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Wahlkampf in Frankreich

Fillon geht in die Offensive

Der Kandidat der französischen Konservativen für das Staatspräsidentenamt steht massiv unter Druck. Aber trotz der Ermittlungen gegen ihn gibt der 63-Jährige nicht auf. Für Sonntag ruft er zur Kundgebung in Paris auf.

François Fillon (Archivbild) hat angesichts wachsender Kritik aus dem eigenen Lager einen Durchhalte-Appell an seine Anhänger gerichtet. "Gebt nicht auf", rief der Konservative bereits am Samstag bei einer Rede im Pariser Vorort Aubervilliers. Fillons Team hofft am Sonntag auf Zehntausende Unterstützer. "Es könnten 45.000 Leute werden", sagte Pierre Danon vom Wahlkampf-Team dem Sender Franceinfo. Er betonte, die Kundgebung richte sich nicht gegen die Justiz.

Einen Tag vor seinem 63. Geburtstag durchsuchte die Polizei den Landsitz von Fillon südwestlich von Paris. Der Einsatz sei am Freitagabend beendet worden, hieß es am Samstag aus Ermittlungskreisen. Am Donnerstag war bereits Fillons Wohnung in Paris durchsucht worden.

Abkehr vom Kandidaten

Fillon steht seit Wochen wegen der Affäre um eine Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau Penelope und zwei seiner Kinder unter Beschuss. Die französische Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Veruntreuung staatlicher Gelder. Am Mittwoch teilte Fillon mit, dass Untersuchungsrichter ihn in der Scheinbeschäftigungsaffäre für den 15. März vorgeladen haben. Fillon hält trotzdem an seiner Kandidatur fest, viele seiner Parteifreunde wandten sich von ihm ab. Nach Zählung der Zeitung "Libération" sind inzwischen mehr als 190 Politiker der Republikaner und ihrer Verbündeten von Fillon abgerückt. Selbst Fillons Wahlkampf-Chef reichte am Wochenende seinen Rücktritt ein.

Auch innerhalb der republikanischen Partei weiß man um die prekäre Lage des Kandidaten. Am Montag will sich das Führungsgremium der Republikaner treffen, um die Lage zu besprechen. Unterstützung erhält Fillon von Fraktionschef Bruno Retailleau. Dieser verwies auf das klare Ergebnis der Vorwahl, bei der Fillon zum Kandidaten gekürt worden war. "Ein Mann ist gewählt worden, eine politische Linie ist gewählt worden", betonte er in Aubervilliers. "Das französische Volk hat es satt, sich seine Stimmen stehlen zu lassen." In einem Interview des Magazins "Valeurs Actuelles" sagte er, dass die parteiinternen Kritiker Fillons aus dem Umfeld seiner unterlegenen Vorwahl-Gegner stammten.

Schon in den Startlöchern? Alain Juppé (REUTERS/R. Duvignau)

Schon in den Startlöchern? Alain Juppé

Allerdings sprechen die Umfragen immer mehr gegen den Konservativen. 71 Prozent der Franzosen wünschen, dass Fillon von seiner Kandidatur zurücktritt. Derzeit würden nach Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron das Rennen unter sich ausmachen. Bei einer Stichwahl läge Macron dabei klar vorn.

Als möglicher Ersatzkandidat für Fillon war in den vergangenen Tagen mehrfach der frühere Premierminister und Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, genannt worden. Das Umfeld des 71-Jährigen hatte durchblicken lassen, dass Juppé bereitstünde, falls Fillon sich zurückziehe und er den Rückhalt der ganzen Partei bekomme.

cgn/myk (afp, dpa)