiner weiß, wohin. Heute hier, morgen da. Sind wir nicht alle Entwurzelte in der globalisierten Welt?

"SHINING", Regie: Stanley Kubrick, 1980

Einer der ganz großen Hotelfilme, dessen albtraumhafte Bilder nicht vergisst, wer sie einmal gesehen hat. Eine Familie fährt durch eine tief verschneite Berglandschaft zum verlassenen Overlook Hotel. Während der einsamen Wintermonate soll Jack Torrance alias Jack Nicholson dort den Job des Hausmeisters übernehmen. Bei Go-Kart Fahrten durch die leeren Hotelflure sieht sein Sohn - er hat das zweite Gesicht - das Grauen, das hier zuvor geschah. Das Hotel verleiht dem Film eine besondere Magie zwischen geschlossener Anstalt und unvorhersehbaren Abenteuern.

Die Beklemmung, die "Shining" auslöst, beruht auf einer einfachen Überlegung, die jeder kennt: Wer hat zuvor in diesem Bett genächtigt? Was geschah in diesem Hotelzimmer vor meiner Ankunft? Welche Dramen durfte es beobachten? Kubricks Film treibt die unfreiwillige Nähe zu Fremden auf die Spitze: Jack schlüpft vollständig in die Haut seines Vorgängers, gerät in einen brutalen Blutrausch und wird zum Mörder. Erst als der Frau und seinem Kind die Flucht aus dem Hotel gelingt, ist der Albtraum zu Ende. Jack bleibt erfroren zurück im Overlook Hotel.

"LOST IN TRANSLATION", Regie: Sofia Coppola, 2003

Der Blick aus dem 41. Stock über das nächtliche Tokyo zeigt eine ruhige und entrückte Atmosphäre – egal ob in der Bar, dem Fitnessstudio oder am Pool. Und genau das zeichnet das Hotel in Sofia Coppolas Film aus. Vorbild ist das legendäre Park Hyatt in der japanischen Hauptstadt. Coppolas eigene Erfahrungen als Tochter eines berühmten Regisseurs, der immer unterwegs war, flossen ins Drehbuch ein. Mit diesem Hotelfilm sind wir endgültig in der Gegenwart angelangt.

Seine Bewohner sind globalisierte Großstadtnomaden. In den Hauptrollen Bill Murray als Bob und Scarlett Johansson als Charlotte. Die beiden fühlen sich nicht nur in der fremden Metropole verloren, sondern auch in ihrem Leben. Es bleibt ihnen nur eine kurze, intensive Zeit mit dem anderen. Eine zufällige Begegnung, die plötzliche Nähe, wenige Stunden gemeinsam, bis beide wieder ihrer Wege gehen und eine Träne langsam über das Gesicht von Scarlett Johansson rollt. Hotelbekanntschaften sind selten von großer Dauer. Weshalb immer eine gewisse Tragik mitschwingt. Die Familie Coppola hat die Leidenschaft für das Hotelgewerbe nie mehr losgelassen. Inzwischen unterhalten sie ein eigenes Haus in Belize.

"GRAND BUDAPEST HOTEL", Regie: Wes Anderson, 2014

Dieses Hotel ist nicht weniger als ein eigenes Universum mit schrillen Farben, verwegenen Kostümen und skurrilen Gestalten. Ein Hotel wie ein wirrer Traum, eine knallsüße Himbeersahnetorte, ein Drogentrip. Ja, fast eine Überdosis. Die Handlung spielt in einem Fantasieland zwischen den Weltkriegen. Gedreht wurde allerdings nicht im Hotel, sondern in einem leer stehenden Jugendstil-Kaufhaus in Görlitz. Im Mittelpunkt steht ein junger Hoteldiener und ein älterer Concierge. Gemeinsam wollen sie das Grand Hotel retten, dessen Glanzzeit zu Ende geht. Aber vergeblich! Der Zenit ist überschritten.

Trotzdem macht der Film, wie die meisten Hotelfilme, Lust aufs Reisen und vor allem unwiderstehliche Lust auf die großen, prächtigen Häuser dieser Welt. Und wie jeder Hotelfilm scheint er zu rufen: Macht euch auf zu neuen Ufern, "Into The Great Wide Open" - auch wenn es ganz und gar ungewiss bleibt, was euch dort erwartet.

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