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Frankreich

Fillon zieht sich nach Wahlniederlage zurück

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat Fillon zieht Konsequenzen aus seiner Schlappe im ersten Wahlgang. Der 63-Jährige führt seine konservativen Republikaner nicht in die Parlamentswahl im Juni.

Frankreich Wahl Francois Fillon Rede in Paris nach der Niederlage (Reuters/C. Hartmann)

Der konservative Kandidat Fillon

Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat François Fillon sagte bei einem Treffen der Parteiführung in Paris, er habe "nicht mehr die Legitimität", diesen "Kampf" zu führen, und wolle "mit ganzem Herzen" wieder ein Parteimitglied unter anderen sein. Fillon war in der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag nur auf dem dritten Platz gelandet und damit ausgeschieden. Der 63-Jährige galt noch Ende vergangenen Jahres als Favorit für die Nachfolge von Präsident François Hollande. Die Affäre um die mutmaßliche Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope im Parlament ließ seine Beliebtheitswerte aber massiv schrumpfen.

Es ist das erste Mal in der Geschichte von Frankreichs Fünfter Republik, dass die Konservativen nicht im entscheidenden zweiten Wahlgang vertreten sind. Viele Parteifreunde machen Fillon persönlich für die Wahlniederlage verantwortlich. Die konservativen Republikaner richten jetzt ihre Blicke auf die Parlamentswahl am 11. und 18. Juni. Die Partei hofft, dann eine Mehrheit in der Nationalversammlung zu erringen.

Macron und Le Pen in Stichwahl

Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl setzten sich der parteilose Mitte-Kandidat Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen durch. Macron gewann den ersten Wahlgang mit 24,0 Prozent, seine Kontrahentin Le Pen erreichte 21,4 Prozent, wie das Innenministerium mitteilte. Fillon schaffte laut Endergebnis nur 20,01 Prozent, der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon landete bei 19,6 Prozent und der Sozialist Benoît Hamon bei 6,4 Prozent. Insgesamt waren elf Kandidaten angetreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch rund 79,5 Prozent gewesen.

Der parteiunabhängige frühere Wirtschaftsminister Macron konnte damit zwar nur einen knappen Vorsprung einfahren. Die Kandidaten der von den Wählern beispiellos abgestraften etablierten Parteien von Links und Rechts sicherten ihm jedoch umgehend Unterstützung zu. Sie wollen einen Sieg Le Pens verhindern, die als erste Kandidatin ihrer Partei Front National seit 15 Jahren die Finalrunde erreicht hat.

Favorit Macron

Macron gilt bei der Stichwahl am 7. Mai nun als klarer Favorit. Umfragen zufolge kann er mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit rechnen. Die Hoffnung auf einen europafreundlichen französischen Präsidenten trieb am Montag die Aktienmärkte stark an. Der Deutsche Aktienindex Dax schaffte es erstmals über 12.400 Punkte. Am Ende ging der Leitindex mit einem kräftigen Aufschlag von 3,37 Prozent bei 12.455 Punkten aus dem Handel.

"Ich möchte der Präsident der Patrioten sein und der Gefahr durch Nationalisten die Stirn bieten", betonte der mit einem links-liberalen Programm angetretene Macron. Er kündigte an, er wolle das europäische Projekt erneuern und sich rasch eine Mehrheit im Parlament verschaffen.

Hollande empfiehlt Macron

Zuletzt rief der sozialistische Amtsinhaber François Hollande seine Landsleute auf, Macron zu unterstützen. Dass Le Pen in die Stichwahl komme, berge ein Risiko für das Land, sagte Hollande in einer Ansprache im Fernsehen. "Frankreichs Zusammensetzung, seine Einheit, seine Mitgliedschaft in Europa und sein Platz in der Welt stehen auf dem Spiel", sagte Hollande. Er werde für Macron stimmen, denn dieser sei am besten geeignet, das französische Volk zu einen. Die sozialistische Partei Hollandes will einen Wahlaufruf mit vier Millionen Exemplaren zugunsten von Macron veröffentlichen und verteilen. Zudem will sie hunderttausende Plakate im ganzen Land zur Unterstützung kleben lassen und hunderte Veranstaltungen organisieren.

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Präsidentschaftswahlen in Frankreich

Le Pen dagegen warf Macron vor, wegen seiner Unerfahrenheit sei er angesichts des islamistischen Terrorismus' schwach. Ihr Vize an der Parteispitze, Florian Philippot, sagte, Macron sei kein Patriot. "Er hat staatliche Firmen verkauft. Er hat die französische Kultur kritisiert", sagte er dem Sender BFM.

Le Pen und Macron werden sich am 3. Mai eine Fernsehdebatte liefern. Macron habe akzeptiert, verlautete aus dessen Umfeld. Der 39-jährige Macron könnte der jüngste Präsident werden, der jemals in den Élysée-Palast eingezogen ist.

kle/qu (afp, dpa, rtre)

 

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